Brandzeichen-Verbot in Deutschland: Die Entscheidung naht

In der Debatte um den Heißbrand schreckt man auch vor drastischen Bildern nicht zurück... (Foto: Deutscher Tierschutzbund)

Im Oktober letzten Jahres hatte der Deutsche Bundesrat dem rheinland-pfälzischen Antrag zum Verbot des Heißbrands bei Pferden zugestimmt. Nun befasst sich auf Antrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen der Bundestag mit dem beschlossenen Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden. Gegner und Befürworter rüsten zum Showdown – mit teils drastischen Mitteln.


Bereits in den nächsten Tag wird der Antrag, mit dem die Bundesregierung aufgefordert wird, einen Gesetzentwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes vorzulegen, zur Beschlussempfehlung in das Ausschussverfahren gegeben – damit tritt die endgültige Beschlussfassung über die Abschaffung des Schenkelbrandes in Deutschland in die entscheidende Phase. Tierschützer fordern mit Vehemenz und mit drastischen Bildern das Brandzeichen-Verbot – Zuchtorganisationen wehren sich mit Unterschriftenaktionen – auch Pferdplus hat sich dem Thema ausführlich gewidmet und u. a. auch eine Umfrage durchgeführt. Es prallen offenbar zwei Weltanschauungen aufeinander – und auch die Bundestags-Fraktionen scheint sich noch nicht zu einer einheitlichen Position durchgerungen zu haben.

...so sieht es der Deutsche Tierschutzbund in seiner Kampagne, die für einiges Aufsehen sorgte (Foto: Deutscher Tierschutzbund)Die Position der Tierschützer

Die Position der Tierschutzorganisationen ist klar. Der Deutsche Tierschutzbund fordert bereits seit Jahren das Verbot des Schenkelbrands. In einer Presseaussendung werden die Argumente nochmals ins Feld geführt: „Fohlen erleiden durch Brandzeichen Verbrennungen dritten Grades (irreversible Zerstörung der Oberhaut und der Haarfollikel). Mit einem bis zur Rotglut erhitzten Brenneisen wird den Tieren ein schmerzhaftes Brandmal aufgedrückt. Dadurch werden große Narben künstlich herbeigeführt, die sich von der gesunden Haut abheben und lebenslang sichtbar sind. Das „Chippen" hingegen ist fälschungssicher und macht jedes Pferd individuell und unverwechselbar identifizierbar. Das Brandzeichen aber hat nur einen Werbezweck für den jeweiligen Zuchtverband, wie beispielsweise dem Hannoveraner-Verband, und stellt somit keine individuelle und unverwechselbare Kennzeichnungsmethode dar." Der Deutsche Tierschutzbund hofft auf ein zügiges Voranschreiten der Beratungen im Bundestag.„Nach unserem großen Erfolg im Oktober letzten Jahres erwarten wir nun, dass die Bundesregierung den Beschluss zügig umsetzt", fordert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Eine Verschleppung des Themas werden wir nicht hinnehmen. Wir brauchen das Verbot noch bevor die nächsten Fohlen im Frühsommer gebrannt werden. Damit das Thema nicht in den Gesetzesmühlen hängen bleibt, erhöhen wir den Druck auch medial mit einem neuen Poster- und Postkartenmotiv", so Apel weiter.

Die Position der Zuchtverbände

Ganz anders sehen es natürlich die Zuchtorganisationen – etwa der mächtige Hannoveraner Zuchtverband, der sich hartnäckig gegen das Verbot des Heißbrands zur Wehr setzt: „Die langjährige Praxiserfahrung zeigt, dass dem Fohlen durch den Brand keine „erheblichen Schmerzen, Leiden und Schäden“ zugefügt werden, denn das Setzen des Heißbrandes erfolgt relativ stressfrei und schonend, wie am Verhalten der Fohlen erkennbar ist. Bei dieser bewährten Kennzeichnung wird das Fohlen nicht fixiert.
Der Hinterschenkel ist die am stärksten bemuskelte Körperregion beim Fohlen und somit weitgehend unempfindlich. Unmittelbar nach dem Brennvorgang sind die Fohlen ausnahmslos unauffällig. Spätfolgen treten nicht auf.Nach dem ersten Jahr des Einsatzes des Transponders müssen wir feststellen, dass diese Methode wesentlich belastender für die Fohlen ist, als sie von den Tierschützern dargestellt wird. Die Abwehrreaktionen sind teilweise sehr deutlich und die notwendige Fixierung manchmal nur mit Gewalt zu erreichen. Das Verletzungsrisiko ist hoch.Unrichtig ist auch die Behauptung der sicheren Kennzeichnung durch Transponder. Diese sind nicht manipulationssicher, sind nur einem kleinen Kreis von Personen national als Hilfsmittel zur Identifizierung des Pferdes zugänglich und für die Gesundheit der Pferde fragwürdig. Die kleine Narbe an der Stelle der Kennzeichnung ist eine natürliche Reaktion des Gewebes, der Transponder hingegen ist ein Fremdkörper, der ein langfristiges Risiko für die Gesundheit des Pferdes darstellt."

Die Debatte tritt nun in die entscheidende Phase – wobei im Moment die Tierschützer eindeutig im Vorteil sein dürften und den Großteil der Bundestagsabgeordneten hinter sich zu haben scheinen. Doch die Zuchtorganisationen werden bis zuletzt kämpfen – und alles versuchen, um den Schenkelbrand zu retten. Man wird sehen, wie das Duell letztlich ausgeht.

Situation in Österreich

In Österreich hat man sich bezüglich Pferdekennzeichnung dafür entschieden, den Schenkelbrand – in Kombination mit Pferdepass und DNA-Typisierung – beizubehalten. Diese Möglichkeit der ,alternativen Kennzeichnung‘ (alternativ zur Transponder- bzw. Chip-Kennzeichnung) ist durch die EU-Verordnung ausdrücklich gegeben und wurde in Österreich im Mai dieses Jahres durch Bescheid des Gesundheitsministeriums offiziell zugelassen. (siehe auch Pferdplus 7/2010, S. 58-61).
 


 

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Schenkelbrand

Schenkelbrand + DNA- Typisierung wie in Österreich! Ja , das ist o. k. !

Auch wenn der Brand sich auswächst, ist durch den im Pass vermerkten Nummerncode, welcher sich aus der erfolgten DNA- Charakterisierung ergibt eine lebenslange, eindeutige Identifizierung möglich!! Dies entspricht dem Ziel der EU!

Dieses Ziel scheint man aber in Deutschland nicht verfolgen zu wollen, denn offenbar hat man sich zunächst behördlicherseits für den nicht so sicheren Transponder entschieden!

Stellt sich die Frage nach dem Warum?

Eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass im Sinne der Zucht, sowie des Sports eine nicht manipulierbare Kennzeichnung elementar und im Sinne Aller sein muss!

 

Die derzeitige Diskussion um die Art der Kennzeichnung stellt dies aber deutlich in Frage!

 

Die Frage nach dem "Warum" soll sich an dieser Stelle jeder selber beantworten!