Fortschritte bei der genetischen Erforschung des Equinen Sarkoids
Ein Schweizer Forscherteam vom Institut für Pferdemedizin der Universität Bern konnte mit Hilfe eines aufwendigen Genom-Scans jene Chromosomen-Regionen ausfindig machen, die für eine höheren Anfälligkeit für das Equine Sarkoid verantwortlich sind.
Schon länger war bekannt, dass es beim Equinen Sarkoid (ES), einem häufig vorkommenden Hauttumor des Pferdes, offenbar auch eine genetische Komponente gibt, dass es also eine erblich bedingte Empfänglichkeit für diese Tumore bei Pferden gibt – wie diese aber konkret aussieht, wann sie tatsächlich zum Tragen kommt – all das war bislang völlig. Nun haben Schweizer Forscher vom Institut für Pferdemedizin der Universität Bern unter der Leitung von Tierärztin Dr. Vendula Jandova erste Fortschritte erzielt. Sie konnten mit einer Studie die Chromosomen-Regionen, die mit ES gekoppelt sind, erfolgreich lokalisieren können – und sind damit dem Verständnis der Ursache dieser Krankheit einen deutlichen Schritt näher gekommen.
„Unsere Untersuchung ist im Wesentlichen eine Vorstufe für weitere Arbeiten, aber es ist das erste Mal, dass ein Genom-Scan als Ansatz verwendet wird, um das Equine Sarkoid besser zu verstehen.“ sagt Dr. Jandova.
Die Studienobjekte waren 222 Schweizer Warmblüter von zwei Halbgeschwister Hengst-Stämmen. 26 Pferde waren von ES betroffen. Die Forscher haben den Genotyp aller Pferde in dieser Studie mit 315 genetischen Markern festgestellt; mittels einer visuellen Skala wurden die Pferde eingeteilt in: nicht an ES erkrankt/leicht an ES erkrankt/schwer an ES erkrankt.
Durch die Verwendung einer speziellen statistischen Analyse (QTL = quantitative trait locus) konnten die Forscher nun die Chromosomen-Regionen identifizieren, die jene genetische Varianten beinhalten, die zu einer erhöhten Sarkoid-Anfälligkeit beitragen. Vor allem an den Chromosomen 20, 23 und 25 konnten damit signifikante Signale nachgewiesen werden. „Unsere Resultate unterstützen die Hypothese, dass ES eine polygenetische Erkrankung mit genetischem Hintergrund ist.“ so Dr. Jandova. (Anm.: Polygenetisch heißt, dass mehrere Gene an der Ausbildung der Erkrankung beteiligt sind.)
Dr. Jandova wies darauf hin, dass weitere Studien mit noch genaueren genetischen Methoden und an größeren, heterogenen Pferdepopulationen mit einer hohen Häufigkeit von ES notwendig sind, um zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen und um zu verstehen, welche Rolle der Genetik einerseits und den Umwelteinflüssen andererseits bei der Entstehung von Sarkoiden zukommt – und wie sich beide Faktoren wechselseitig beeinflussen.
„Das Langzeit-Ziel dieser Forschung ist es, eine Zuchtstrategie zu entwickeln, um die Verwendung von vermehrt betroffenen bzw. prädisponierten Pferden möglichst gering zu halten und nachteilige Paarungen verhindern zu können,“ so Jandova. „Weiters könnte die genetische Forschung an ES in Zukunft ermöglichen, Pferde zu identifizieren, die ein erhöhtes Risiko für Sarkoide haben – was bei der Prävention oder auch bei Ankaufsuntersuchungen hilfreich sein könnte!“
Die Studie „Whole genome scan identifies several chromosomal regions linked to equine sacroids“, wurde im Jänner 2012 im „Schweizer Archiv für Tierheilkunde“ publiziert.
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