Hufrehe-Behandlung: Einweichen von Heu nützt wenig

Das Einweichen von Heu führt zu keiner ausreichenden Verringerung der WSC-Konzentration, so die Studie. Foto: Archiv

Das Einweichen von Heu galt bislang als sinnvolle Maßnahme bei der Fütterung von reheerkrankten oder rehegefährdeten Pferden. Britische Forscher wiesen nun jedoch nach, dass das Einweichen die Konzentration wasserlöslicher Kohlehydrate im Heu nicht entscheidend verringert.

 

Die überhöhte Aufnahme von bestimmten Kohlehydraten (insbesondere Zucker, Stärke und v. a. Fructanen) – etwa durch zuviel Kraftfutter oder Weidegang – gilt als eine der Hauptursachen für das Entstehen von Hufrehe. Eine reduzierte Aufnahme von Kohlehydraten ist daher auch ein wichtiger Teil bei der Behandlung und Prävention von Hufrehe. Für die meisten Pferdebesitzer heißt das, den Koppelgang des Pferdes einzuschränken und stattdessen Heu zu füttern.

Experten sind der Meinung, dass Pferden, die gefährdet sind an Hufrehe oder einer Insulinresistenz zu erkranken, im Idealfall Heu gefüttert werden soll, das eine Konzentration wasserlöslicher Kohlehydrate (WSC – water soluble carbohydrates) von 100g/kg im trockenen Zustand nicht übersteigt.

In Nordeuropa kommt es im Heu jedoch zu Werten bis 200g/kg, bedingt durch die hohen WSC-Konzentrationen im Gras. Oftmals wird daher empfohlen, das Heu für Rehe-gefährdete Pferde einzuweichen, um den Gehalt an wasserlöslichen Kohlehydraten zu verringern. In Studien, die diese Ansicht unterstützten, wurde jedoch häufig eine sehr große Menge an Wasser verwendet und das Heu vor dem Einweichen gehäckselt. Besitzer betreiben meist keinen derartigen Aufwand. Womit sich die Frage stellt: Welchen Effekt hat eingeweichtes Heu in der Alltagspraxis?

Dieser Frage sind die britischen Forscher Dr. Annette Longland, Clare Barefoot und Dr. Pat Harris nachgegangen. Sie untersuchten, ob das Einweichen in praxisüblichem Ausmaß einen Effekt auf die wasserlöslichen Kohlehydrate verschiedener Heusorten hat. Überprüft wurde dabei der Rückgang sowohl der wasserlöslichen Kohlehydrate als auch der Rohproteine in verschiedenen, britischen Heusorten, die entweder aufgeschüttelt oder im ganzen Ballen in genügend Wasser unterschiedlich lange eingeweicht wurden.

Die Autoren kamen zu dem überraschenden Ergebnis, dass Einweichen bis zu 16 Stunden zu keinem nennenswerten Rückgang der wasserlöslichen Kohlenhydrate führt. Wie erwartet kam es zwar zu einem signifikanten Rückgang nach 20 Minuten, der mit der Zeit stärker wurde, aber unabhängig von der Dauer und der Form des eingeweichten Heus (aufgeschüttelt oder in Ballen belassen) blieben die meisten Werte über dem empfohlenen Grenzwert von 100g/kg.

Sie folgerten daraus, dass das Einweichen von Heu mit hoher WSC-Konzentration keine wirksame Maßnahme ist, um es für die Fütterung rehekranker Pferde verwenden zu können. Das Heu muss hinsichtlich seines Gehalts an wasserlöslichen Kohlehydraten analysiert werden und darf nur gefüttert werden, wenn es geringe WSC-Konzentrationen aufweist. Einweichen ist jedoch als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme (z. B. zur Reduktion von Staub) durchaus sinnvoll.

 

Effects of soaking on the water-soluble carbohydrate and crude protein content of hay. AC Longland, C Barfoot, PA Harris.
Vet Record (2011) 168, 618
doi: 10.1136/vr.d157.

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