Kampfabstimmung bei der FEI-Generalversammlung
Von 1.–6. November findet in Taipeh die Generalversammlung der FEI statt, bei der es zu einem Dreikampf um das Präsidentenamt kommen wird: Neben Prinzessin Haya treten auch noch Sven Holmberg und Henk Rottinghuis an.
Einen derartigen Showdown hat man in der Internationalen Reiterlichen Vereinigung nie zuvor erlebt: Erstmals sieht sich eine amtierende FEI-Präsidentin, die ihre Wiederwahl anstrebt, gleich mit zwei Herausforderern konfrontiert – ein einmaliger Vorgang in der bald 80-jährigen Geschichte der FEI.
Besonders schmerzlich für Prinzessin Haya ist der Umstand, dass einer der beiden Gegenkandidaten ihr aktueller FEI-Vizepräsident und Vorsitzender des Spring-Komitees, der Schwede Sven Holmberg, ist. Er genießt in weiten Kreisen der FEI hohes Ansehen und ist jedenfalls ein ernst zu nehmender Gegner. Doch auch der andere – Henk Rottinghuis – ist ein gestandener, langjähriger Reitsport-Funktionär, der von 1999 bis 2004 Vizepräsident der Niederländischen FN sowie von 2009 bis Mai 2010 Mitglied des FEI-Prüfungsausschusses (Audit and Compliance Committee) war.
Was zwei so erfahrene und renommierte Pferdesport-Funktionäre antreibt, gegen die amtierende Präsidentin in den Ring zu steigen, lässt sich anhand einiger Äußerungen erahnen: ein autokratischer Führungsstil, zu wenig Kommunikation mit den gewählten FEI-Organen – und oft schlecht vorbereitete und nicht ausdiskutierte Entscheidungen wie etwa im Falle der ,Progressive List', die zu einem Image-Debakel für die FEI wurde. Darauf angesprochen, warum er denn als Vizepräsident nicht Einfluss auf bestimmte Entscheidungen genommen hat, erwiderte Sven Holmberg im Pferdplus-Interview: „Das lag daran, dass sich das Executive Board zwei Jahre lang nicht getroffen hatte und Prinzessin Haya Entscheidungen vorbei am Executive Board und am FEI Bureau gefällt hat. Prinzessin Haya hat ihre eigenen, persönlichen Komitees vorbei am Executive Board und dem FEI Bureau eingesetzt. Das ist ohne mein Einverständnis geschehen. Ich vertrete die Auffassung, dass auch die FEI-Präsidentin oder der FEI-Präsident die gewählten Gremien achten und mit ihnen zusammenarbeiten muss, auch, wenn sie eine andere Meinung als der FEI-Präsident vertreten. Das ist die Grundlage jedes Demokratieverständnisses. Der Grund, warum wir Hayas Vorgehensweise nicht verhindern konnten, war, dass sie ihre Schritte erst gar nicht im Executive Board oder im FEI-Bureau zur Diskussion gebracht hat, so hatten wir auch keine Möglichkeit, ihre Entscheidungen zu beeinflussen."
Genau so wäre, so Holmberg weiter, auch die unglückselige ,Progressive List' zustande gekommen, die bekanntlich bei der FEI-Generalversammlung 2009 mit Billigung der Präsidentin beschlossen, danach aber wieder ausgesetzt werden musste – und nun in verändertern Form in Taipeh neuerlich auf der Tagesordnung steht.
Auch wenn die Unzufriedenheit – insbesondere bei den europäischen Federationen – mit Prinzessin Hayas Amtsführung groß ist, wird die Präsidentenwahl am 5. November in Taipeh eine überaus spannende Sache. Denn die FEI ist ein riesiger Verband, stimmberechtigt sind Delegierte aus über 130 Mitgliedsnationen – und nicht alle sind der Meinung der Europäer. So dürfte Haya vor allem bei den Federationen aus Asien und Afrika ein deutliches Übergewicht haben – der Wahlausgang ist auch nach Insider-Aussagen daher völlig offen.
Lt. FEI-Statuten wäre in den ersten beiden Wahlgängen eine Zwei-Drittel-Mehrheit für den Sieger erforderlich. Sollte keiner die nötige Mehrheit erhalten, reicht ab dem dritten Wahlgang die einfache Mehrheit. Wenn diese wieder von keinem der Kandidaten erreicht wird, wird derjenige mit der geringsten Stimmenzahl von der Wahlliste gestrichen – solange, bis nur noch zwei Kandidaten übrigbleiben und eine einfache Mehrheit entscheidet.
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