CHIO Aachen: Totilas und Matthias Rath nicht zu stoppen

Schon besser als Edward Gal? Matthias Rath siegte mit Totilas auch im Special. Foto: Julia Rau

Auch am Samstag im Grand Prix Special der CDIO-Tour konnten Totilas und Matthias Rath überzeugen: Mit 83,083 Prozent siegten sie deutlich vor den niederländischen Weltcup-Champions Adelinde Cornelissen und Parzival (79,771) und Isabell Werth mit El Santo (78.292).

Matthias Rath, der schon sowohl die Einzelwertung als auch mit dem deutschen Team die Mannschaftswertung im Grand Prix am Donnerstag gewonnnen hatte, hielt dem großen Druck stand und bot auch im Grand Prix Special einen fehlerfreien Ritt mit vielen Höhepunkten so in der Piaffe-Passage-Tour, den Verstärkungen, den Traversalen und Totilas erhielt erstmals auch für den Schritt vier Achten. Die britische Vize-Weltmeisterin Laura Bechtolsheimer zeigte mit ihrem WM-Pferd Mistral Hojris hingegen Nerven, verritt sich in der Galopptour, baute erneut Fehler ein und wurde mit 77,223 Prozent Vierte. Sehr zufrieden konnte Isabell Werth sein, deren El Santo NRW sich immer gefestigter präsentierte und dies z.T. auch schon in seiner einzigen Schwachstelle, den Piaffen, so war die Schlusspiaffe gut gelungen. Einen Fehler gab es allerdings in den Serienwechseln.

Höchstes Niveau boten auch die US-amerikanischen Aachen Champions von 2009, Steffen Peters und Ravel (5./75.00). Platz sechs (76.479) ging an die WM-Team-Dritten Christoph Koschel und Donnperignon, die einen viel beherzteren Ritt als im Grand Prix zeigten. Dass man auch in der Dressur von null auf hundert durchstarten kann, bewies erneut Charlotte Durjardin. Dieses Mal nicht mit ihrem designierten EM-Team-Pferd Valegro, sondern mit dem elfjährigen Westfalenwallach Fernandez. Die junge Britin hatte erst im Februar ihren ersten Grand Prix geritten und somit war es für sie auch ihr Aachen-Debüt, für den von ihr selbstausgebildeten Fuchswallach war es überhaupt erst der zweite Special. Als Elfte (71,771) qualifizierten sie sich für die CDIO-Kür. 

Kritik an den Richtern

Lob für Matthias Rath, doch Kritik für die Richter kam vom Grandseigneur der Dressurreiter und -trainer Harry Boldt, ein regelmäßiger Gast beim CHIO: „Ich bin etwas enttäuscht über das Richten. Ich hatte den Eindruck, äußeren Formen wie die Halshaltung oder der Aktion der Vorderbeine wird mehr Bedeutung beigemessen als der Frage, ob die Pferde die richtige Basis haben, z. B., ob die Pferde in der Passage oder den Trabverstärkungen hinten gleich gehen.“ Positiv gestimmt haben ihn die Ritte von Matthias Rath und Totilas: „Er hatte ihn mental hervorragend in Schuss und hat dem Druck auch selbst bestens standgehalten. Matthias braucht sich hinter Edward nicht zu verstecken, im Gegenteil, ich denke, dass er im Special Totilas schon besser geritten hat als Edward zuvor.“

Sieg für Ludger Beerbaum

Im Preis der AachenMünchener siegte Ludger Beerbaum mit den zwölfjährigen Hengst Chaman, mit dem er bereits in einem Springen während des CHIOs Fünfter und in einem anderen Zweiter geworden war. In der Siegerrunde benötigte er 42,19 Sekunden und verwies damit den Schweden Rolf-Göran Bengtsson mit Casall La Silla auf Platz zwei (42,73) und die US-Amerikanerin Laura Kraut mit Teirra auf Platz drei (42,80). Launig-humorvoll reagierte er in der Siegerpressekonferenz auf die Fragen der Journalisten nach seiner Einschätzung des Totilas-Hypes, „Positiv. Ich habe noch nicht festgestellt, dass ich deshalb im Springstadion weniger Aufmerksamkeit erhalten würde. Dass er soviel Interesse auf sich zieht, ist gut für den gesamten Reitsport.“ Lächelnd fügte er hinzu, „Für das Niveau der Preise, für die wir unsere Pferde verkaufen können, ist das auch gut. Damit gewöhnen sich die Pferdekäufer an diese Summen.“ Auf die Frage, ob er denn Gotha für acht bis zehn Millionen Eurro verkaufen würde, fügte er hinzu, „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“ Und Chaman? „Nein, sicherlich nicht, aber ich habe auch noch andere Pferde.“ Und, das obwohl er zuvor hatte eingestehen müssen, dass – obwohl seit Wochen so gewinnreich – Chaman in dem Jahr, in dem er ihn nun unter seinem Sattel hat, auch noch gelegentlich mit seinem alten Problem am Wassergraben zu kämpfen hat.

Kein Vorbeikommen an Michael Jung & Sam

Auch in der Aachener Soers gab es in der Kurz-Vielseitigkeit in der Einzelwertung kein vorbeikommen an Michael Jung und Sam. Die Weltmeister hatten bereits in der Dressur mit 32,3 Punkten die Führung übernommen und blieben im Springen fehlerfrei. Zum Abschluss im Gelände mussten sie lediglich 2,40 Zeitstrafpunkte hinzufügen. Platz zwei (41,40) ging an den Italiener Stefano Brecciaroli mit Apollo vor dem Briten William Fox-Pitt mit Neuf des Coeurs (42,1). Den Sieg in der Nationenpreiswertung sicherten sich die Briten vor Neuseeland, Schweden, Australien und Deutschland.

Birgit Popp/Pferdplus

Weitere Infos und Ergebnisse unter www.chioaachen.de

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