Equiner Herpesvirus soll enträtselt werden

EHV-1 greift das Atemsystem an und kann zu Lungenentzündungen führen. Foto: Archiv/Petr Blaha

Dem Equinen Herpesvirus EHV-1 sind Forscher der Colorado State University in den USA auf der Spur: Sie wollen mit einer neuen Studie klären, wie der Equine Herpesvirus die Immunabwehr des Pferdes überlistet und sich im Organismus ausbreiten kann.

Im Mittelpunkt der Studie steht – wie das Newsportal Horsetalk berichtet – die Frage, wie der Equine Herpesvirus Typ 1 (EHV-1) das Immunsystem „austrickst“, sobald er Zugang zum Atmungsapparat des Pferdes (Luftröhre, Kehle, Rachen) gefunden hat. Von dort kann er sich – nahezu ohne immunologische Gegenwehr – im Körper des Tieres ausbreiten, zu Fieber, Husten, Nasenausfluss und sogar Lungenenzündungen führen und bei trächtigen Stuten Aborte auslösen. In seltenen Fällen kann es auch zu neurologischen Schäden kommen.

Die Ausbrüche von EHV-1 wurden in den USA in den letzten Jahren mit großem Aufwand untersucht, da sie der gesamten Pferdewirtschaft erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügen – Aborte bei Zuchtstuten verursachen erhebliche Kosten, ebenso die Absage von Veranstaltungen sowie alle notwendigen Maßnahmen, um die Krankheit einzudämmen und zu behandeln.
Die Studie konzentriert sich speziell auf das Epithel, eine Schicht im Atmungsapparat, dessen Aufgabe es ist, die Luftröhre feucht zu halten und eine Barriere gegen Krankheitserreger zu bilden. Epitelzellen verfügen auch über eine entscheidende Funktion bei der Bildung der Immun-Antwort, dazu gehört auch, chemische Stoffe auszuscheiden um die Krankheitserreger zu attackieren und die Immun-Antwort auch im Rest des Körper zu aktivieren.

„Wir glauben, dass der Herpesvirus einen Weg gefunden hat, sich vor der Immunantwort gewissermaßen zu ,verstecken’. Wir wissen auch, wenn ein Immunsystem nicht gleich beim ersten Anzeichen einer Infektion eine gute Reaktion zeigt, dann gewinnen Virusformen wie diese rasch die Überhand“, sagt Gabrielle Landolt, Tierärztin an der Colorado State University und stellvertretende Leiterin des Forschungsprojekts. „Wenn wir den Verlauf im Atmungstrakt näher untersuchen und jenes Sekret des Equinen Herpesvirus entschlüsseln können, das hilft, Zugang zum Körper zu finden und das Immunsystem zum Zeitpunkt des Eindringens gefährdet, dann könnten wir die Infektion nicht nur effektiver bekämpfen, sondern auch vorbeugende Maßnahmen entwickeln, um ein Ausbrechen des Virus zu verhindern.“

Projektleiterin Gisela Hussey, ebenfalls Tierärztin an der Universität, sagt: „Das Ergebnis dieses Forschungsprojektes wird helfen zu verstehen, wie der Herpesvirus bei jeglichen Spezien das Immunsystem beeinflusst. Es ist die erste Studie, die sich darauf konzentriert, die Immunantwort des Epithels im Atmungsapparates nachzuvollziehen und zu entschlüsseln, wie der Virus das Immunsystem kontrolliert.“ EHV-1 wird durch nasalen Kontakt übertragen, ebenso durch näheren Kontakt mit kontaminierten Gegenständen, Kleidung, Wasser oder Nahrung. Auch über die Luft kann es sich bis zu einer gewissen Distanz verbreiten.

Die Forscher führen die Studie an equinen Epithelzellen von verstorbenen Pferden durch, deren Besitzer ihre Einwilligung zur Verwendung des Gewebes gegeben haben. Die Verwendung dieser Zellen in einem Modell, das auch die unmittelbare Reaktion bei einem lebenden Pferd darstellen kann, ist in diesem Forschungsgebiet absolut neuartig.

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