CDI Fritzens: Britischer Dreifacherfolg im Special – Kür-Sieg für Günter Seidel
Britischer Dreifach-Erfolg beim CDI4* Fritzens im Grand Prix Special – Günter Seidel back on top in der Kür: Der Schlusstag des großartigen CDI4* am Schindlhof in Fritzens (24.–26. Juni) hat sportlich alle Erwartungen vollauf erfüllt – und Großbritannien zum EM-Mitfavoriten gemacht.
Der Grand Prix Special der Tiroler Sparkasse beim CDI4* Fritzens/Tirol (Östtereich) hat bestätigt, was in den letzten Monaten in Insiderkreisen bereits vermutet wurde. Die britischen Dressurreiter werden bei den Europameisterschaften Mitte August im niederländischen Rotterdam die stärksten Konkurrenten der Deutschen beim Kampf um die Titel sein. Bereits bei der EM 2009 und der WM 2010 gewannen sie hinter den Niederlanden und vor Deutschland den Vize-Meister-Titel, doch während die niederländischen Welt- und Europameister nach dem Verkauf des dreifachen Weltmeisters Totilas und dem alters- bzw. verletzungsbedingten Ausfall verschiedener Mannschaftspferde in diesem Jahr an Konkurrenzkraft eingebüßt haben, hat sich das britische Team um Einzel-Vize-Weltmeisterin Laura Bechtolsheimer im Vergleich zu den Vorjahren in Hinblick auf die Qualität der Pferde noch enorm verstärkt. Am Sonntag standen gleich drei britische Paare im Grand Prix Special an der Spitze, zwei von ihnen können den Deutschen Meistern Matthias Rath und Totilas ohne Frage das Wasser reichen. Zum einen ist da Carl Hester, bereits 2009 und 2010 mit Liebling zum britischen EM- und WM-Silberteam gehörend, mit dem zehnjährigen, wie Totilas in den Niederlanden gezogenen Hengst Uthopia. Obwohl in Fritzens überhaupt erst bei seinem fünften Grand-Prix-Turnier am Start überbot das Paar erstmals mit 80,958 Prozent die magische Achtzig-Prozent-Marke. Es gab nur eine einzige Lektion, der starke Schritt, in der das Paar keine Achten und Neunen erhalten hätte. Zwei Sechsen für den starken Schritt waren überhaupt die niedrigsten Noten. Das Paar strahlte eine solche Harmonie, Eleganz und Feinheit aus, dass die rund 4000 Zuschauer auch ohne ‚spektakuläre’ Momente völlig begeistert, ja gerührt waren. Der Satz ‚So schön kann Dressurreiten sein’ war rund um den Viereckrand zu hören.
Senkrechtstarterin Charlotte Dujardin
Carl Hester war überglücklich. „Ich fühle mich wie ein anderer Mensch!“, strahlte er. Der Brite hatte den gekörten, dunkelbraunen Ferro-Enkel bereits zweieinhalbjährig in seinen Stall bekommen und seitdem ausgebildet. Er ist aber auch der Entdecker und Mitbesitzer des ein Jahr jüngeren, ebenfalls in den Niederlanden gezogenen Valegro, der mit Hesters Schülerin Charlotte Durjardin Zweiter (76,29) wurde. Auch dieses Paar, das erst in diesem Jahr für Pferd und der 25jährigen Reiterin seinen ersten Grand Prix gegangen war und tags zuvor in Fritzens im Grand Prix gesiegt hatte, verfügt über die selben Qualitäten, benötigt aber noch etwas mehr Routine, aber so Carl Hester, „Vielleicht besitzt Valegro, wenn er etwas mehr gereift ist, sogar noch größere Qualitäten als Uthopia.“ Es spricht für ihn, der 1990 ebenfalls ein Senkrechtstarter war, nachdem ihm sein damaliger Arbeitgeber, Laura Bechtolsheimers Vater, Christine Stückelbergers Rubelit gekauft hatte und er gleich in seinem ersten Grand-Prix-Jahr an den Weltreiterspiele in Stockholm teilnahm, dass er Charlotte Dujardin Valegro zur Verfügung stellt. „Ich habe damals eine Chance erhalten und ich möchte sie auch Charlotte Dujardin, die seit fünf Jahren in meinem Stall arbeitet und Valegro ausgebildet hat, geben. Für den britischen Dressursport ist es wichtig, dass wir ein starkes Team haben und immer wieder junge Reiter nachrücken.“ Beide Paare sind auf jeden Fall ebenso wie die Vize-Weltmeister Laura Bechtolsheimer und Mistral Hojris für die EM-Mannschaft gesetzt. Für die Briten geht es nur noch um den vierten Mannschaftsplatz und für diesen hat sich in Fritzens Emile Faurie mit Elmegardens Marquis als Drittplatzeirter (73,479) empfohlen, für die es ihr bisher höchstes Ergebnis war. Beim CHIO Aachen Mitte Juli wird es allerdings noch kein Aufeinandertreffen des britischen Teams mit dem besten deutschen Kombinationen geben. Die besten britischen Paare werden stattdessen eine Woche später beim CDIO Hickstead (Großbritannien) antreten. Das Kräftemessen wird es erst in Rotterdam geben.
Platz sieben für Peter Gmoser
Aufgrund einiger Fehler vor allem zum Ende des Specials konnten Peter Gmoser und der 15jährige Oldenburger Hengst Cointreau zwar nicht ihren vierten Platz aus dem Grand Prix wiederholen, aber der WM-Finalist von 2010 war dennoch hochzufrieden mit seiner Vorstellung und Platz sieben (68,833), “Ich bin glücklich, wie sich Cointreau hier präsentiert hat, auch, wenn ihm am Ende im Special etwas die Kraft fehlte, aber er hat unheimlich mitgekämpft. Es ist unser erstes Turnier seit Salzburg Anfang Dezember, wo wir den Grand Prix und die Kür gewonnen hatten. Danach hatte Cointreau erst einen Hufspalt und dann einen Hufabzess bekommen, der sich über den gesamten Huf ausbreitete und er musste an mehreren Stellen geöffnet werden, damit der Eiter abfließen konnte. Für einige Zeit war ich mir gar nicht sicher, ob er überhaupt in den Sport zurückkehren könnte. Seit fünf Wochen befindet er sich erst wieder im Training und ich habe mir lange überlegt, ob ich ihn überhaupt in Fritzens starten soll. Ich möchte aber gerne mit ihm an der EM teilnehmen und wollte ihn vorher noch einmal zeigen. Ich habe mich für die Special-Tour entschieden, weil er dadurch am Samstag einen Ruhetag hatte, da habe ich ihn nur geführt. Das ist ihm gut bekommen.“
Seidel mit U II herausragend
In der Kür zeigten Günter Seidel und der zehnjährige in den Niederlanden gezogene Fuchswallach U II mit 78,27 Prozent, was in ihnen steckt. Bereits beim Hamburger Derby hatte das Paar den Grand Prix und die Grand Prix Kür mit über 70 Prozent gewonnen, doch in der Swarovski Grand Prix Kür auf dem Schindlhof boten die beiden ihre bisher herausragendste Leistung mit kraftvollen Piaffe-Passage-Touren, ausdrucksvollen Verstärkungen, Serienwechseln und Galopp-Pirouetten und dies hervorragend abgestimmt mit der Filmmusik von Backdraft. Für den gebürtigen Deutschen war es die endgültige Rückkehr in die Weltspitze seit seinem schweren Reitunfall genau vor einem Jahr, bei dem er sich durch einen Sturz das Becken gebrochen hatte. Zweite wurden die Mannschafts-Vize-Europameister Emma Hindle und ihr Hannoveraner Hengst Lancet mit 77,17 Prozent. Platz drei (76,17) ging an die Sieger das Grand Prix, die Italienerin Valentina Truppa und Eremo del Castengo, denen für einen erneuten Sieg vor allem zu Beginn ihrer Kür zu viele Fehler unterliefen, was sich auch auf die Note für den Schwierigkeitsgrad mindernd auswirkte. Denn, bei einem hohen Schwierigkeitsgrad, wie sie in Valentina Truppa fast schon im Übermaß zeigte, erfolgen bei Nicht-Gelingen Abstriche auch an dieser Note und nicht nur in der Ausführung der einzelnen Lektionen. Kür-Sieger Günter Seidel sprach den Hausherren und Veranstaltern, der Familie Haim-Swarovski, im Namen aller Reiter seinen Dank aus: „Das ist das schönste Dressurturnier. Die Bedingungen sind hervorragend, die Atmosphäre einmalig. Wir kommen alle gerne wieder.“
Österreicher in der Trostprüfung
Österreicher hatten sich für die Grand Prix Kür nicht qualifizieren können, konnten sich aber im Grand Prix am frühen Sonntagmorgen, der Trostprüfung für die Teilnehmer sowohl der Special- als auch der Kür-Tour, die sich nicht für die beiden Finalprüfungen hatten qualifizieren können, gut in Szene setzen. Die Konkurrenz in dieser Prüfung konnte sich durchaus sehen lassen, denn durch manchen unplanmäßigen Fehler waren auch Paare, von denen man es nicht vermutet hätte, in dieser Prüfung gelandet. So auch die kanadischen Sieger, die WM-Teilnehmer Belinda Trussell und Anton (71,56), und die Zweitplatzierten Günter Seidel und sein Grand-Prix-Neuling Sundayboy (70,39). Platz drei (68,723) ging an die Österreicherin Renate Voglsang und den Westfalen Fabriano, die eine sehr gute Grand-Prix-Prüfung vorgelegt hatten, wäre da nicht dass Missgeschick in einer Piaffe gewesen. Wesentlich steigern gegenüber ihrer Grand-Prix-Vorstellung konnten sich auch Stefan Peter und der Donnerhall-Nachkomme Don Walesko mit Platz sechs (65,00).
Birgit Popp/Pferdplus
Ergebnis
Grand Prix Special
1. Carl Hester (GBR) mit Uthopia 80,958
2. Charlotte Durjardin (GBR) mit Valegro 76,29
3. Emile Faurie (GBR) mit Elmegardens Marquis 73,479
4. Dorothee Schneider (GER) mit Van the Man (72,604)
5. Wolfram Wittig (GER) mit Bertoli W 71,021
6. Anna Merveldt (IRL) mit Coryolano 70,679
Grand Prix Kür
1. Günter Seidel (USA) mit U II 78,27
2. Emma Hindle (GBR) mit Lancet 77,17
3. Valentina Truppa (ITA) mit Eremo del Castengo 76,17
4. Claudio Castilla Ruiz (ESP) mit Jade de MV 75,62
5. Beatriz Ferrer Salat (ESP) mit Faberge 75,05
6. Dorothee Schneider (GER) mit Whizzkid 73,27
7. Heike Kemmer (GER) mit Feleciano 72,10
Aller Ergebnisse gibt’s unter www.schindlhof.at
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