Ursachen für Koppen und Weben?
Wir haben im Stall einige Pferde, die weben oder koppen. Welchen Ursprung haben diese Verhaltensstörungen? Kann ich als Besitzer irgendetwas dafür tun, dass die Pferde damit aufhören oder ist man da machtlos? Sind Koppen und Weben vielleicht sogar vererbt?
Martin Mader per E-Mail
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Antwort von Daniela Bühler
Koppen und Weben sind Verhaltensstörungen, die in der heutigen Zeit durch künstliche Zucht eine erbliche Veranlagung mitbringen. Alleine der Erbanteil löst allerdings Koppen und Weben nicht aus! Zusätzliche Ursachen für das Auftreten dieser Stereotypien können sein: einschneidende Erlebnisse im negativen Sinn, z. B. das plötzliche und zu frühe Absetzen von der Mutter, Isolation durch Klinikaufenthalt, Stallwechsel mit Trainingsbeginn. Insbesondere Vorgänge, die zu einem Erregungsanstieg führen, z. B. warten auf Futter bei Sägespäne- Einstreu.
Es konnte aufgezeigt werden, dass beim Kopper die Kopp-Frequenz nach Fütterung von konzentriertem Kraftfutter erheblich zunimmt, während die Gabe von Heupellets keinerlei Einfluss auf die Häufigkeit von Koppvorgängen hat (Gilham et al. 1994). Die Annahme der Nachahmung ist nicht zulässig, der Koppvorgang ist zu komplex, als dass ihn der Boxennachbar abschauen könnte. Vielmehr ist von einer inadäquaten Haltung und nicht artgemäßer Fütterung auszugehen.
Fütterung von Raufutteranteil ad libitum ist zwingend. Auch Aeste wie Birke, Obstbäume, Tanne, Buche helfen für die Beschäftigung. Für beide Verhaltensstörungen – die nur unter menschlicher Obhut auftreten – gilt artgemäße Offenstallhaltung, die der Reizverarmung entgegenwirkt, Sozialkontakte und viel Weidegang ermöglicht. Das Freikoppen gilt als therapie-resistent. Weben hat (nach Radtke, 1985) verschiedene Variationsbreiten: Webphase/Tag 3-15, Webzeit/Tag 13-297 min, Ausschläge/Tag 400-17000, Ausschlagsweite 80-175 cm. Weben kann man therapieren, es ist durch eine Differentialdiagnose zu unterscheiden, ob eine unbeabsichtigte Konditionierung, ein erlerntes, aufmerksamkeitsforderndes Verhalten stattfindet, oder ob es sich um eine etablierte Stereotype handelt. Bei exzessiv webenden Tieren tritt die Stereotypie ohne erkennbaren Auslöser auf.
Vor allem sind Vollblüter, Araber und veredelte Rassen betroffen. Ein pferdegerechter Umgang und stressfreie Ausbildung mittels positiver Verstärkung, z. B. Lob, auch mal Zügel aus der Hand geben, Nasenriemen lockern, Streicheleinheit, ist anzustreben.
Koppende Pferde
Für weitere Informationen zum Thema "Koppen beim Pferd" verweise ich gerne auf meine Homepage www.koppende-pferde.ch