Ein neues Leben für ein gerettetes Pferd
Pferde, die von Tierschutzorganisationen aus unzumutbaren Haltungen befreit werden, brauchen irgendwann ein neues Zuhause. Ein besonders positives und berührendes Beispiel hat nun World Horse Welfare vorgestellt: Eine Britin schenkte der 8-jährigen Stute Wilma ein neues Leben.
Und Wilma hat eine besondere Geschichte: Sie ist ein Pferd aus Amersham, einem Ort, der sich wohl für immer ins Gedächtnis vieler Pferdefreunde eingegraben hat, denn er steht für den vermutlich schlimmsten Fall von Tierquälerei, der sich in Großbritannien jemals ereignet hat. Im Jänner 2008 entdeckten Mitarbeiter der britischen Tierschutzorganisation RSPCA auf der Spindles Farm in Amersham (Grafschaft Buckinghamshire) einen Fall von Tierquälerei, der alles Vorstellbare übertraf: Auf dem weitläufigen Anwesen wurden insgesamt 115 Pferde, Ponys und Esel beschlagnahmt, die auf übelste Weise vernachlässigt und gequält worden waren, ausgehungert, fast verdurstet und ohne jegliche Pflege oder medizinische Betreuung. Noch schlimmer aber war das, was sie in Nebengebäuden und auf Koppeln entdeckten, nämlich die großteils verwesten Kadaver von 32 weiteren Pferden, für die jede Hilfe zu spät kam. Der Besitzer, der damals 44-jährige James John Gray, wurde im längsten Tierschutz-Prozess in der britischen Geschichte zu 24 Wochen Gefängnis (von denen er jedoch nur 12 Wochen absitzen musste), zu einer Geldstrafe von 400.000,– Pfund und zu lebenslangem Haltungsverbot verurteilt. In einem zweiten Verfahren im November 2010 kamen weitere 200.000,– Pfund Strafe hinzu. Der Fall von Amersham ging um die Welt – und sogar aus Australien meldeten sich damals Pferdefreunde, die anboten, sich um die geretteten Vierbeiner zu kümmern. Die RSPCA bezifferte die Pflegekosten für die befreiten Pferde allein im ersten Jahr auf eine Million Pfund – zahlreiche Tiere wurden damals auch an andere Tierschutzorganisationen wie World Horse Welfare und dem Redwings Horse Sanctuary zur Pflege weitergegeben.
World Horse Welfare berichtet nun von einem gelungenen und besonders berührenden Beispiel, bei dem ein Pferd aus Amersham eine neue, liebevolle Besitzerin gefunden hat: Im letzten August war Jan Cooper aus Filby (Norfolk) auf der Suche nach einem neuen Pferd – und durch Zufall stieß die begeisterte Reiterin auf die Website von World Horse Welfare, in der ein neues Zuhause für Wilma gesucht wurde. Jan Cooper fuhr hin – und war von der zutraulichen Cob-Stute sofort begeistert: „Ich habe Fotos von Wilma bei ihrer Rettung gesehen – und war enorm beeindruckt davon, was World Horse Welfare seither für das Pferd getan hat. Für mich war es ein schöner Gedanke, ihr nun auch noch ein neues Zuhause und liebevolle Pflege für den Rest ihres Lebens zu ermöglichen. Der Gedanke, dass man soviel für ein Pferd tun und ihm so sehr helfen kann, ist schon etwas Besonderes. Und es ist wirklich ein gutes Gefühl wenn man sieht, was aus ihr geworden ist.“ Cooper hat Wilma auch ausbildungsmäßig weiter gefördert und geht mittlerweile sogar Dressurturniere mit der Stute. Und sie empfiehlt auch anderen, ihrem Beispiel zu folgen und vernachlässigten Pferden eine zweite Chance zu geben – ein Schritt, der am Anfang wohl ein wenig Mut erfordert, aber auch ein Schritt, von dem nicht nur die Pferde profiiteren, so Jan Cooper.
Die Geschichte von Wilma und Jan Cooper ist auch in diesem netten Video von World Horse Welfare zu sehen…
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