Haflinger – Allrounder oder Spezialist

Der zunehmende sportliche Einsatz von Haflingern stellt die Zucht zusehends vor ein Dilemma: Der Markt verlangt immer vehementer nach Dressur-, Western- oder Fahr-Spezialisten – dabei ist der Haflinger eigentlich das Universalpferd par excellence.

Ihre vielseitige Verwendbarkeit war stets die größte Stärke der Haflingerrasse. Ob als treues Saumpferd, vor dem Pflug oder Heuwagen, bei der Holzarbeit im Wald, als Tragtier beim Bundesheer oder, wie heute meist, als Reit- und Fahrpferd für den Turnier- und Freizeitreiter: der Haflinger konnte im Grunde alles und ließ sich dazu noch durch nichts leicht aus der Ruhe bringen. Charakterstärke, Genügsamkeit und Leichtfuttrigkeit waren wesentliche Parameter, die sich aus dem Zuchtziel eines Universalpferdes geradezu zwangsläufig ergaben. Kaum eine Pferderasse schien als Familienpferd so gut geeignet wie der Haflinger. Er war ein Alleskönner – und wenn er nicht mehr im Parcours oder Viereck eingesetzt wurde, konnte man mit ihm immer noch fahren oder ausreiten.

Vielseitigkeit in Gefahr?
In den letzten Jahren hat sich die Haflingerzucht schon wesentlich verändert. Die Umzüchtung auf ein etwas größeres Modell, mehr im Sporttyp stehend und mit raumgreifenden und schwungvollen Bewegungen, wird angestrebt. Wenn sich die Haflingerzucht weiter in die Richtung entwickelt, wie es die Warmblutzucht seit Jahrzehnten tut, werden die einzigartigen Allround-Qualitäten des Haflingers schon bald verlorengehen. Die Nachfrage nach geeigneten und talentierten Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitspferden hat zu dem hohen Spezialisierungsgrad in der Zucht geführt. Schließlich sucht der Reiter auch Pferde, mit denen er in seiner Disziplin konkurrenzfähig ist. „Ähnliches könnte auch der Haflingerzucht blühen“, so ARGE Obmann Karl Lankmaier.

Angebot und Nachfrage
Ist das alles tatsächlich so wünschenswert für den Haflinger? Zuchtexperten sehen die Entwicklung durchaus mit Besorgnis. Wie überall bestimmen auch in der Haflingerzucht Angebot und Nachfrage den Markt. In den letzten Jahren hatte die Haflingerrasse durchaus mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen und viele Pferde ließen sich kaum mehr zu akzeptablen Preisen verkaufen. Dabei ist ein Zusatzstempel, z. B. „Dressur“-, oder „Western“-Haflinger“ durchaus hilfreich beim Verkauf. Aber ist das auch langfristig der richtige Weg? Da tauchen immer öfter Zweifel auf. Gerade seine Allround-Qualitäten haben den Charakter und das Temperament des Haflingers geprägt. Genauso sieht es die erfolgreiche, bayrische Dressurreiterin Stefanie Beyschlag: „Das macht den Haflinger aus, seine Bereitschaft alles zu geben, wenn es sein muss, ganz egal in welchem Bereich und das sollte auch so bleiben, dafür ist diese Rasse gezüchtet worden.“
Man wird sehen, welche Veränderungen kommen, jedoch bleibt zu sagen, dass der Haflinger, mit seinem einmaligen Charakter, ohne Zweifel unverändert bleiben sollte.

Mehr rund um den Haflinger finden Sie bei uns online (siehe Zucht: Haflinger Blutlinien).

Volltext in Pferdplus 01+02/2010
Autor: Barbara Frisch

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