Elisabeth Max-Theurer: „Das Risiko war uns einfach zu groß!“
Nach dem Verzicht Victoria Max-Theurers, mit Toppferd Augustin OLD bei den WEG Kentucky zu starten, hat Pferdplus BFV-Präsidentin Elisabeth Max-Theurer nach den Hintergründen gefragt – und dabei so manch Überraschendes erfahren.
Pferdplus: In einer Pressemeldung des BFV wurde die Öffentlichkeit darüber informiert, dass ihre Tochter Victoria leider nicht mit ihrem Spitzenpferd Augustin OLD bei den Weltreiterspielen in Kentucky an den Start gehen wird. Hatte sich keine akzeptable Lösung für den Transport und die Quarantäne von Augustin finden lassen?
Elisabeth Max-Theurer: Nein, leider nicht. Es gab viele Gründe, die gegen einen Flug von Augustin nach Kentucky sprachen. Er wäre von Österreich über Belgien nach Cincinnati zwei Tage unterwegs gewesen, anschließend hätte Augustin noch einmal eine knapp zweitägige Quarantäne vorbestanden. Diese Quarantäne findet nicht im Horse Park in Lexington statt, sondern mit insgesamt 52 Pferden in einem eigens auf dem Flugplatz von Cincinnati aufgebautem Zelt. Wäre nur ein Pferd in diesen zwei Tagen erkrankt, hätte die Quarantäne auch auf unbestimmte Zeit verlängert werden können. Während der Quarantäne dürfen die Pferde, nachdem sie ja schon eine zweitägige Reise ohne Bewegung hinter sich haben, nur im Zelt auf Gummimatten im Schritt geführt werden, das wäre mit einem so durchtrainierten Hengst wie Augustin kaum machbar gewesen. Die Pfleger dürfen während der Quarantäne nur zum Füttern zu den Pferden und auch später im Horse Park dürfen sie nachts nicht bei den Pferden bleiben.
Pferdplus: Wie zu hören war, muss Augustin auch auf ganz spezielle Weise gefüttert werden…
Max-Theurer: Nach der Kolikoperation im vergangenen Herbst erhält Augustin sehr viele kleine Futterrationen, außerdem muss ständig kontrolliert werden, dass er ausreichend säuft, um eine erneute Kolik zu verhindern. All dies war nicht gewährleistet und uns das Risiko einfach zu groß. Wir hatten auch überlegt, ihn nach New York zu fliegen, aber dann hätte während der Quarantänezeit gar niemand von unserer Seite zu ihm gedurft. Außerdem sollen die Boxen im Zelt nicht sehr stabil sein. Und, selbst die Boxen im Horse Park sind nur 2,80 m auf 2,80 m groß, was nicht den von der EU geforderten Maßen entspricht. Leider haben sich die Organisatoren in den USA nicht sehr flexibel gezeigt und wir mussten immer wieder hören, ‚this is law’, das ist Gesetz. Es ist sehr schade für Vici und Augustin, der sich ja, wie er gerade in Cappeln wieder gezeigt hat, in Topform befindet. Aber unsere Sorge um das Wohlergehen des Hengstes war zu groß. So wird sich Vici mit ihm auf die EM im nächsten Jahr in Rotterdam und die Olympischen Spiele 2012 in London konzentrieren.
Pferdplus: Und ein Start mit Eichendorff kam auch nicht in Frage?
Max-Theurer: Nein, wenn man ein Pferd wie Augustin besitzt, mit dem Vici gute Chancen gehabt hätte, wie im letzten Jahr bei der EM unter die besten Fünf zu reiten, dann möchte man nicht nur dabei sein. Außerdem hatte Eichendorff nicht die geforderten 70 Prozent auf einem Vier- oder Fünf-Sterne-CDI im Grand Prix erzielt.
Pferdplus: Danke für das Gespräch!
Das Interview führte Pferdplus-Autorin Birgit Popp.
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