Ausbildung des jungen Springpferdes

Geduld und Behutsamkeit sind die wichtigsten Maximen in der Ausbildung junger Pferde. Foto: Stefan Seiberl

Bei der Ausbildung eines jungen Springpferdes gibt es einige Dinge, denen man besondere Beachtung schenken soll. Eine Grundregel lautet: Arbeite mit Behutsamkeit und Geduld, denn Überforderung führt in der Regel zu großen Problemen.

Michael Pobitzer, der schon langjährige Erfahrung in der Ausbildung junger Pferde sammeln konnte, beginnt mit Sprüngen aus dem Trab. Im Trab sei es leichter, das Pferd gerade zu halten, bis zum Absprung passend hinzureiten und junge Pferde bleiben so leichter in der Spur. Erst wenn das Pferd dies beherrscht, sollte man versuchen, aus dem Galopp anzureiten. Dabei ist wichtig, ohne Stress zu arbeiten und den Pferden die individuell benötigte Zeit zu gewähren. Eine weitere Möglichkeit, um die Technik des Pferdes zu verbessern, bieten Gymnastikreihen, ebenfalls im Trab. Sie fördern durch die schnelle Abfolge sowohl die Reaktionsgeschwindigkeit als auch die Aufmerksamkeit des Pferdes und sorgen für Abwechslung. Michael Pobitzer warnt jedoch: „Bei sehr vorsichtigen Pferden, die sich oftmals noch überspringen, mache ich noch überhaupt keine Gymnastikreihen.“ Die Gefahr der Überforderung sei zu groß. Jürgen Krackow weiß ebenffalls um den Nutzen der Gymnastikreihen – er gewöhnt so die Pferde an Unterbauten, was auch schon früh, aber sehr gezielt und langsam eingesetzt werden sollte.

Knackpunkt Wassergraben

Ein ganz spezieller Fall bei Unterbauten ist der Wassergraben. Mehrere Studien belegen, dass Pferde die Farben gelb und blau am deutlichsten wahrnehmen. Michael Pobitzer wendet hier einen Trick an – an Stelle des Wassergrabens liegt eine Folie zwischen zwei Stangen. Durch die Stangen wird der Sprung zusätzlich erleichtert und das Pferd kann auch seitlich vorbei springen. Erst nach und nach wird die die Folie breiter ausgelegt. Geduld und Feingefühl sind hier gefragt!

Rittigkeit durch Dressurarbeit

Die Pferde müssen nach einem Sprung sobald als möglich wieder an den Hilfen stehen, sodass der optimale Weg zum nächsten Hindernis gefunden werden kann. Dies erfordert eine fundierte Basisausbildung in der Dressur. Tempowechsel im Galopp und schnelles „an die Hand bekommen“ nach dem Sprung sind das Eine – das Andere ist die gerade richtende Biegearbeit, um eine gleichmäßige Anlehnung zu erreichen und Wendungen korrekt reiten zu können. Später können auch Seitengänge ins Trainingsprogramm aufgenommen werden, sie kräftigen die Hinterhandmuskulatur und fördern die Beinbeweglichkeit. Ein Training der Hinterhand des Pferdes hat nach Fritz Thiedemann den Vorteil, dass die beim Springpferd ohnehin stärker beanspruchte Vorhand entlastet wird und nicht zuletzt auch ein federnder Absprung ermöglicht wird. Außerdem sollte dem Springpferd auch ein gewisses Maß an Abwechslung, zum Beispiel Ausritte ins Gelände und genügend Ruhepausen geboten werden.

Das erste Turnier – Tipps von den Profis
Jürgen Krackow:
–  Stress vermeiden
–  am Vortag anreisen und dem Pferd die Möglichkeit geben, sich den Platz und die Umgebung genau anzuschauen
– vor dem Transport zu Hause locker reiten
Max Huck:
– junge Pferde, die zum ersten Mal auf ein Turnier fahren, sollten schon vorher daran gewöhnt sein, auch mal von der Herde weg und auf einem separaten Platz geritten zu werden
Michael Pobitzer:
–  man sollte bedenken, dass die Konzentrationsspanne eines jungen Pferdes nicht so lange anhält und das Abreiten dementsprechend anpassen – etwaige Korrekturen sollten dann zu Hause beim Training stattfinden

Lob nicht vergessen!

Den wohl wichtigsten Grundsatz in der Ausbildung junger Pferde hat der große Fritz Thiedemann so beschrieben: „Wenn in der Ausbildung eines Pferdes etwas nicht nach unseren Vorstellungen geht, sind wir schnell zum Tadeln bereit, ohne uns ausreichend zu fragen, woher die Schwierigkeiten oder sogar Differenzen mit diesem Pferd kommen. Wenn aber alles planmäßig verläuft, nehmen wir das als eine Selbstverständlichkeit hin und vergessen dabei zu leicht zu loben. Dabei vergisst das Pferd aber den Tadel viel weniger als das Lob. Und schon aus diesem Grund sollten wir unsere Pferde viel mehr loben als tadeln!“

Die komplette Geschichte finden Sie in Pferdplus 10/2010
Autor: Anna Mogeritsch

Pferdplus Probeheft
Ich möchte kostenlos und unverbindlich ein Pferdplus Probeheft bestellen.