Die Heuschmann-Kontroverse: Vom Guru zum Buhmann?
So rasch kann’s gehen: Nach dem Abdruck unschöner Fotos in einem deutschen Fachmagazin steht Dr. Gerd Heuschmann – Kämpfer gegen die Rollkur und für pferdegerechte Ausbildung – nun selbst in der Kritik. Ist diese berechtigt – oder ist Dr. Heuschmann Opfer einer Medienkampagne?
Es begann alles ganz harmlos: Fotojournalistin Julia Rau fuhr am 13. Juni zu einem Seminar mit Dr. Gerd Heuschmann auf den Laubenheimer Hof bei Mainz – Thema: Die Anatomie des Pferdes erklärt den Ausbildungsweg. Das Seminar wird als Trainerfortbildung anerkannt. Im Praxisteil am Nachmittag entsteht eine Fotoserie, die das Magazin St. Georg auszugsweise veröffentlicht und die Dr. Heuschmann beim Korrigieren eines sechsjährigen Friesenhengstes zeigt. Es sind großteils unschöne Bilder – der Friese ist unrittig, entzieht sich den Hilfen, Heuschmann muß nachhaltig einwirken, abbremsen, einmal das Pferd sogar gegen die Wand stellen.
Der Stein kommt ins Rollen
Julia Rau bietet die Fotos zwei Magazinen – dem Cavallo und St. Georg – zur Verwendung an. Cavallo zeigt kein Interesse – St. Georg veröffentlicht drei Fotos in seiner aktuellen Ausgabe und befragt Dr. Heuschmann dazu: Im Gespräch gibt er unumwunden zu, dass die Fotos „teilweise grauenvoll“ seien, und dass es ein Fehler war, überhaupt auf dieses Pferd gestiegen zu sein. Heuschmann: „Es geht in diesem Schnellverfahren nur mit solch hässlichen Bildern – und ich muss zugeben, ich sollte mir das, weil ich meinen Mund in der Vergangenheit so weit aufgerissen habe, nicht erlauben. Das ist berechtigte Kritik.“
Der stellvertretende Chefredakteur des St. Georg, Jan Tönjes, sprach in einem Kommentar dennoch ein vernichtendes Urteil: „Heuschmann hat der Sache, die man so lange als die seine verstanden hat, einen Bärendienst erwiesen.“ Für den St. Georg ist auch klar: Die Forderung, dass „Gewaltreiten mit Pferden, die mit weggedrücktem Rücken im Spitzensport hoch bewertet werden, nicht sein darf“, kann Dr. Heuschmann als Galionsfigur „nicht mehr glaubwürdig vertreten“.
Heuschmann-Kritik unberechtigt?
Eine Gegenposition zum St. Georg nimmt erwartungsgemäß der Wu Wei-Verlag ein, der Dr. Heuschmanns Bücher verlegt. Verlegerin Isabell Sonntag veröffentlicht einen langen Kommentar auf der Website des Verlages, in dem sie das Magazin St. Georg scharf kritisiert und die Vorgangsweise der Zeitschrift als unseriös bezeichnet. Weil es die Auflage steigert, wird Dr. Heuschmann die Ehre abgeschnitten und die Glaubwürdigkeit als Prediger gewaltfreier Ausbildung abgesprochen. Isabell Sonntag: „Es liegt in der Natur der Sache, dass die Korrektur eines solchen (völlig festen, verrittenen) Pferdes nicht schön aussieht.“ Und weiter: „Man kann Heuschmann vielleicht Sturheit, Naivität oder Größenwahn, vielleicht auch Dummheit vorwerfen. Fest steht aber, dass er selbst nichts von dem getan hat, was er zu Recht kritisiert.“
Lesen Sie die komplette Stellungnahme hier.
Sehen Sie die umstrittenen Bilder!
Wir zeigen einige der umstrittenen Fotos in unserer Bildergalerie – und haben sie einmal zu Gunsten (siehe Bildergalerie: Dr. Heuschmann – das Opfer) und einmal zu Lasten von Dr. Heuschmann (siehe Bildergalerie: Dr. Heuschmann – der Täter) interpretiert. Was ist Ihre Meinung – wie beurteilen Sie das, was auf den Fotos von Dr. Heuschmann zu sehen ist bzw. von ihm da gezeigt wird? Ist es zulässige Korrektur, die nur unschön aussieht – oder unsachgemäßes Reiten, das dem Pferd lediglich Schmerzen zufügt, ohne ihm den Sinn dieser ,Korrekturen‘ begreifbar zu machen. Sagen Sie uns Ihre Meinung – oder machen Sie bei unserer Umfrage mit!
Alle Fotos: Julia Rau
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News
Heuschmann
Die Bilder sind wirklich nicht sehr schön, das muss man schon sagen. Allerdings habe ich selten einen Trainer gesehen der auf einem unrittigen bzw. verrittenen Pferd gut aussieht. Da muss eben manchmal etwas deutlicher durchgegriffen werden.
Das Imperium schlägt zurück!
Dr. Heuschmann war jahrelang ein Stachel im Fleisch der ,Horse-Industry' – und hat mit scharfen Worten, gekonnter Polemik, aber auch viel veterinärmedizinischem Fachwissen an den Grundfesten des Systems gerüttelt. Er war (und ich hoffe, er ist es noch) ein Unbequemer, der tatsächlich den Finger in eine Wunde gelegt hat. Er wurde zur Galionsfigur, ja, zum Guru einer Bewegung, die durchaus auch dem Zeitgeist entsprach – und dieser Status ist ihm wohl zu Kopf gestiegen. Was ihm beim Seminar passiert ist, war eine Dummheit, begangen aus Eitelkeit und Selbstüberschätzung. Nun zahlt er den Preis dafür, seine Gegner haben endlich seine Wunde gefunden, in die sie den Finger legen können. Das System schlägt zurück – und ist dabei, wie die tendenziöse Berichterstattung des St. Georg zeigt, nicht zimperlich.
Ich persönlich hoffe, dass Heuschmann die Angriffe – die in der Sache zweifellos überzogen sind – weitgehend unbeschadet übersteht. Denn kritische Stimmen wie er sind in der Pferdebranche nach wie vor notwendig, vielleicht mehr denn je.
Kein Einzelfall
Ich bin Einstellerin eines Stalles in dem regelmäßig Heuschmann Kurse und Trainingstage stattfinden. Da mir dort keiner das Zuschauen verbieten kann, bekomme ich regelmäßig mit, wie Herr H. die Pferde "bearbeitet"... Ich könnte 100 fach diese Fotostrecken schiessen, da er jedes Pferd so reitet!!! Es wird am Zügel gerissen, Aufwärtsparaden rechts und Links bis das Pferd vor Verzweiflung rückwärts läuft... Dann seitwärts und gegen die Wand... Und das minutenlang!!! Es ist einfach nur grausam... Irgendwann geben die Pferde auf und machen was Herr H. will. Manche schmeissen sich noch gegen die Wand... sogar Pferde die eigentlich rittig sind deren Besitzer sehen wollten wie ihr Pferd den Rücken aufwölbt usw. Er reitet jedes mal so! Und die Steigbügel bleiben so wie vom Besitzer des Pferdes eingestellt... Also sitzt Herr Heuschmann bei einer 1,65 grossen Reiterin auf dem Pferd, wie ein Affe auf dem bekannten Schleifstein... Mir könnte man Geld zahlen und ich würde den Herrn nicht auf mein Pferd lassen! Herr Balkenhol hat Recht sich von seiner Reitweise zu distanzieren! Warum hält Herr Heuschmann nicht seine Vorträge und demonstriert anhand richtig guter Reiter die Losgelassenheit??? Sollte nicht jeder Schuster bei seinen Leisten bleiben?