Diskussion: Wie kann man die Vielseitigkeit sicherer machen?
Die Häufung tragischer Todesfälle in der Vielseitigkeit hat international zu einer neuen Sicherheitsdiksussion geführt. Pferdplus hat nachgefragt, wie realistisch der Österreichische Pferdesportverband und aktive Vielseitigkeitsreiter den Einsatz von abwerfbaren Hinderniselementen im Gelände künftig einschätzen.
Wenn es um das Thema Sicherheit im Vielseitigkeitssport scheiden sich die Geister. Waltraud Steiner, Mutter des im Vorjahr in Montelibretti tödlich verunglückten Sebastian Steiner, hat sich mit einem engagierten und emotional anrührenden Schreiben an das deutsche Vielseitigkeits-Portal www.buschreiter.de gewendet und vehement die Einführung von abwerfbaren Geländehindernissen gefordert, um die gefürchteten Rotationsstürze zu vermeiden. Es kann nicht sein, dass tödliche Unfälle von jungen Menschen keine Konsequenzen haben.“ Unterstützung erhielt sie u. a. vom ehemaligen Olympiareiter und Schwiegervater des im Busch schwer verletzten Steirers Pepo Puch, Alfred Schwarzenbach, der sich ebenfalls für sicherheitstechnische Veränderungen stark macht: „Damit der Sport eine Zukunft hat, muss er verändert werden.“ Es müsse sich ein mutiger nationaler Verband finden, der solche Hindernisse zuläss, um Erfahrungen damit zu sammeln, so Alfred Schwarzenbach weiter.
Technische Entwicklung steht noch am Anfang
Während die Forderung nach abwerfbaren Hinderniselementen bei Freunden des Vielseitigkeitssports auf große Zustimmung stößt, sehen prominente Reiter und Funktionäre noch einen langen Weg bis zur konkreten Umsetzung. Ing. Franz Kager, Generalsekretär und Sportdirektor des OEPS wünscht sich zwar ebenfalls Maßnahmen zur Verringerung der gefürchteten rotation falls, sieht aber noch technischen Entwicklungsbedarf, bevor ein Einsatz von abwerfbaren Hinderniselementen in die Praxis umgesetzt werden kann. „Derzeit werden verschiedene Versuchsreihen, die auch bei der EM ausgestellt waren, getestet. Die dort präsentierten Hindernisse geben bei Kollisionen mit gewissem Druck um ungefähr 20 cm nach und können anschließend mit einem Seilzug wieder in die Ursprungslage gebracht werden. Dennoch stellt sich die Frage, wie dann eine künftige Geländestrecke aussehen wird, denn bei Tischen, Häusern, Bergauf- oder Bergabsprüngen gibt es keine derartigen Möglichkeiten.“
„Da können wir gleich einen Parcours in den Wald stellen“
Auch für Österreichs Top-Buschreiter Harald Ambros scheint eine Zukunft mir abwerfbaren Hindernissen in der Military unwahrscheinlich. „Die Idee ist zwar gut, die Umsetzung jedoch unrealistisch“ so der routinierte Olympiareiter. „Starterfelder mit 200 Reitern und mehr, wie sie derzeit keine Seltenheit sind, wären nicht mehr machbar, wenn die Hindernisse nach jedem Rumpler neu aufgebaut werden müssten. Außerdem wäre diese Form von Sicherheitssprüngen nur vereinzelt möglich. Was ist mit einem Coffin, einem Wassereinsprung oder Tiefsprüngen“ stellt Harald Ambros die gleiche Frage wie Franz Kager und legt gleich noch ein Schäuflein nach. „Da können wir ja gleich einen Parcours in den Wald stellen und am Ende die Abwürfe zählen.“
„Der Sport muss sich weiterentwickeln“
Unser derzeitiger Europameister in der Paradressur Pepo Puch, der selbst bei zahlreichen Vielseitigkeitschampionaten für Kroatien am Start war sieht dies anders. „Der Sport muss sich weiterentwickeln und sicherer werden. Beim Hamburger Derby ist der mächtige Birkenoxer ebenfalls mit einem abwerfbaren Element ausgestattet und es funktioniert perfekt“ so Pepo Puch, der sich dem Statement seines Schwiegervaters Alfred Schwarzenbach (siehe buschreiter.de) inhaltlich voll anschließt. „Natürlich können nicht alle Sprünge entsprechend ausgestattet werden, aber bei Hindernissen wie z.B. Tischen die mit großem Tempo genommen werden, kommt es in der Regel auch nicht zu den gefürchteten Rotationsstürzen“ zeigt sich Pepo Puch von der Machbarkeit der fallenden Hinderniselemente überzeugt.
Sicherheitsseminar in Warendorf
Aufgeschlossenheit zum Thema Sicherheitssprünge ist für den Generalsekretär des OEPS natürlich angesagt. Aus diesem Grund wird auch die österreichische Sicherheitsbeauftragte für Vielseitigkeit Dr. Katrin Kniely Ende Jänner 2012 am Sicherheitsseminar in Warendorf teilnehmen. Welche Ergebnisse dort präsentiert werden bleibt abzuwarten. Grundsätzlich kann sich Franz Kager aber durchaus vorstellen, dass gewisse Hindernisse auch bei nationalen Veranstaltungen künftig mit abwerfbaren Elementen ausgestattet werden müssen. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch ein entsprechender technischer Mechanismus, der den raschen Wiederaufbau durch einen Streckentrupp möglich macht. Eine durchgängige Umsetzung im gesamten Gelände ist jedoch kaum zu erwarten, denn dafür müsste der derzeitige Geländebau komplett verändert werden.
Mag. Corinna Widi/Pferdplus
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