Ein Freundeskreis als Stachel im Fleisch der Spanischen Hofreitschule

Vereinspräsidentin Mag. Barbara Bertschinger-Bär und Vizepräsident Dr. Josef Offenmüller bei der Pressekonferenz. Foto: Archiv

Bei einer Pressekonferenz im Parlament stellte sich heute der „Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule/Bundesgestüt Piber“ offizielll als Verein der Öffentlichkeit vor. An Konfliktstoff mit der Spanischen Hofreitschule mangelte es auch dabei nicht.

Schon in den letzten Jahren lieferte sich der „Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule/Bundesgestüt Piber“ beständige Scharmützel mit der Spanischen Hofreitschule. Kernpunkt in der Kritik ist das lt. Meinung des Freundeskreises schwindende Niveau der Vorführungen in der Ära Gürtler/Bachinger – ein Umstand, der in zahllosen Presseaussendungen und öffentlichen Statements immer wieder medienwirksam beklagt wurde. Bislang war der Freundeskreis nur als lose Interessengemeinschaft organisiert – erst in diesem Sommer folgte die offizielle Vereinsgründung mit allen dazugehörigen Organen und Statuten. Die Präsentation dieses neu gegründeten Vereins war auch Anlass der heutigen Pressekonferenz im  Parlament.

Freundeskreis: Qualität der Spanischen ist gefährdet

Präsidentin Mag. Barbara Bertschinger-Bär, Dressurreiterin, Ausbilderin und Züchterin aus der Schweiz, wies gleich zu Beginn auf das hohe Ansehen der Spanischen Hofreitschule und der dort praktizierten klassischen Reitkunst im Ausland hin. Für DressurreiterInnen aus aller Welt war die außergewöhnliche Perfektion und hohe Qualität, die in den Vorführungen in der Winterreitschule und auch bei den Tourneen gezeigt wurde, Vorbild und Inspiration. Genau diese Qualität ist nach Meinung des Freundeskreises derzeit gefährdet – er seine Pflicht in der Erhaltung des Kulturinstituts Spanische Hofreitschule/Bundesgestüt Piber in seiner traditionellen Form und der weltweit anerkannten Qualität

Fehler der Gegenwart anschaulich gemacht

Im Rahmen der Pressekonferenz versuchte man – auf durchaus eindrucksvolle Weise – den Qualitätsverfall auch anschaulich zu machen: Es wurden Videosequenzen vorgeführt, die einerseits Bildmaterial von der Festspieleröffnung 1993 am Wiener Rathhausplatz zeigten – und diesen Ausschnitte aus der Galavorführung am Heldenberg im heurigen Sommer gegenübergestellt. Das Resümee des Freundeskreises: Wo früher absolute Exaktheit und Perfektion herrschten, sind in der Gegenwart deutliche Fehler zu erkennen. Szenen, die gut in ein Training oder eine Morgenarbeit gepasst hätten, nicht aber in eine zu vollem Preis verkaufte Galavorführung. Schulen über der Erde, die nicht gelangen, zu eng eingestellte Junghengste, und eine Große Schulquadrille, die Gleichklang, korrekte Linienführung und Synchronizität – wofür die Spanische weltweit berühmt war – vermissen ließ.

Dr. Offenmüller: „Wollen niemanden schlecht machen“

„Uns geht es nicht darum jemanden schlechtzumachen“, so Pressesprecher und Vizepräsident Dr. Josef Offenmüller. „Wir wünschen uns vielmehr, dass das Niveau von 1993 wieder erreicht wird.“ Schritte, durch die eine erneute Steigerung der Qualität nach Ermessen des Vereines erreicht werden könnte und für die er sich künftig auch einsetzten möchte, sind etwa die Übertragung der Spanischen Hofreitschule und des Bundesgestüts Piber vom Landwirtschaftsministerium zum Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und damit auch eine Neuregelung der Subventionierung. Nur wenn der Geschäftsleitung der wirtschaftliche Druck genommen wird, so Offenmüller, kann der Qualität in der Ausbildung der Bereiter und Pferde wieder mehr Rechnung getragen werden – eine Reduktion der Vorführungen und die rasche Ausbildung einer zweiten Equipe bei gleicher Anzahl von Bereitern, wäre dann überflüssig. Auch die Ausbildung zurück in die Hände der Oberbereiter zu legen, sähe der Freundeskreis als richtigen Schritt.

Weltkulturerbe Hofreitschule

Als wichtigstes Ziel formuliert er aber, die Spanische wie auch das Bundesgestüt in das materielle Weltkulturerbe aufnehmen zu lassen, was etwa beim Gestüt Kladrub bereits der Fall ist. Dafür müsste sich die Spanische, nach Meinung des Freundeskreises, aber wieder dem hohen Niveau annähern, für das sie einst berühmt war – ein reiterliches Gesamtkunstwerk, das ebenso wenig mit Sport als auch mit einer kommerziellen Institution zu tun haben sollte.
Petra Gmainer-Wiedemann/Pferdplus

Weitere Infos zum Verein und seinen Aktivitäten gibt’s auf www.freundeskreis-srs.at

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