Ausbildung des jungen Fahrpferdes

Auch die Ausrüstung ist wichtig – das Geschirr muss in jedem Fall gut sitzen und darf nicht drücken. Foto: Sonja Bauer

Mit Geduld und Fachwissen ist das junge Fahrpferd in absehbarer Zeit fast ein alter Hase – wenn man dabei alles richtig macht. In welchen Schritten die Ausbildung ablaufen sollte, verraten wir hier.

Bis auf wenige Ausnahmen eignen sich vom Pony bis zum Kaltblut fast alle Pferde und Rassen dazu, im Geschirr zu gehen. Das Fahren ist – bei sachgerechter Anwendung – gut für die Gesundheit und die Fitness der Pferde. Das Alter spielt ebenfalls keine große Rolle. Entscheidend bei der Auswahl eines Fahrpferds ist das Interieur: Für den Freizeitfahrer braucht es vor allen Dingen ein ruhiges und ausgeglichenes Temperament, eine möglichst hohe Reizschwelle, ein gesundes Phlegma, kombiniert mit der nötigen Portion Fleiß. Eine grundsätzliche Unterscheidung muss zwischen den Anforderungen eines Freizeitfahrers und denen eines turnierorientierten Fahrers gestellt werden.

Die Ausbildungsschritte eines Fahrpferdes


Im Vordergrund der Ausbildung steht der Grundsatz des Achenbach-Fahrsystems: Zweckmäßigkeit, Sicherheit und Pferdeschonung. Die Ausbildung eines Fahrpferdes findet in mehreren Schritten statt:
1. Gewöhnen an das Geschirr
Man beginnt im Stall und in der Box damit, das Geschirr vorsichtig und ohne Gewalt, zuerst locker, später fester, aufzulegen. Für das erste Anschirren empfiehlt sich ein Brustblattgeschirr, da es leicht ist und sich jedem Pferd anpassen lässt. Akzeptiert das Pferd das Geschirr, kann es auch geführt und dabei mit bestimmten Kommandos wie „Komm“ und „Halt“ vertraut gemacht werden.
2. Arbeit an der Doppellonge
Duldet das Pferd dann auch die Berührung der Zugstränge an den Hinterbeinen ruhig und ohne sich zu verspannen, kann mit Geschirr an der Doppellonge gearbeitet werden. Es wird das taktmäßige Gehen entwickelt, die Gangarten Schritt und Trab in beiden Richtungen ausgebunden trainiert und gelernt, die äußere Leine, die oberhalb des Sprunggelenks verläuft, zu akzeptieren und auf die Stimmkommandos zu reagieren.
3. Arbeit mit der Schleppe

Geht das Pferd sicher mit Geschirr an der Doppellonge, kann die Schleppe (z. B. Autoreifen) hinzugenommen werden. Diese hängt man am besten in einem umzäunten Platz an und so, dass sie sich schnell lösen lässt, falls das Pferd in Panik gerät. Das Gehen über verschiedene Untergründe gewöhnt das Pferd an die Geräusche. Schließlich wird das Pferd auch mit Geschirr und Schleppe an der Doppellonge gearbeitet.
4. Anspannen vor die Kutsche
Erfüllt das Pferd die obigen Schritte problemlos, kann es vor die Kutsche gespannt werden. Eine sichere und stabile Kutsche ist notwendig und idealerweise spannt man ein erfahrenes Pferd dazu mit ein. Das erleichtert das Einfahren um Vieles. Wenn das Pferd vor der Kutsche zuerst nur Trab anbietet, sollte dies akzeptiert werden, da es im Trab die Kutsche leichter ziehen kann. Erst in den weiteren Tagen der Ausbildung wird der Schritt gefestigt.

Skala der Ausbildung

Auch ein Kutschpferd wird nach der klassischen Skala der Ausbildung ausgebildet: Takt –Losgelassenheit – Anlehnung – Schwung – Geraderichten – Versammlung und als oberstes Ziel die Durchlässigkeit. Während der Ausbildung muss stets mit Vorsicht und Ruhe vorgegangen werden, um Überforderung zu vermeiden. Erst wenn ein Ausbildungsschritt sicher gefestigt ist, sollte zum nächsten Schritt übergegangen werden.

Fachmännische Unterstützung ist in allen Phasen unbedingt notwendig. Dabei ist die Auswahl des geeigneten Fahrlehrers sehr wichtig, da manche Trainer zu schnell vorgehen und somit die Pferde überfordern. Haben die Pferde erst einmal schlechte Erfahrungen gemacht und Angst bekommen, weil sie beispielsweise zu früh angespannt wurden, ist es schwierig und zeitaufwendig, diese wieder zu korrigieren.

Die Ausrüstung


Das Geschirr muss unbedingt gut sitzen. Druckstellen von schlecht passenden Geschirren verursachen Schmerzen und das Fluchttier Pferd wird seine Unlust an der schmerzvollen Arbeit mit Störrigkeit und Unwillen deutlich zeigen. Ein Brustblattgeschirr eignet sich am besten, da es verstellbar ist und somit für verschieden Pferde verwendet werden kann. Die Art des Wagens wird nach dem Einsatzzweck gewählt. Die Anforderungen des Freizeitfahrers lauten: Leicht, zweckmäßig und preisgünstig, aber sicher (!) soll er sein. Der Freizeitfahrer bevorzugt eine bequeme, luftbereifte Kutsche – wenn möglich mit genug Sitzmöglichkeit für die Mitfahrer. Wichtig ist, darauf achten, dass die Relation zwischen Leistungsfähigkeit des Pferdes und Gesamtgewicht des Wagens stimmt. Wer Turnierambitionen hat, sollte sich gleich nach einem turniertauglichen Gefährt umsehen, bei dem Bauart und Spurbreite dem aktuellen Turnierreglement entsprechen.

Vorsicht im Verkehr

Im Straßenverkehr ist es neben dem erlernten Wissen auch versicherungstechnisch besser, wenn man ein Fahrabzeichen besitzt. Wichtig: Nur erfahrene, verkehrssichere Pferde sollten bei Fahrten auf der Straße eingesetzt werden – unerfahrenen Pferden und auch Fahrern sollte immer ein erfahrener Partner an die Seite gestellt werden.

Die komplette Geschichte finden Sie in Pferdplus 08/2010
Autorin: Sonja Bauer

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