Froschgift für Rennpferde – neue Superdroge im US-Turf erstaunt Dopingjäger
Wie die ,New York Times' berichtet, sind in den letzten Wochen rund 40 Rennpferde positiv auf eine Droge getestet worden, die man aus den Hautdrüsen des südamerikanischen Wakifrosches gewinnt: ihr Spitzname laute ,frog juice' – „Froschsaft“.
Der US-amerikanische Pferderennsport steht seit einer aufsehenerregenden Reportage der ,New York Times' (Pferdplus hat darüber berichtet) in der öffentlichen Kritik: Die renommierte Tageszeitung machte auf gravierende Fehl-Entwicklung im US-Turf aufmerksam und beklagte, dass die Szene in einem Sumpf aus Korruption, Doping und Drogen zu versinken drohe. Nun ist es wieder die ,New York Times', die mit einer neuen Facette des Turf-Geschehens Schlagzeilen macht. Reporter der NYT berichten, dass auf Amerikas Rennbahnen eine neue Superdroge eingesetzt wird – und das in einem derzeit nicht abschätzbaren Umfang. Die Rede ist von ,frog juice‘ („Froschsaft“), einer Droge, die aus den Hautdrüsen des südamerikanischen Makifrosches gewonnen wird und den Wirkstoff Dermorphin enthält. Dermorphin ist eine extrem schmerzstillende Substanz – in der Wirkung rund 30 bis 40 Mal stärker als Morphium – die aber zugleich aufputschend und euphorisierend wirkt. Zudem treten deutlich geringere Gewöhnungseffekte und Abhängigkeiten auf. Die Substanz wurde in den letzten Wochen bei rund 40 Rennpferden nachgewiesen – was auf eine größere Verbreitung in der Szene schließen lässt.
Craig Stevens, Professor für Arzneikunde an der Oklahoma State University, sagt, dass Dermorphin Tiere „aufgedreht“ macht: „Für ein Rennpferd ist die Droge sehr wirkungsvoll – die Pferde spüren keine Schmerzen, haben aber zugleich ein Gefühl von Aufgeregtheit und Euphorie“, so Professor Stevens. Wenn ein Rennpferd keine Schmerzen spürt, läuft es härter und schneller als es ohne Schmerzblocker würde – was über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Mit dem Schmerzmittel könnten sogar verletzte oder angeschlagene Pferde noch Rennen laufen, weil sie keine Schmerzen spüren – aber die Folgen könnten katastrophal sein.
Die Dopingjäger sind von der neuen Wunderdroge verblüfft: „Frog juice – das ist wirklich etwas Exotisches“, meinte Dr. Steven Barker, der ein Testlabor an der Louisiana State University leitet. Dermorphin wurde ursprünglich auf der Haut des südamerikanischen Warzigen Makifrosches (Phyllomedusa sauvagii) entdeckt. Dr. Baker ist sich aber sicher, dass die Droge mittlerweile synthetisch hergestellt wird – anders lässt sich die Vielzahl der positiven Proben nicht erklären. „Es kursiert jede Menge von diesem Zeug in der Szene – da hätte man verdammt viele Frösche melken müssen. Auf der anderen Seite gibt es jede Menge arbeitsloser Chemiker“, so Dr. Barker weiter.
Für Charles A. Gardiner III, Geschäftsführer der Louisiana Racing Commission, kommt die Affäre zur Unzeit: „Die Sache kommt für uns zum schlechtesten Zeitpunkt. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und verlieren immer mehr Anhänger. Viele Fans glauben, dass der Sport schmutzig ist und dass betrogen wird. Und hier haben wir leider einen eindeutigen Versuch zu betrügen.“
Die Liste verbotener Mittel auf dem Turf ist lang – Kobragift wird ebenso zur Leistungssteigerung oder Schmerzstillung eingesetzt wie Substanzen, die man zum Mästen von Vieh und Schweinen verwendet. „Es ist ein Katz- und Maus-Spiel“, gibt auch Edward J. Martin, Präsident des Verbandes ,Racing Commissioners International‘ zu. „Sobald wir einen Wirkstoff entdeckt haben und gezielt danach testen, werden sie etwas anderes finden. Heute ist es Dermorphin, morgen ein anderes Zeug, es ist ein täglicher Kampf.“ Mittlerweile wurde ein spezieller Test zum besseren und einfacheren Nachweis von Dermorphin entwickelt – es herrscht somit derzeit Waffengleichheit, was diese Substanz betrifft. Aber wohl nur für einen kurzen Moment …
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