Atypische Weidemyopathie in Kärnten: Ursachenforschung beginnt

Nach wie vor ist unklar, was die atypische Weidemyopathie auslöst. Foto: Irene Gams

Die Landesanstalt für veterinärmedizinische Untersuchungen in Klagenfurt gibt nach insgesamt zehn Todesfällen nun erstmals Entwarnung: In den letzten Tagen seien keine weiteren Fälle gemeldet worden, so Anstalts-Leiter Dr. Kurt Sick – nun möchte man Näheres über die Ursache der Todesfälle herausfinden.

Insgesamt zehn tote Pferde gab es bislang in Kärnten zu beklagen – seit dem dramatischen Ausbruch Mitte November mit sieben toten Pferden (Pferdplus hat darüber berichtet) sind noch drei weitere hinzugekommen. In keinem anderen Bundesland sind soviele Fälle registriert worden – die Häufung hatte auch international für Aufsehen gesorgt.

Von den zehn toten Pferden wurden sieben in der zuständigen Landesanstalt für veterinärmedizinische Untersuchungen obduziert – mittlerweile liegen auch die histologischen Befunde vor. Dr. Kurt Sick, Leiter der Landesanstalt zu Pferdplus: „Unsere ersten Vermutungen wurden bestätigt – mittlerweile ist eindeutig geklärt, dass die atypische Weidemyopathie die Todesursache war. Eine derartige Häufung hat es in den letzen Jahren in Kärnten nie gegeben – aus diesem Grund sind wir auch in die Offensive gegangen und haben die Öffentlichkeit auf dieses Problem aufmerksam gemacht.“

Die Todesfälle waren auf mehrere Betriebe und Bezirke in Kärnten verteilt, so Dr. Sick weiter: „Es gab einen Betrieb mit vier Fällen, einen mit zwei Fällen – und vier Betriebe mit je einem toten Pferd. Die Todesfälle traten in verschiedenen Bezirke auf – betroffen waren u. a Feldkirchen, Klagenfurt-Land, Spittal und Villach. Glücklicherweise hat sich die Lage mittlerweile entspannt, wir hatten in den letzten zehn Tagen keine weiteren Todesfälle mehr. Aber das scheint geradezu ein typisches Merkmal dieser Erkrankung zu sein, das man auch in der Literatur immer wieder findet: Die Myopathie-Fälle treten vor allem in jener Periode auf, in denen es erstmals friert und dann tagsüber wieder wärmer wird. Danach klingen die Todesfälle ebenso rasch, wie sie aufgetaucht sind, auch wieder ab", so Dr. Sick.

Für die Landesanstalt steht nun die Ursachenforschung im Mittelpunkt. Dr. Sick: „Wir haben beispielsweise den Mageninhalt von sämtlichen Tieren rückgestellt und werden Proben an das Institut für Botanik schicken, um zu erfahren, was die Pferde genau zu sich genommen haben, ob Giftpflanzen oder belastetes Futter dabei waren usw.“ Die Recherche über die Ursache bzw. Auslöser der tückischen Erkrankung soll aber noch weiter gehen, wie Dr. Sick bestätigt: „Wir möchten an die betroffenen Pferdebesitzer einen detaillierten Fragebogen schicken, um Näheres über die örtlichen Gegebenheiten zu erfahren, also wie die Pferde gehalten wurden, welches Futter sie bekommen haben, wie die Weiden beschaffen sind etc. Vielleicht ergeben sich dadurch weitere Aufschlüsse. In Thüringen gab es beispielsweise eine Studie, wonach bei einem hohen Prozentsatz eingegangener Pferde Bergahorn-Blätter gefunden wurden, die von einer bestimmten Pilzkrankheit befallen waren. In diese Richtung wollen auch wir weiter recherchieren. Es gibt mit der Veterinärmedizinischen Universität Lüttich eine Forschungseinrichtung, die sich europaweit dieser seltenen Erkrankung widmet und mit der auch wir uns in Verbindung setzen wollen. Vielleicht können wir zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten, dieser rätselhaften Erankung auf die Spur zu kommen“, so Dr. Sick

Infos: Landesanstalt für veterinärmedizinische Untersuchungen, Kirchengasse 43
9020 Klagenfurt Telefon: +43 (0) 50536 / 15302, E-Mail: abt5 [dot] vetmed [at] ktn [dot] gv [dot] at, www.la-vetmed.at.


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