Blutbild beim Pferd – wann eine Blutuntersuchung sinnvoll ist & was sie zeigt
Was alles wird bei einer Blutuntersuchtung getestet und welche verschiedenen Blutbilder gibt es?
Das Blut ist einer der zentralsten und wichtigsten Bestandteile des Körpers, es nährt, transportiert, wehrt Eindringlinge ab und hat noch viele Aufgaben mehr. Ist ein Pferd krank, kann nicht immer auf den ersten Blick festgestellt werden, was ihm überhaupt fehlt. Häufig greift dann der Tierarzt zu einer Blutuntersuchung, wodurch sich die unterschiedlichsten Werte analysieren lassen.
Welche Blutbilder gibt es?
- Kleines Blutbild – Status der Zellen bzw. deren Konzentration im Blut:
o Erythrozyten (rote Blutkörperchen) –Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen der Lunge und den Organen bzw. dem Gewebe
o Leukozyten (weiße Blutkörperchen) – Immunsystem
o Hämoglobin (Blutfarbstoff) –Bindung von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut
o Hämatokrit (Anteile der zellulären Bestandteile im Blut) – je höher der Hämatokrit, desto „zäher“ das Blut
o MCV (mean cellular volume – der Volumeninhalt des einzelnen Erythrozyten)
o MCHC (mean cellular heamoglobine concentration – der mittlere, zelluläre Hämoglobingehalt)
- Großes Blutbild – zusätzlich zum kleinen Blutbild ein Differentialblutbild
o verschiedene Formen der Leukozyten werden untersucht – Erhöhung der Zellzahl weist auf eine Entzündung im Körper hin; die unterschiedlichen Zellen geben Aufschluss über das Alter und die Art der Entzündung
Ergebnisse und weitere Tests
Vermehrt zu beobachten sind bei Blutbildern z. B. ein erhöhter Hämatokrit, erhöhte Werte des Blutfarbstoffes frei im Blut, Anämie (Blutarmut) oder auch eine erhöhte Zahl der Leukozyten. Ein sogenanntes „Suchprofil“ kann die Untersuchung erweitern. Hier werden dann Enzyme, Abbauprodukte der Organe, Glucose, Eiweiße usw. analysiert – sie weisen auf den Gesundheitszustand von Organen und Muskeln aber auch auf viele andere Zustände im Körper hin. Häufig werden auch Analysen in Richtung der Infektionsdiagnostik angefordert, ebenso parasitologische oder mikrobiologische Tests.
Unterschiede der Blutbilder
Die im Blutbild oder auch im Suchprofil dargestellten Werte sollten sich in einem bestimmten Referenzbereich befinden, weichen sie davon weit ab, liegt ein Mangel oder auch eine Überversorgung vor. Trotzdem muss man oftmals noch andere Faktoren bei der Auswertung berücksichtigen. Sieht man sich das Blutbild bei einem gesunden Pferd an, kann es vorkommen, dass ein Wert nicht immer ganz passt – dies sagt aber noch nicht, dass das Pferd krank sein muss, vielleicht ist der Wert einfach genetisch so veranlagt. Das Alter spielt auch eine Rolle – die Werte eines jungen Fohlens sehen anders aus, als die eines 25-jährigen „Pensionisten“. Und zwischen den Rassen, besonders zwischen Kaltblütern, Vollblütern und Ponys kann es ebenso, vor allem bei den roten Blutkörperchen, zu größeren Unterschieden kommen.
Wann ist ein Blutbild sinnvoll?
Ein Blutbild macht Sinn bei allgemeinen Gesundheitsüberprüfungen und Vorsorgeuntersuchungen, weiters bei jeder Erkrankung, die einen Verdacht auf entzündliche Veränderungen gibt, sowie bei allen Erkrankungen, die eine Beeinflussung der blutbildenden Organe mit sich bringen. Außerdem werden bei Leistungspferden, vor allem bei Rennpferden, regelmäßig Blutbilder analysiert, um den körperlichen Zustand genau zu überprüfen.
Beeinflusste Werte
Da das Blutbild eine Momentaufnahme ist, spiegeln sich in den Werten auch viele Umstände wieder, die das Pferd in der Situation beeinflussen. Medikamente verfälschen die Werte genauso, wie die Blutentnahme direkt nach einer intensiven Belastung, wo die Glukosewerte erhöht sind. Dies sollte, wie auch Alter, Rasse oder Geschlecht auf dem Formular des Labors bei der Einreichung der Blutprobe vom Tierarzt vermerkt werden. Neben der korrekten Entnahme sind richtiger Transport, Verpackung, Kühlung und Versand enorm wichtig, damit die Blutwerte aussagekräftig sind. Bei vielen Erkrankungen empfiehlt sich eine regelmäßige Verlaufskontrolle, da viele Parameter sich sehr schnell verändern können oder nur sehr kurze Zeit nachzuweisen sind.
Eine Diagnose sollte auf jeden Fall erst aufgrund mehrerer Untersuchungen gestellt werden und nicht aufgrund eines speziell erhöhten oder niedrigen Wertes. Außerdem: ist das Blutbild in Ordnung, ist es trotzdem möglich, dass das Pferd dennoch krank ist.
Kosten
Ein Blutbild kostet, je nachdem ob großes oder kleines, bei verschiedenen Tierärzten unterschiedlich viel – dies hängt unter anderem auch mit dem Labor zusammen. Grundsätzlich sollte man für ein kleines Blutbild zwischen 40 € und 60 € rechnen, bei einem großen schon mit mind. 80 € bis 100 €.
Volltext in Pferdplus 08/2010
Autor: Katharina Meissner
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
News