Gärheu für Pferde – so geht’s richtig
Die Produktion von Gärheu ist knifflig und eine Sache für Profis. Wie’s richtig geht und was dabei zu beachten ist, erklärt Univ.-Doz. Dr. Karl Buchgraber vom LFZ Raumberg-Gumpenstein.
Zweifellos ist das Grundfutter für Pferde wohl Heu, es ist ernährungsphysiologisch aufgrund der Struktur ideal. Wie in Pferdplus 6/2010 beschrieben, ist die Futterqualität (Staub, Geruch, Inhaltsstoffe usw.) bei diesem traditionellen Futter aber nicht immer „artgerecht“. Der erste Aufwuchs auf den Wiesen sollte auch künftig zu Heu – freilich in verbesserter Qualität – gemacht werden. Der Folgeaufwuchs könnte allerdings gerade für Pferde zu Gärheu konserviert werden – vorausgesetzt, man macht es richtig.
Was ist Gärheu?
Die Einlagerungsfeuchte liegt beim Gärheu bei 20 bis 50 % Wassergehalt. Es wird auf über 50 % Trockenmasse angewelkt – durch das Pressen und luftdichtes Verschließen entsteht nur eine geringe Gärphase und die Ansäuerung ist nicht so stark, wie bei der Silage – aber es besteht die Gefahr der Fehlgärung (Schimmel, Hefepilze). Nur wer die Silierung bestens beherrscht, ist in der Lage, Gärheu zu produzieren. Wenn der erste stängelreichere Aufwuchs dafür vorgesehen ist, so muss unbedingt beim Ähren-/Rispenschieben gemäht (5 bis 7 cm) werden. Die blattreicheren Folgeaufwüchse sind noch zur Blüte der Leitgräser für Gärheu geeignet. Stängelreiche Partien spät gemähten Futters sind nicht geeignet – zu viel Luft würde eintreten und es verdirbt.
Was spricht für Gärheu?
Gärheu kann in wesentlich kürzerer Zeit produziert werden als Bodenheu und der Stängel-/Blattanteil verändert sich zum Pflanzenbestand nicht wesentlich. Während bei Bodenheu hier massive Verluste auftreten können. Bei schlechter Anwelkung tritt bei Grassilage meist Buttersäure (Clostridien) auf, bei Gärheu besteht diesbezüglich wenig Gefahr, hingegen könnten bei unsachgemäßer Verdichtung Schimmel- und Hefepilze auftreten. Gärheu weist eine deutlich bessere Strukturwirksamkeit auf als Grassilage, allerdings nicht ganz so gut wie bei Heu. Aber gerade diese große Strukturwirksamkeit, sowie wertvolle Inhaltsstoffe bei einer geringen Staubbelastung und niedrigem Säurewert macht Gärheu zu einem idealen Futter für Pferde.
Fazit für die Praxis
Gärheu sieht aus wie Heu bzw. Grummet, jedoch im Griff spürt man die höhere Feuchtigkeit. Es riecht nicht wie Silage aber auch nicht wie Heu – Gärheu hat eine eigene Charakteristik. Erfahrene Gärheubauern warten beim Pressen bis in die Nachtstunden, wo das relativ trockene Futter leicht mit Tauwasser anzieht und sich so besser verdichten lässt. Wer künftig wegen der Vorteile häufiger Gärheu produzieren will, muss profimäßig vorgehen. Einige Praktiker in Österreich – vornehmlich mit Ballensilage – haben bereits mit bestem Erfolg auf Gärheu umgestellt. Pferde gehen besonders gerne auf qualitatives Gärheu.
Das wichtigste für die Produktion von Gärheu ist rechzeitig mähen (blattreich), bestens verdichten (höchste Einstellung des Pressdruckes) und sechslagig wickeln. Bei der Produktion von Gärheu werden Bakterienpräparate kaum wirksam.
Die komplette Geschichte finden Sie in Pferdplus 7/2010
Autor: Univ.-Doz. Dr. Karl Buchgraber
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