Atypische Weidemyopathie: Bereits sieben tote Pferde in Kärnten

Vorsicht – Pferde sollten kein gefrorenes Futter oder Laub fressen. Archivfoto: Irene Gams

In den letzten beiden Tagen sind in Kärnten sieben Pferde unter noch nicht restlos geklärten Umständen verstorben. Auslöser dürfte, so vermuten die Behörden, die sogenannte atypische Weidemyopathie sein. Pferdebesitzern wird zu erhöhter Vorsicht geraten.


Auch aus anderen Bundesländern – so etwa aus der Steiermark – sind vermehrt Berichte über verstorbene Pferde aufgetaucht – die Todesserie in Kärnten ist jedoch zweifellos der bisher schlimmste Fall. „Allein in den letzten beiden Tagen haben wir sieben tote Pferde zur Untersuchung bekommen. Wir haben Berichte von Tierärzten, dass es viele weitere Fälle – auch in anderen Bundesländern – geben soll. Wir sind sehr besorgt“, so Michael Mansfeld von der Landesanstalt für veterinärmedizinische Untersuchungen in Klagenfurt.

Als wahrscheinlichste Ursache für den rätselhaften Pferdetod wird derzeit die sogenannte atypische Weidemyopathie angenommen. Michael Mansfeld: „Mit Sicherheit können wir es erst sagen, wenn alle histologischen Untersuchungen abgeschlossen sind, was aber noch einige Zeit dauern wird. Wir gehen jedoch nach den bisherigen Sektionen von der Weidemyopathie aus – sie ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache dieser Todesfälle.“

Die atypische Weidemyopathie ist ebenso rätselhaft wie gefürchtet – Jahr für Jahr verenden zahlreiche Pferde qualvoll. Der Veterinärmedizinischen Universität Lüttich – die intensive Forschungen zu dieser Krankheit betreibt – wurden heuer bereits rund 40 Fälle aus div. europäischen Ländern gemeldet. Trotz aller Bemühungen der Tiermedizin sind die genauen Ursachen der Erkrankung ungeklärt. Man vermutet, dass die Myopathie von einem bestimmten Bakterium – Clostridium sordellii  – ausgelöst wird, das Pferde mit der Nahrung aufnehmen. Das Bakterium kommt im Boden vor, kann dort auch lange überdauern und vermehrt sich offenbar unter bestimmten Witterungsbedingungen (z. B. im Spätherbst und Winter, bei Morgenfrost mit Erwärmung tagsüber usw.) schlagartig. Im Darm des Pferdes bildet das Bakterium Toxine, welche die Muskelzellen schädigen und bei schwerem Verlauf innerhalb weniger Tage zum Tod führen – Schätzungen gehen von einer Todesrate von bis zu 70 % aus. Michael Mansfeld: „Die Myopathie ist eine schwere Muskelerkrankung, ähnlich wie der Kreuzschlag, es sind jedoch mehr und größere Muskelpartien betroffen, insbesondere auch die Atmungs- und Schlundmuskulatur – viele Pferde sterben an Schluck- oder Atemlähmung.“

Die ersten Symptome können wie eine Kolik aussehen, die Pferde zeigen eine allgemeine Schwäche, haben eine erhöhte Herzfrequenz, zittern, schwitzen und kollabieren schließlich. Typisch ist auch der dunkelrot gefärbte Urin. Eine effektive Behandlung bei Myopathie gibt es nicht, meist verabreicht man erkrankten Pferden ähnlich wie beim Kreuzschlag intravenöse Infusionen, doch die Therapie ist in den meisten Fällen aussichtslos, da die Krankheit extrem rasch voranschreitet.

Pferdebesitzern rät Michael Mansfeld zu Vorsicht beim Weidegang: „Wir empfehlen, die Pferde einzustallen und sie nur mit Heu guter Qualität zu füttern. Auf keinen Fall sollten die Tiere gefrorenes Futter oder Laub fressen.“ Bei Auftreten der beschriebenen Symptome sollen sich Pferdehalter umgehend an ihren Tierarzt wenden.

Infos: Landesanstalt für veterinärmedizinische Untersuchungen, Kirchengasse 43
9020 Klagenfurt Telefon: +43 (0) 50536 / 15302, E-Mail: abt5 [dot] vetmed [at] ktn [dot] gv [dot] at, www.la-vetmed.at

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