CHIO Aachen: Janne-Friederike Meyer Siegerin im Großen Rolex Preis von Aachen

Janne-Friederike Meyer mit Überflieger Cellagon Lambrasco. Foto: Julia Rau

Als einzige Reiterin konnte die Deutsche Janne-Friederike Meyer beide Umläufe fehlerfrei absolvieren – und damit zum ersten Mal in ihrer Karriere den Großen Preis von Aachen gewinnen. Danach war sie völlig aus dem Häuschen: „Ich muss diesen Schock erst ‘mal verdauen!“

Es war spannend bis zum letzten Hindernis! 18 Paare konnten sich für den zweiten Umlauf des Großen Rolex Preises von Aachen qualifizieren, neun von ihnen mit einem fehlerfreien ersten Umlauf. Doch dann sammelte einer nach dem anderen der Fehlerfreien Strafpunkte, die meisten von ihnen hatten sogar zwei und mehr Abwürfe. Dem ersten Paar, dem eine Dopelnullrunde gelang, waren die Mannschafts-Weltmeister Friederike Meyer und Cellagon Lambrasco. Die 46.000 Zuschauer im Aachener Stadion standen Kopf. Letzte Starterin war die in Deutschland lebende Portugiesin Luciana Diniz mit Winningmood und es sah schon ganz nach einem Zweier-Stechen aus, als am letzten Hindernis die Stange fiel. Da die Zeit vom zweiten Umlauf zählte, rutschte Luciana Diniz auf Platz vier ab. Keine Chancen auf Platz eins hatte Europameister Kevin Staut mehr besessen, als er mit Silvana de Hus in den zweiten Umlauf einritt, denn er brachte bereits vier Strafpunkte auf seinem Konto mit. Doch er machte das Beste daraus und hatte die mit Abstand schnellste von insgesamt fünf Nullrunden des zweiten Umlaufs. Dritter wurde sensationell der deutsche Aachen-Debütant Andreas Kreuzer mit dem 13jährigen Mecklenburger Hengst Chacco-Blue. Der zwanzigjährige hatte ebenfalls einen Abwurf im zweiten Umlauf. Jeweils mit einem Abwurf im ersten Umlauf ritten die beiden deutschen Stars, Ludger Beerbaum mit Gotha und Vize-Europameister Carsten-Otto Nagel mit Corradina auf die Plätze fünf und sechs. Wegen Lahmheit seines Pferdes Hickstead musste der kanadische Vorjahressieger des Großen Preises Eric Lamaze, seine Teilnahme am Großen Preis absagen, für den er als einziger gleich fünfmal vorqualifiziert gewesen war.

Dicke Siegesprämie

Für Friederike Meyer bedeutete der Sieg 110.000,– Euro von dem insgesamt 350.000,– Euro betragenden Preisgeldkuchen abzubekommen. Sie ist erst die fünfte Reiterin, die seit 1927 diese renommierte Springprüfung gewinnt, und nach 2005 die zweite deutsche Amazone. Ihren Erfolg konnte die 30jährige selbst kaum glauben, „Ich muss diesen Schock erstmal verdauen. Ich hätte mir nie erlaubt, davon zu träumen, hier mal zu gewinnen. Das ist wirklich der schönste Tag in meinem Leben. Wir haben uns jedes Jahr weiter entwickelt, ich habe hart dafür gearbeitet, und ich bin wahnsinnig stolz. Letztes Jahr hatten wir noch zwei Fehler, und dass es heute hier möglich war, zu gewinnen, ist wirklich unglaublich.“ Und sie fügt hinzu, „Es gab schon ein paar Klippen im Parcours, aber auf den letzten Sprung hin wusste ich, jetzt klappt es.“

Tränenreicher Abschied: Shutterfly wurde von Meredith Michaels-Beerbaum aus dem großen Sport verabschiedet. Foto: Julia Rau Good-bye Shutterfly und Cumano

Erst standen sie am Samstagabend auf der Starterliste für den Großen Rolex Preis, doch dann waren die Namen von Meredith Michaels-Beerbaum und Shutterfly am Sonntagvormittag auf einmal aus der Starterliste verschwunden. Was war geschehen? Turnierleiter Frank Kempermann hatte eine Erklärung hierfür: „Meredith Michaels-Beerbaum hatte schon ein halbes Jahr lang hin- und herüberlegt, ob sie Shutterfly hier in Aachen in diesem Jahr verabschieden sollte oder nicht. Am Sonntagmorgen rief sie mich an und sagte, sie und Markus hätte eine Entscheidung getroffen. Sie würde Shutterfly nicht mehr im Großen Preis starten, sondern möchte ihn stattdessen verabschieden.“ Eine wahrlich schwere Entscheidung, denn mit Shutterfly hat die gebürtige US-Amerikanerin mit deutschem Pass die größten Erfolge ihrer bisherigen Karriere erzielt, gewann 2006 mit dem heue 18jährigen Hannoveraner Wallach, mit dem sie am  noch den Preis von Europa in der Aachener Soers gewonnen hatte, bei der WM in Aachen Einzel- und Team-Bronze, ein Jahr später bei der EM in Mannheim Team-Silber und den Titel in der Einzelwertung und dreimal das Weltcup-Finale plus einmal den Großen Preis von Aachen, nur eine Olympische Medaille blieb den Viertplatzierten der Olympischen Spiele 2008 in Hongkong verwehrt. Shutterfly, den sie vor der Geburt ihrer Tochter immer als ihr ‚Baby’ bezeichnete, wird seinen Lebensabend bei Meredith und ihrer Familie in Thedinghausen verbringen.

Am Samstagabend war bereits der gleichaltrige Holsteiner Schimmelhengst Cumano, mit dem Jos Lansink 2006 in Aachen Weltmeister geworden war und der auch den WM-Titel bei den Pferden errungen hatte, ebenfalls vom Sport verabschiedet worden. Der zur Zucht eingesetzte ‚weiße Riese’, der von Franke Sloothaaks Cassini I abstammt, konnte mit dem für Belgien startenden gebürtigen Niederländer Jos Lansink zudem Silber bei der EM 2007 in Mannheim gewinnen.

Boyd Exell siegt im Vierspänner

Im vergangenen Jahr war der für die Kombinierte Wertung der Vierspänner veränderte Modus – Dressur, Hindernisfahren, Entscheidung über die Kombinierte Team- und Einzel-Wertung bei der Marathonfahrt, ein nur noch für sich selbst zählendes Hindernisfahren am Sonntag – bei den Fahrern auf wenig Gegenliebe gestoßen. Sie hätten lieber ihre traditionelle Reihenfolge Dressur, Marathon, Hindernisfahren am Sonntag beibehalten. Der  für 2011 erneut überarbeitete Modus fand bei den Fahrern mehr Zustimmung.  Dieses Mal zählte jede Prüfung – mit Ausnahme des Marathons, der für beide Wertungen galt – entweder für die Mannschafts- oder für die Einzelwertung. So gab es zwei Dressurprüfungen und zwei Hindernisfahren. Die Einzelwertung war mit dem Marathon am Samstag entschieden und sah mit dem Australier Boyd Exell als Sieger und dem US-Amerikaner Chester Weber als Drittem zwei Einzelfahrer unter den drei Erstplatzierten. Für sie sollte das Hindernisfahren am Sonntag nur noch eine eigenständige Prüfung sein. Für alle Mannschaftsfahrer ging es aber noch um die Entscheidung im Nationenpreis und die war wie bei den Springreitern ebenfalls äußert spannend, denn Deutschland und die Niederlande hatten im Kampf um den Sieg nur um einen Punkt auseinander gelegen. Letztendlich entschied sich das Endklassement erst mit dem letzten Fahrer zu Gunsten der Niederländer, Deutschland wurde Zweiter, die Schweiz Dritter.
Birgit Popp/Pferdplus

Alle Ergebnisse gibt‘s unter www.chioaachen.de, die Ritte kann man auf www.clipmyhorse.de auch noch nachträglich anschauen.

 

Pferdplus Probeheft
Ich möchte kostenlos und unverbindlich ein Pferdplus Probeheft bestellen.