FEI-Arbeitsgruppe legt neue Liste verbotener Substanzen vor
Eine mögliche Kompromissvariante in der Debatte um den Einsatz von entzündungshemmenden Substanzen auf Turnieren hat nun eine interne Arbeitsgruppe der FEI vorgelegt.
Die Themen Doping und verbotene Medikation stehen bei der FEI ganz oben auf der Tagesordnung. Seit den Dopingfällen bei den olympischen Reitbewerben in Athen und Hongkong ist die FEI gleich von zwei Seiten unter Druck: Medien und olympische Organisationen drängen auf rigorosere Kontrollen und strengere Bestrafungen – auf der anderen Seite wehren sich Reitervertreter gegen die sogenannte „Nulllösung“, weil diese die Behandlungsmöglichkeiten ihrer Turnierpferde stark einschränke und in Wahrheit so deren Gesundheit gefährde. Das Dilemma verfolgt die FEI seit Jahren, ohne das bislang eine für alle Seiten befriedigende Lösung gefunden werden konnte. Zuletzt war die Einführung einer „progressive list“, die bestimmte Schmerz- und Entzündungshemmer in Wettkämpfen erlaubt hätte, grandios gescheitert. Diese Liste wurde bei der FEI-Generalversammlung 2009 zwar angenommen, aber nach massiven Protesten zahlreicher FN wieder ausgesetzt, da sie gegen mehrere nationale Tierschutzgesetze verstoßen hätte.
Neuer Anlauf
Nach dieser Blamage musste man gewissermaßen wieder von vorn beginnen – und machte es diesmal besser: Nach gründlicher Vorbereitung organisierte die FEI Mitte August einen hochkarätig besetzten Kongress mit insgesamt 200 Delegierten aus 29 Ländern, die sich zwei Tage lang mit dem Thema NSAID (Non-Steroidal Anti-Inflammatory Drugs, also nicht-steroidale, entzündungshemmende Wirkstoffe) und deren Einsatz auf Turnierveranstaltungen beschäftigten. Hier waren Experten aus allen relevanten Bereichen – Juristen, Tierärzte, Veranstalter, Funktionäre div. Verbände, aber auch Vertreter der Medien – am Wort und suchten gemeinsam nach juristisch und sportlich tragbaren Lösungen. Der Schlussbericht wurde zur weiteren Beratung an alle nationalen FNs geschickt.
Neue Liste verbotener Substanzen
Im Anschluss an diesen konstruktiven FEI Kongress hat eine FEI-interne Arbeitsgruppe (,List Group‘) in den letzten Wochen eine neue Liste verbotener Substanzen (Equine Prohibited Substance List) für 2011 erarbeitet – die, so die FEI, „sowohl das Wohl des Pferdes als auch faire Wettkampfbedingungen gewährleisten“ soll.
Die Vorschläge der Arbeitsgruppe gehen dahin, zwischen dem Einsatz von NSAID – sprich: bestimmten Schmerzmitteln und Entzündungshemmern – während eines Turniers und dem Einsatz zwischen Turnieren zu unterscheiden. Mit Ausnahme von Salicylsäure (Aspirin) ist die Arbeitsgruppe einstimmig der Meinung gefolgt, dass die derzeit zugänglichen Studien und Forschungsergebnisse keine ausreichende Grundlage bieten, Grenzwerte für die Verwendung von NSAIDs im Wettkampf einzuführen; für Aspirin wird vorgeschlagen, den derzeit geltenden Grenzwert hinaufzusetzen und an andere internationale Reglements anzugleichen. Alle anderen NSAIDs bleiben während des Wettkampfs generell verboten – es soll jedoch mit der neuen Liste möglich sein, bestimmte NSAIDs (insbesondere Phenylbutazon und Flunixin) in niedriger Dosierung zwischen Wettkämpfen zur Behandlung von Pferden einzusetzen. Die verabreichten Substanzen dürfen jedoch beim nächsten Wettkampf weder nachweisbar sein noch die Leistung oder das Wohl des Pferdes beeinflussen.
Generalversammlung muss entscheiden
Die neue Liste der verbotenen Substanzen wurde einstimmig von allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe beschlossen. Einigkeit herrschte auch darüber, dass stets ein Gleichgewicht zwischen notwendigen Ruhephasen und medikamentöser Behandlung bestehen müsse: Die Gesundheit eines Pferdes hänge wesentlich von seiner Haltung und seinem Training ab – und nicht allein vom Effekt einer medikamentösen Behandlung.
Die nächste FEI-Generalversammlung, die von 1.–6. November in Taiwan stattfinden wird, muss nun über die Annahme oder Ablehnung der neuen Liste verbotener Substanzen entscheiden. Sollte die Liste nicht angenommen werden, würde die bestehende des Jahres 2010 ein weiteres Jahr in Gültigkeit bleiben. Und das FEI-Dilemma wäre um ein weiteres Jahr verlängert.
Hier geht's zur offiziellen FEI-Pressemitteilung.
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