Box oder Offenstall – welche Haltungsform für mein Pferd?
Ist die klassische Boxenhaltung artgerecht? Oder ist doch eher der Offenstall die richtige Entscheidung? Pferdplus hat mit Experten gesprochen und die Vor- und Nachteile beider Haltungsformen gegenübergestellt.
Von Natur aus sind Pferde Herden-, Lauf- und Fluchttiere, die im Freien leben, in der Regel 10 bis 16 Stunden mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind und sich dabei ständig im Schritt fortbewegen. Pferde wollen von Artgenossen umgeben sein und mit ihnen Sozialkontakte pflegen – Fell kraulen, Spiele und Rangordnungs-Rangeleien sind an der Tagesordnung. Außerdem brauchen sie frische Luft und Tageslicht – nachweislich stärken Sonnenstrahlen das Immunsystem und fördern Atmung, Durchblutung, Kreislauf und Stoffwechsel.
Offenstall für alle?
Der Offenstall wird den Pferdebedürfnissen zweifellos in hohem Maße gerecht – aber aus der Praxis sind auch die Nachteile bekannt. Durch kleine und große Auseinandersetzungen in der Herde ist die Verletzungsgefahr generell höher als in der Box (besonders bei Sportpferden ein schwerwiegendes Risiko) – Pferde, die ohnehin ein höheres Aggressionspotential haben, sind oft gar nicht geeignet. Die Eingewöhnungsphase kann länger dauern und ist für den Besitzer/Stallbetreiber oft aufwändig – es muss genau beobachtet werden, ob die Herde das neue Pferd zum Futter oder Schlafplatz lässt. Weiters gibt es auch für den Reiter ein paar Minuspunkte. Im Dunkeln, z. B. an einem Winternachmittag, das Pferd zu finden ist oftmals gar nicht so einfach, außerdem ist der Boden großteils nass und matschig was gutes und stabiles Schuhmaterial erfordert. Und noch ein weiter Punkt muss beachtet werden – Offenstall-Pferde werden nicht geschoren, d. h. sie schwitzen bei der Arbeit leichter und brauchen länger, um zu trocknen. Nicht jedes Pferd ist für eine Offenstall-Haltung geeignet. Aber eins ist klar – die Haltungsform muss für Tier UND Mensch praxistauglich und ,lebbar‘ sein, ansonsten wird sie nicht dauerhaft funktionieren.
Artgerechte Boxenhaltung?
Die Boxenhaltung ist sicher nicht für jedes Pferd und jeden Menschen die Haltungsform der Wahl, doch man sollte die Box als Haltungssystem nicht kategorisch ablehnen. Wenn einige wichtige Voraussetzungen erfüllt sind, ist wenig dagegen zu sagen. Das Pferd muss unbedingt mehrere Stunden am Tag die Box verlassen dürfen. Es muss auch in der Box mit anderen Pferden kommunizieren und Sozialkontakt pflegen können. Von enormer Wichtigkeit ist außerdem das Stallklima – Staub- und Pilzsporenbelastung, aber auch die Ammoniakausdünstungen aus nasser Einstreu, können dauerhafte Schäden bis hin zur Dämpfigkeit zur Folge haben. Zugfreie Frischluftzufuhr ist daher ebenso essentiell wie sorgfältige Entmistung und hochqualitative Einstreu.
Box – Pro und Contra
Sieht man sich die die Vor- und Nachteile der Boxenhaltung genauer an, kann man für sich und sein Pferd vielleicht besser die optimale Haltungsform entscheiden.
Das spricht für die Box:
– geringere Verletzungsgefahr
– eigener Bereich, der nicht verteidigt werden muss (wichtig für rangniedere Pferde!)
– stressfreies Fressen und Erholen (s. o.)
– guter Überblick über das Fress- und Mistverhalten des Pferdes
– schnelles Erkennen von Krankheiten
– schnelle Verfügbarkeit für Besitzer, Tierarzt oder Hufschmied
– geringere Temperaturschwankungen: kühler im Sommer, wärmer im Winter
– geringere Ausbildung des Winterfells
– tierärztlich verordnete Boxenruhe kann eingehalten werden
Das spricht gegen die Box:
– weniger Bewegungsmöglichkeiten
– weniger Sozialkontakte
– weniger Umweltreize
– größere Langeweile
– höhere Tendenz zu Atemwegserkrankungen
– höhere Tendenz zu Koliken
– höhere Tendenz zu Verhaltensstörungen
– abhängiger vom Menschen
Die komplette Geschichte finden Sie in Pferdplus 1+2/2010
Autorin: Petra Gmainer-Wiedemann
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