Kinder und Pferd
Immer wieder hört man von neuen Ideen, die es den "lieben Kleinen" ermöglichen schon im Kleinkinderalter mit Pferden zu tun zu haben (ich denke da speziell an reitpädagogische Betreuung und dergleichen) Doch was passiert, wenn Pferde und Personal unzureichend ausgebildet sind? Unfälle sind die logische Folge!
so wird z.B. bei einigen solcher Betriebe "qualifizierter Unterricht" auf "auf gut ausgebildeten Schulpferden" oder aber auch "reitpädagogische Betreuung für die Kleinsten" auf "braven Therapiepferden" angeboten.
Die Realität sieht leider etwas anders aus, die Pferde sind weder gut ausgebildet noch wirklich einwandfrei brav. Das Personal verfügt zwar oft über die reitpädagogische Ausbildung, jedoch über keinerlei Qualifikationen um wirklichen Reitunterricht erteilen zu können (bei einem Betrieb beispielsweise war die unterrichtende Reitlehrerin nicht in der Lage ihr Pferd am Zügel zu reiten, geschweigedenn es "sauber" anzugaloppieren -Das Pferd raste im Kreuzgalopp durch die Bahn, worauf die "reitpädagogische Betreuerin bzw. Reitlehrerin" meinte, dass das so schaukelt auf dem Pferderücken und dies offensichtlich auch noch als tollen Schauakt betrachtete)
Zurück zur Reitpädagogik: Auch war zu beobachten, dass die "Therapiepferde", die zugleich als "Schulpferde" herhalten mussten, nicht auf diese spezielle Arbeit mit Kindern ausgebildet waren. Dies zeigte sich vor allem dadurch, dass sie weder ruhig stehen konnten, noch wirklich "einwandfrei" waren (eines hat gebissen und wollte sogar schlagen) Die Pferde beiseite lassend, kann ich über die Einheit folgendes berichten:
Mit 6 Kindern in einer Gruppe finde ich persönlich die Gruppengröße ok, was mir jedoch weniger gefallen hat, war, dass statt einer reitpädagogischen Betreuerin und einer Helferin/helfer nur die Betreuerin alleine mit dem Pferd und den Kindern gearbeitet hat (meiner meinung nach sehr nachlässig, kein Mensch kann ein Pferd und mehrere Kinder gleichzeitig beaufsichtigen). Auch war die Einheit eher abenteuerlich aufgebaut: Jedes Kind durfte 1-2 runden frei(!!!) im Schritt durch die Reitbahn tingeln (für viele Kinder war dies das erste mal am Pferd), wurden dann an die Longe genommen und durften traben und galoppieren (sehr abenteuerlich, wenn man bedenkt, dass viele kinder vorher noch nie am pferd gesessen haben und nur von einem Voltigiergurt gesichert wurden). Weiters bleibt zu bemerken, dass das hier eingesetze Pferd zwar recht ruhig und duldsam war, jedoch offensichtlich nicht darauf vorbeireitet, dass Kinder unter seinen Beinen durchrutschen, auf seiner Gruppe stehen und Ähnliches (bei einem nicht so braven "Dumkopf" hätte das wort wörtlich böse ins auge gehen können!!, was der Betreuerin aber offensichtlich herzlichst egal war).
Über den Reitunterricht auf diesem Hof möchte ich mich gar nicht näher Äußern (Eine Reitlehrerin oder ein Reitlehrer sollte doch etwas Ahnung von dem haben, was er/sie seinen Schützlingen mitgeben sollte)
Zur Reitpädagogik und zum Unterricht selbst bleibt nur zu sagen, dass beides gefährlich und obendrein für die gebotene Leistung überteuert war!
Hier frage ich mich allerdings, warum es in Österreich überhaupt solche Dinge wie die Übungsleiter, Instruktor oder Trainerprüfung gibt, wenn sich jeder X-beliebige "Anfänger" als Reitlehrer betiteln und einen Reitbetrieb aufziehen darf!? Weiters würds mich wirklich interessieren, wofür diese reitpädagogische Ausbildung für Pferd und Betreuer überhaupt angeboten wird, wenn die Arbeit der Reitpädagogen danach weder kontrolliert noch beurteilt wird!?
Warum werden gerade solche Betriebe nicht strenger kontrolliert und warum wird das Niveau für Reitpädagogen nicht endlich angehoben!!?
Wie kann der Landesfachverband so etwas verantworten? Eine geschützte Berufsbezeichnung für Reitlehrer und eine strengere Kontrolle der Betriebe könnte da helfen, meint ihr nicht!?
Ich freue mich auf eure kommentare!
Gruß ekesch
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News
Reitpädagogische Betreuung
Die Reitpädagogische Betreuung ist eine vom Bundes -LFI ( ländliches Fortbildungsinstitut des Bundes) geprüfte und zertifizierte Ausbildung. Sie ist vom Bundesministerium für Land, -und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft genehmigt. (BMLFUM GZ 22.070/ 25-IIA4/01). Sowohl das Curriculum als auch die zum Einsatz kommenden Trainer und Trainerinnen entsprechen den hohen Anforderungen des Ministeriums für Angebote in der Erwachsenenbildung. Sie werden von den ländlichen Bildungseinrichtungen (LFI) der jeweiligen Bundesländer organisiert und durchgeführt. Dabei handelt es sich um ISO zertifizierte Einrichtungen. Soviel zur Qualität der Ausbildung " Zertifikatslehrgang Reitpädagogische Betreuung"
Zum Konzept und zur Methode Reitpädagogische Betreuung, auch bekannt unter dem Namen FEBS - reiten mit Fantasie, Erlebnis, Bewegung und Spiel. Es ist ein freizeitpädagogisches Angebot für Kinder im Sinne eines Reitkindergartens. Wie der Name schon sagt, handelt es sich explizit nicht um Reitunterricht und nicht um Therapie, sondern um eben reitpädagogische Betreuung.
Gefebst wird in einer Gruppe von max. 4 gesunden Kindern. Bei einer größeren Anzahl ist laut Lehrplan eine Hilfsperson zuzuziehen. Das Pferd, bzw. Pony wird immer von der Reitpädagogischen BetreuerIn geführt. Gearbeitet wird mit Reitdecke und Reitgurt mit 2 festen Griffen zum sicheren Anhalten. Schritt ist die hauptsächliche Gangart, wenn getrabt wird, dann nur in kurzen Reprisen und langsam. Galopp ist gar nicht vorgesehen, es sei denn man hätte ein Pony, das einen versammelten Galopp an der Hand kann. Das vorangige Ziel ist der Aufbau eines positiven Kontaktes zum Lebewesen Pferd, das Entwickeln von Wertschätzung und Respekt gegenüber Tieren und der Natur. In der Gruppe sollen Freundschaften geschlossen werden. Die Kinder sollen über Bewegung und Spiel Körperbewusstsein entwickeln und in ihrem Selbstvertrauen wachsen. Die reitpädagogische Betreuung schafft einen Rahmen, wo Kinder Kinder sein können - in der Natur, bestenfalls auf einem Bauernhof im Kontakt zu anderen Kindern und Tieren. Sie sollen eigene Ideen einbringen und ihre Kreativität einsetzen können. Nicht normierte Leistung, wie im Reitsport, sondern die individuelle schöpferische Gestaltung stehen im Vordergrund. Das Lebewesen Pferd wird dabei methodenimmanent kennengelernt und seine Verhaltensweisen erlernt. Somit lernen Kinder, wie man so schön sagt, allmählich das Pferd zu lesen und in weiterer Folge einzuschätzen.
Zum Thema "Sicherheit": Die Methode ist hinsichtlich Sicherheit fundiert und methodenübergreifend durchdacht. Gerade die Frage nach Sicherheit wird umfassend erarbeitet und steht im Vordergrund der Ausbildung. Ich verweise auf einen Beitrag des ORF, wo die reitpädagogische Betreuung als der sicherste Weg um einen Erstkontakt zum Pferd aufzubauen beschrieben wurde. Laut Aussage unseres Versicherungsmanagers gibt es seit Bestehen keinen einzigen Versicherungsfall bei unserer Versicherungsgesellschaft. So schlecht können dann unsere Absolventen nicht arbeiten, oder?
Dei Absolventen müssen, um die spezielle Reitpädagogische Haftpflichtversicherung abschließen zu können das Bundeszertifikat vorlegen. Dazu müssen sie sich einer umfangreichen Prüfung unterziehen, die aus mehreren Teilbereichen besteht. Unter anderem einer Praxispräsentation mit Pferd. Zum Zeitpunkt der Prüfung haben alle Absolventen mit gültigem Bundeszertifikat die geforderten Leistungen gezeigt und die Methode Reitpädagogische Betreuung korrekt vorgeführt. Dem Sicherheitsaspekt wird bei der Prüfung besonderem Stellenwert zugeschrieben. Gewöhnlich sind jene, die den Anforderungen nicht entsprechen, also kein Bundeszertifikat erhalten haben, beim Thema Sicherheit gescheitert.
Im Sinne der nonverbalen Pädagogik und der Kongruenz von Aussage und Wirklichkeit ist eine pferdegerechte Haltung, ein wertschätzender Umgang mit demselben, sowie die Gestaltung einer anregenden Umfeldes selbstredend.
Reitpädagogische Betreuung ist kein Reitunterricht, die ausübenden Personen ausdrücklich keine ReitlehrerIn. die Kinder sollen über FEBS pädagogische Mündikeit erlangen, also Selbstkompetenz, Sachkompetenz ( Z.B.: Was frisst ein Pferd, die führe ich mein Pony sicher , u.s.w) und Sozialkompetenz. Das sich dabei nebenbei ein ausbalancierter Sitz entwickelt, Balance und Rhythmusgefühl entsteht und somit ein guter Bewegungsdialog zum Pferd aufgenommen werden kann - also die besten Voraussetzungen für ein späteres Reiten lernen - ist durchaus erwünscht aber im Sinne der Methode nicht ausdrücklich vorgesehen.
Kombinationen mit Longe oder freiem Reiten dürfen laut Curriculum nur gemacht werden, wenn die ausübende Person über entsprechende zusätzliche Ausbildungen verfügt, wie z.b. der ganzheitlichen Reitpädagogik nach Dell'mour® oder einem Übungsleiter Voltigieren, o.ä.
Leider haben wir über die Jahre beobachten müssen, dass es einen zunehmenden "Reitpädagogischen Wildwuchs" gibt. Offenbar entspricht die Philosophie der Reitpädagogik
( da ist aber die Reitpädagogische Betreuung nur ein Teilbereich)dem Zeitgeist. Selbsternannte "Reitpädagogen und ganzheitliche Reitlehrer treiben ihr Umwesen und versuchen ohne Sachkenntnis die Methoden zu kopieren und auf den Zug aufzuspringen. Das ist zwar rechtlich zulässig, wird von unserer Seite aber stricktest abgelehnt. Selbstverständlich ist es leider auch nicht auszuschließen, dass Absolventen trotz besseren Wissens Eigenkreationen auf den Markt bringen, die nicht dem Lehrplan entsprechen. Offenbar dürfte es diese "schwarzen Schafen" wenig interessieren, dass sie im Schadensfall durch keine Versicherung gedeckt sind. (Wie allseits bekannt betreiben u.a. auch manche Reitlehrer das lukrative 4- Longensystem, welches ebenso wenig im Sinne des Pferdesportverbandes ist.)
Gegenseitiges Anschwärzen und Denunziation bringt uns Menschen nicht weiter. Aufklärung, Information und der mündige Kunde - das könnte ein Weg zu der gewünschten Kontrolle sein. Dazu sollten alle im Pferdebereich tätigen Personen, die über fundierte Ausbildungen und Erfahrung verfügen zusammenhalten. Viele Menschen sollen für Pferde mit den unterschiedlichen Angeboten in der Reiterszenen begeistert werden. Reiten als Gesundheitssport wäre durchaus eine sinnvolle Investition in die geistige, körperliche und seelische Entwicklung eines Volkes!
Sabine Dell'mour
Entwicklerin der Methoden Reitpädagogische Betreuung und ganzheitliche Reitpädagogik nach Dell'mour@, Bundesreferentin des LFIs.
Kinder und Pferd
Es ist nie behauptet worden, dass die Idee der Reitpädagogik etwas Schlechtes ist, dennoch verstehe ich nicht, warum den Betrieben nicht mindestens 1x im Jahr von der LFI ein unangekündigter Besuch abgestattet wird um zu kontrollieren, was die zertifizierten Reitpädagogen so treiben. (Dies sollte auch bei den gekennzeichneten Reitschulen passieren)
Wie gesagt, mein Bericht ist keine mündliche Überlieferung sondern ein Erfahrungsbericht.