Ein Pferd im Wohnzimmer – darf das sein?
Eine Pferdebesitzerin in Schottland sorgt derzeit für einen handfesten Skandal und heftige Diskussionen – sie hält ihr Pony im Wohnzimmer. Die Nachbarn halten sie für verrückt und verantwortungslos, Tierschutzorganisationen sind aber offenbar machtlos.
Der Fall der dreijährigen Ponystute Grey Lady Too entzweit derzeit Nachbarn, Tierfreunde und Behörden in ganz Großbritannien. Im Zentrum des Streits steht deren Besitzerin, Stephanie Noble, 63 Jahre alt, die auf der kleinen entlegenen Insel Isle of Lewis in Schottland lebt und aufgrund ihrer Ausbildung als Reitinstruktor der British Horse Society eigentlich mit Pferden vertraut ist. Als sie im September 2011 die Ponystute kaufte, brachte sie das Pferd zunächst auf einer Weide in der nahen Ortschaft Gress unter. Zu Weihnachten aber stand Grey Lady Too plötzlich in ihrem Vorgarten – die Weidebesitzerin hatte ihr das Pferd nach einem Streit über die Einstellgebühr einfach zurückgebracht. Der Versuch, die Ponystute in einer nahen Scheune unterzubringen endete im Fiasko: Stephanie Noble, die geglaubt hatte, die Scheune stünde auf öffentichem Grund, wurde vom privaten Eigentümer auf Hausfriedensbruch und Vandalismus verklagt und mußte sogar eine Nacht im Gefängnis verbringen. Danach nahm sie das Pony mit nach Hause.
Miss Noble sah keine andere Möglichkeit, als das Pferd vorübergehend bei sich im Haus unterzubringen. Sie baute die von ihr bewohnte Doppelhaushälfte (das Haus steht in ihrem Besitz) kurzerhand um und machte sie ,pferdefest‘: Im Wohnzimmer baute sie eine Box für Grey Lady Too und verstärkte den Boden mit dicken Brettern. „Unter dem Heu habe ich dicke Gummimatten verlegt, die den Zimmerboden schützen. Außerdem verteile ich Unmengen von Katzenstreu, um Kot und Urin aufzufangen. Ich wechsle die Einstreu und desinfiziere täglich“, so Noble in einem Interview.
Noble: „Grey Lady ist glücklich und zufrieden!“
Mit der Ruhe ist aber seither für Stephanie Noble vorbei: Unzählige Beschwerden der entsetzten Nachbarn prasselten auf sie nieder – und auch Anzeigen bei den örtlichen Behörden und Tierschutzorganisationen. Miss Noble kann die Aufregungen nicht nachvollziehen: „Das ist mein Haus, mein Eigentum – und wenn ich hier einen Elefanten halten möchte, kann ich das auch tun. Die Leute beschweren sich nur, weil es ungewöhnlich ist, ein Pferd so zu halten. Dass Vögel in Käfigen gehalten werden, obwohl sie ja eigentlich herumfliegen sollten, finden aber alle völlig in Ordnung. Ich kann nur sagen: Grey Lady ist sehr glücklich und zufrieden. Sie spaziert raus in den Garten, knabbert herum und geht dann von allein wieder zurück ins Haus. Die Situation ist zweifellos nicht ideal, aber es ist sicher für Grey Lady und es geht ihr gut. Niemand würde mir hier erlauben, sie in einer Scheune oder einem Stall einzustellen – und ich will sie einfach nicht frei herumlaufen lassen, sie könnte ja jemanden verletzen oder Eigentum beschädigen. Ich hoffe, das ist nur ein vorübergehender Zustand – aber wer weiß.“
„Es ist ein sehr ungewöhnlicher Fall.“
Inspektoren der schottischen Tierschutzorganisation SPCA hat Stephanie Noble angeboten, Grey Lady bei sich aufzunehmen – das aber lehnte sie ab. Andy Brown von SPCA: „Wir sorgen uns um das Wohl des Pferdes. Aber die Stute scheint in guter Verfassung und gut versorgt zu sein. Wir hoffen, die Angelegenheit noch mit Ms Noble besprechen zu können. Es ist ein sehr ungewöhnlicher Fall.“ Auch ein Sprecher der Bezirksbehörde sieht keine Handhabe, gegen die ungewöhnliche Haltungsform einzuschreiten, solange die öffentliche Sicherheit und Hygienebestimmungen nicht verletzt werden. Und Stephanie Noble bleibt stur – und ist nicht bereit, das Pferd wegzugeben: „Eher verkaufe ich mich selbst, als dass ich das Pferd verkaufe!“
In diesem Artikel sind eine Reihe von Fotos zu finden, die zeigen, wie Grey Lady und ihre Besitzerin zusammenleben.
Und hier ein Interview mit Stephanie Noble des Senders Sky.
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