Bundesforste wehren sich: „Wir sind der Reitregion sehr entgegengekommen“
Das Scheitern der Verhandlungen zwischen den Bundesforsten und der Reitregion Wienerwald hat für einige Aufregung gesorgt. Bundesforste-Sprecherin Pia Buchner zeigt für den Schritt der Reitregion wenig Verständnis – und bietet weitere Gespräche an, um den derzeitigen vertragslosen Zustand rasch zu beenden.
In einer Pressemitteilung vom 30. April (siehe Dateianhang unten) hat der Verein ,Reitregion Wienerwald' die seit einiger Zeit laufenden Verhandlungen mit den Österreichischen Bundesforsten für gescheitert erklärt, was in der Folge bei den betroffenen Reitern und Stallbesitzern für Empörung und auch medial für einige Wogen gesorgt hat – u. a. widmete der Kurier dem Thema einen ausführlichen Artikel. Auch wenn die Bundesforste umgehend beruhigten und ankündigten, bis auf weiteres die Benutzung der Reitwege zu erlauben und keine rechtliche Schritte gegen Reiter im Wienerwald setzen zu wollen, bleibt die Situation angespannt – die Fronten scheinen verhärtet. Wie die Bundesforste AG weiter vorgehen möchte, wie sie die Lage insgesamt beurteilt und welche Lösungsmöglichkeiten aus ihrer Sicht bestehen, dazu hat Unternehmenssprecherin Pia Buchner im Pferdplus-Interview Stellung genommen.
Pferdplus: Hat Sie der Schritt des Vereins Reitregion Wienerwald (RRWW), in einer Pressemitteilung das Scheitern der Verhandlungen mit den Bundesforsten zu verkünden, überrascht – oder hat sich das in den letzten Gesprächen bereits abgezeichnet?
Pia Buchner: Die Wendung seitens der RRWW, die Verhandlungen einseitig für beendet zu erklären, hat uns doch etwas überrascht. Wir haben ja jetzt seit Wochen und Monaten mit der Reitregion verhandelt, und es war sicher nicht einfach, weil beide Seiten ihren Standpunkt durchsetzen wollten. Wir hatten zum Schluss aber schon den Eindruck, dass ein für beide Seiten akzeptabler Kompromissvorschlag erreicht wurde – und davon ausgehend hat es uns doch überrascht, dass die Verhandlungen so kurzfristig von einer Seite für beendet erklärt wurden. Wir hätten uns da auch eine andere Vorgehensweise erwartet, wenn einzelne Punkte nicht entsprechen, dass man sich nochmals an einen Tisch setzt und diese Punkte gemeinsam bespricht. Es war schwierig, aber wir sind der Reitregion in einigen wesentlichen Punkten sehr entgegengekommen und waren guter Dinge, doch noch einen Kompromiss finden zu können.
Pferdplus: Es hat ja die letzten Jahre einen Vertrag gegeben...?
Buchner: Wir hatten seit ca. zehn Jahren einen Vertrag, der Ende 2010 ausgelaufen ist und dann um ein Jahr verlängert wurde. Nun sollte eine längerfristige Nachfolgeregelung vereinbart werden – das war der Gegenstand der Gespräche.
Pferdplus: Was waren denn die Unterschiede zwischen dem früheren Vertrag, der ja offenbar für die Reitregion akzeptabel war – und dem zuletzt diskutierten neuen Entwurf?
Buchner: Wir haben im großen und ganzen die Verlängerung einer langjährigen Vereinbarung zu gleichbleibenden Bedingungen wie bisher angeboten – und darüber hinaus einige zusätzliche Punkte hinzugefügt, zu denen wir uns bereit erklärt hätten, z. B. dass wir Beiträge zur Wegeerhaltung leisten würden, dass wir ein neues Beschilderungs- und Markierungssystem unterstützen, dass wir bei der Erstellung des Kartenmaterials mithelfen – wir sind also wirklich auf die Reitregion zugegangen. Ansonsten hat sich im Wesentlichen nichts am Vertrag geändert – umso mehr hat uns der Schritt der Reitregion überrascht.
Pferdplus: Die RRWW hat u. a. auf den strittigen Punkt der Wegeerhaltung und –instandsetzung hingewiesen, der für sie nicht akzeptabel sei...
Buchner: Auch der bisherige Vertrag sah vor, dass die Wegeinstandhaltung beim Vertragsnehmer liegt und damit natürlich auch die Wegeerhalterhaftung auf diesen übergeht – es kann ja nicht so sein, dass die Wegeerhaltung bei dem einen und die Haftung dafür bei einem anderen liegt. Das war ein Punkt, der von der Reitregion anders gesehen wurde, der aber für uns absolut folgerichtig ist und auch bei allen unseren Vereinbarungen wie z. B. mit dem Mountainbikerverband so gehandhabt wird.
Pferdplus: Die Reitregion führt als Gegenbeispiel die Vereinbarung mit dem Stift Heiligenkreuz an, wo dies anders geregelt sei....
Buchner: Das stimmt, das Modell Heiligenkreuz sieht eine All-in-Lösung vor, bei dem sich das Stift Heiligenkreuz komplett um alles, also auch die Wegeerhaltung und –instandsetzung, Haftungsübernahme etc. kümmert. Das Wegenetz des Stift Heiligenkreuz ist allerdings viel kleiner
Pferdplus: Wieso ist so ein Modell für die Bundesforste nicht machbar?
Buchner: Unser Wegenetz ist viel umfangreicher – und wir sind organisatorisch ganz anders aufgestellt als das Stift. Eine derartige All-in-Variante erfordert viel mehr Ressourcen und Kapazitäten – von der Ausgabe der Reitmarken, der Instandhaltung, der Kontrolle etc. – deshalb ist das Vertragsmodell ein ganz anderes und in dieser Form für uns schlicht nicht möglich. Bei einem kleinen Wegenetz wie jenem des Stiftes mag das noch machbar sein – bei dem erheblich größeren Netz im gesamten Wienerwald mit fast 200 km Länge ist es das nicht.
Pferdplus: Als weiterer Knackpunkt wurde genannt, dass Verstöße von Reitern gewissermaßen der Reitregion zugerechnet und angelastet würden – das sei unzumutbar, so ein Vertreter der Reitregion. Wie sehen Sie das?
Buchner: Auch hier sind wir der Reitregion entgegen gekommen: Wir haben angeboten, bei Ahndung von Verstössen gemeinschaftlich vorzugehen und gemeinsam darauf zu achten, dass es nicht soweit kommt.
Pferdplus: Offenbar sind die Fronten an diesen Punkten doch ziemlich verhärtet – wie kann es nun aus Ihrer Sicht weitergehen?
Buchner: Wir sind gerade auf der Suche nach anderen möglichen Vertragspartnern – etwa die Betriebe in der Region selbst. Ich möchte aber ausdrücklich festhalten, dass unser Gesprächsangebot gegenüber der Reitregion nach wie vor aufrecht ist – wenn der Verhandlungspartner wieder an den Gesprächstisch zurückkehrt, stehen wir jederzeit zur Verfügung. Begrüßenswert wäre, dass eine möglichst einfache, unkomplizierte und umfassende Lösung gefunden wird, denn es ist für die Reiter zweifellos bequemer, ihre Reitmarken von zwei oder drei Reitverbänden oder Reitregionen beziehen zu können – und nicht von Dutzenden Einzelbetrieben.
Pferdplus: Wer ist denn im Moment ihr Gesprächspartner – nach dem Wegfall der Reitregion Wienerwald?
Buchner: Wir gehen jetzt den Weg, dass wir direkt den Kontakt zu den einzelnen Betrieben und Reitställen suchen – auf Basis des Modells, wie wir es mit der Reitregion bisher hatten. Aber es können auch andere Vereine oder Verbände an uns herantreten – wir sind für alle zielführenden Lösungen offen.
Pferdplus: Im Moment herrscht also ein vertragsloser Zustand....?
Buchner: Das ist richtig. Trotzdem wollen wir allen Reitern das Nutzen der Reitwege ermöglichen – wir wollen nicht, dass der einseitige Schritt der Reitregion, die Verhandlungen abzubrechen, auf dem Rücken der Reiter ausgetragen wird. Der Zugang zur Natur und zu den Reitwegen soll erhalten bleiben – und wird somit von uns in dieser Übergangszeit – bis es zu einer neuen Vereinbarung kommt – als entgeltfreie Nutzung „geduldet“, Wir werden aber alles daran setzen, diese Zeit kurz zu halten und möglichst rasch wieder neue Vertragspartner zu finden.
Pferdplus: Welcher Zeithorizont schwebt Ihnen davor?
Buchner: Wir wollen das rasch erledigt haben – wenn es nach uns geht, kann dies innerhalb von Wochen geschehen, aber das hängt natürlich auch von den künftigen Vertragspartnern ab. Uns ist wichtig, dass der Zugang zur Natur für alle erhalten bleibt – für die Wanderer und Reiter ebenso wie für die Mountainbiker und andere. Wir sehen uns als ,Natur-Betreuer‘ im weitesten Sinn und möchten diese Situation – auch im Sinne der Reiter –rasch geregelt wissen.
Pferdplus: Wir danken für das Gespräch.
| Anhang | Größe |
|---|---|
| pressemitteilung_reitregion_wienerwald_30_4_2012_2.doc | 24.5 KB |
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