CHIO Aachen: Knapper Kür-Sieg für Matthias Rath und Totilas

Aachen Dressur-Champions 2011: Matthias Rath und Totilas. Foto: Julia Rau

Mit seinem Sieg in der abschließenden Grand Prix Kür krönten sich Matthias Rath und Totilas zu den Aachen Dressur-Champions 2011. Die Kür-Entscheidung fiel aber äußerst knapp aus – der Vorsprung auf den Zweitplatzierten Steffen Peters mit Ravel betrug am Ende nur 0,825 Prozentpunkte.

Die Entscheidung in der Deutschen Bank Grand Prix Kür der CDIO-Tour fiel am Ende spannender aus, als das eindeutige Ergebnis zu Gunsten von Matthias Rath und Totilas am Vortag im Meggle Grand Prix Special hatte erwarten lassen. Auch für den US-Amerikaner Steffen Peters selbst, der mit Ravel im Grand Prix und im Special Fünfter geworden war, „Mit 80 Prozent bis auf 0,825 Prozent an Totilas herangekommen zu sein, das ist ein Traum! Und, dass das Publikum so hinter mir stand und einem Ausländer den Rücken stärkte, indem es bei Bekanntgabe meiner Note buhte, dass war das Sahnehäubchen. Ich kann es noch gar nicht glauben!“ Ganz so ein ‚Ausländer’ ist der gebürtige Deutsche, der bereits 2009 mit 13jährigen KWPN-Wallach Ravel umjubelter Aachen Dressur-Champion wurde, freilich nicht, denn sein rheinischer Heimatort liegt nur rund achtzig Kilometer on Aachen entfernt und seine Mutter erlebte den Erfolg ihres Sohnes wie immer in Aachen live mit. Doch die WM-Bronzemedaillen-Gewinner des Specials und der Kür der WEG in Kentucky 2010 und Weltcup-Champions von 2009 waren nicht nur so dicht an Weltmeister Totilas herangekommen, sondern hatten die amtierenden, niederländischen Weltcup-Champions Adelinde Cornelissen und Parzival (3./81,775) als auch die britischen Kür-Vize-Weltmeister Laura Bechtolsheimer und Mistral Hojris (4./79,825) hinter sich gelassen. Für Steffen Peters war es auch die Premiere seiner neuen Kür-Musik aus dem oscarprämierten Kino-Epos Avatar: „Ich habe den Film auf meinem i-Pod und ihn im Flugzeug achtmal gesehen, bis es ,Klick‘ machte und ich wusste: Das ist meine neue Kürmusik.“ Die mit hohen Schwierigkeiten gespickte Choreographie ist nur in wenigen Teilen im Vergleich zur Kür der letzten beiden Jahren verändert: „Die wohl schwierigste Lektionsfolge ist in der Mitte der Prüfung die Lektionsfolge vom starken Galopp in die Galopp-Pirouette und von ihr aus direkt in die Einer-Wechsel zu gehen und dann am Ende der Linie wieder in eine Galopp-Pirouette und davon in die Piaffe.“

Knapp am Sieg vorbei

Den Sieg dürfte ihn trotz fehlerfreier Vorstellung eine anfängliche leichte Spannung gekostet haben – „Ich hatte Ravel morgens zum Soundcheck im Schritt in der Arena geritten, als gerade eine Kamera abgedeckt wurde, da hatte er sich erschrocken und sich noch daran erinnert, als wir zur Kür ins Viereck einritten“ – und die ausdrucksvolleren, dynamischeren Piaffen von Totilas. An Ende hatten ihn ein Richter auf eins, aber die vier anderen Totilas an der Spitze gesehen. Während Ravel mit der Avatar-Musik in sphärischen Höhen entrückte, erinnert die bombastisch-dunkle Musik Totilas zur gegenüber seiner Deutschen-Meister-Kür in Balve veränderten Choreographie an das unheilschwangere, musikalische Vorspiel zu einem kriegerischen Schlachtgetümmel. Passagen mit etwas mehr lautmalerischer Strahlkraft und positiver Auflösung der musikalischen Spannung wären wünschenswert und würden die mächtige, aber dennoch elegante Ausstrahlung des Rapphengstes noch unterstreichen. Bis auf zwei Flüchtigkeitsfehlern in den Einer- und Zweier-Wechseln war die Vorstellung der Deutschen Meister alles andere als unheilvoll, sondern sehr imposant und Matthias Rath hatte Totilas wie schon in den beiden Prüfungen zuvor gut vor sich und am Bein.
Der herausragenden Piaff-Passage-Tour von Totilas konnte von den in Aachen angetretenen Pferden bestenfalls Mistral Hojris das Wasser reichen, doch Laura Bechtolsheimer zeigte wie bereits im Special Nerven und mußte einige Fehler hinnehmen.

Cornelissen und Parzival verbessert

Wenn es sich auch nicht in der Note niederschlug, aber eine positive Entwicklung zeigten Adelinde Cornelissen und Parzival. Die Niederländerin ritt mit weniger Rückenlage und weniger harten Händen, als dies in den letzten beiden Jahren meist der Fall war, und ihr Fuchswallach zeigte sich lockerer und mit weniger angespannter Halshaltung, als dies häufig der Fall ist. Locker und elastisch, wenngleich nicht fehlerfrei, präsentierte sich Isabell Werths El Santo zu seiner neuen David-Bowie-Queen-Kür. Als letzte Starterin hätte sie es in der Hand gehabt, Matthias Rath und Totilas doch noch den Sieg streitig zu machen. Doch der neunjährige Westfale piaffierte schlichtweg zu wenig, um eine Chance auf dem Sieg zu haben, was um so mehr verwundert, da er es im vergangenen Jahr in seiner ersten Grand-Prix-Saison schon einmal besser getan hat, hinzukam ein gravierender Fehler vor der Galopp-Pirouette. Dennoch insgesamt bestätigte das Aachen-Debüt von El Santo die Hoffnungen Isabell Werths auf einen Podiusplatz mit ihrem beeindruckenden, zehnjährigem Nachwuchspferd. Mit 78,725 Prozent wurden sie Sechster hinter den deutschen Kür-Vize-Meistern Christoph Koschel und Donnperignon (79,70). Ein erfolgreiches Aachen-Debüt gleich in ihrem ersten Grand-Prix-Jahr erlebte auch für die 25jährige Britin Charlotte Dujardin, die nach Aachen zwar nicht ihr Spitzenpferd Valegro mitgebracht hatte, dafür aber Fernandez, einen elfjährigen Westfalen-Wallach. Die Kür-Vorstellung hätte insgesamt noch etwas dynamischer sein dürfen, doch glänzte der Fuchswallach durch seine Durchlässigkeit und Gelassenheit und beide boten eine harmonische, fehlerfreie Vorstellung (11./73,50).

Deutsches EM-Team nominiert

Für die deutsche EM-Mannschaft wurden noch in Aachen (in alphabetischer Reihenfolge) Helen Langehanenberg/Damon Hill, Christoph Koschel/Donnperignon, Matthias Rath/Totilas und Isabell Werth/El Santo. Reservepaar sind Anabel Belkenhol und Dablino abhängig von der weiteren gesundheitlichen Entwircklung des Fuchswallaches, der vor seinem Grand Prix-Start plötzlich gelahmt hatte. Sollte El Santo ausfallen, würde Warum nicht FRH als zweites Pferd von Isabell Werth nachrücken.
Wer im nächsten Jahr bei den Aachener Dressurprüfungen live dabei sein möchte, der sollte sich mit dem Ticketkauf beeilen. Schon jetzt ist das Dressurstadion für die CDIO-Kür am Sonntagvormittag ausverkauft.
Birgit Popp/Pferdplus

Die Ergebnisse finden Sie auf www.chioaachen.de, die Ritte kann man auf www.clipmyhorse.de auch noch nachträglich anschauen.

Pferdplus Probeheft
Ich möchte kostenlos und unverbindlich ein Pferdplus Probeheft bestellen.