Headshaking beim Pferd: Starke Gesichtsschmerzen könnten Auslöser sein
Der britische Wissenschaftler Derek C. Knottenbelt forscht seit Jahren nach den Ursachen des gefürchteten Headshakings beim Pferd. Ähnlich wie beim Menschen könnten starke Gesichtsschmerzen der Auslöser des Syndroms sein.
Professor Derek C. Knottenbelt gilt als einer der führenden Experten in Sachen Headshaking und beschäftigt sich bereits seit den 90er Jahren mit diesem Syndrom. Im Rahmen des National Equine Forum am 8. März in Westminster hielt er einen Vortrag unter dem Titel „Headshaking – an alternative hypothesis“ – in dem er vor Augen führte, wie ernsthaft und dramatisch die Folgen von Headshaking bei Pferden sein können. Headshaking sei keine lästige Verhaltensauffälligkeit, sondern eine in vielen Fällen schwere neurologische Störung, die die Lebensqualität von Pferden nachhaltig beeinträchtige, so Knottenbelt.
Auch wenn die Symptome und der Verlauf der Erkrankung sehr unterschiedlich sein können, so gebe es einen hohen Prozentsatz von Fällen, in denen Headshaking besonders stark während der Arbeit mit dem Pferd oder bei bestimmten Umweltbedingungen auftritt. Bei einigen Pferden verschlimmert sich das Headshaking bei starkem Licht, bei anderen wenn es regnet, wenn es warm, kalt, windig, staubig oder feucht ist. Jedenfalls scheint das erste Auftreten von Headshaking meist an bestimmte saisonale oder Umwelt-Faktoren gebunden zu sein, was letztlich auf eine allergische Erkrankung ähnlich wie der Heuschnupfen beim Menschen hindeutet.
In jüngster Zeit seien mehrere Fälle beobachtet worden, bei denen Pferde versuchten, ihre Nasenlöcher zu verschließen – als ob sie dadurch das Einströmen von Luft und einen damit verbundenen starken Schmerz vermeiden wollten. Prof. Knottenbelt zeigte Videos von Pferden, die vor Schmerzen nicht mehr in der Lage waren, ihr Heu zu fressen und schon bei der kleinsten Berührung eines Halmes mit dem Maul zurückzuckten. Prof. Knottenbelt wies darauf hin, dass auffallende Ähnlichkeiten zum Krankheitsbild der Trigeminusneuralgie beim Menschen bestehen – eine spezifische Form von sehr starkem Gesichtsschmerz, der häufig Folge eines Entzündungsprozesses ist, z. B. bei Multipler Sklerose, Hirntumor etc. Die Patienten leiden dabei unter den stärksten vorstellbaren Schmerzen, die Suizidrate ist bei Betroffenen deutlich erhöht. Prof. Knottenbelt: „Wenn wir annehmen, dass dieser Zustand die selben Ursachen und Entstehungsprozesse hat wie beim Menschen – was derzeit natürlich noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen, aber nicht auszuschließen ist – dann müssen wir davon ausgehen, dass viele Pferde lieber sterben würden, wenn sie die Wahl hätten.“
In jüngster Zeit wurde auch der Einsatz von Nervenblockern sowie eine partielle Kompression der Nervenwurzel getestet, um die Reizübertragung zu reduzieren. Hier gibt es erste Erfolge - insbesondere der Oberkieferast des Nervus trigeminus scheint eine Schlüsselrolle zu spielen. Die anatomischen Unterschiede des Pferdes machen es aber meist unmöglich, die Therapieansätze aus der Humanmedizin einfach zu übernehmen. Nervenblocker wie Carbamazepin – und im geringeren Ausmaß auch Hydroxyzin – scheinen jedoch neue Behandlungsmöglichkeiten zu bieten, die man weiter verfolgen und testen muss. Derzeit ist es nach wie vor am effektivsten, die Auslöser der Erkrankung – soweit diese identifizierbar sind – durch eine Umstellung der Haltung, des Managements, der Arbeit oder durch Hilfsmittel wie Fliegenschutz etc. möglichst auszuschalten bzw. zu minimieren.
Prof. Knottenbelt abschließend: „Wir sind weit davon entfernt, das Headshaking-Syndrom und seine mögliche Verwandtschaft zu anderen neurologischen Erkrankungen zu verstehen. Dennoch müssen wir uns bewusst sein, dass Headshaking das Wohlbefinden des Pferdes enorm beeinträchtigt – und dass weitere Forschungen höchste Priorität haben müssen. Wir müssen aber zugeben, dass wir rascher vorankommen würden, wenn die Pferde mit uns reden könnten und uns genau sagen könnten, wo es ihnen wehtut.“
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