KOMMENTAR: Die Pferdeprofis – Auftakt mit Licht und Schatten
Die erste Folge der neuen Serie „Die Pferdeprofis“ auf Vox bot kurzweilige und professionelle Fernsehunterhaltung – doch so mancher wirkliche ,Pferdeprofi’ war vom Gezeigten eher enttäuscht.
„Die Pferdeprofis“ waren vom Sender Vox nach dem Vorbild des höchst erfolgreichen „Hundeprofis“ Martin Rütter inszeniert und im Vorfeld auch intensiv beworben worden. Horsemanship-Trainer Bernd Hackl und Pferdetrainerin Sandra Schneider sollten in die Fußstapfen des Hundetrainers treten und überforderten Pferdebesitzern bei der Erziehung ihrer Problempferde mit Rat und Tat zur Seite stehen. Zwei Problemfälle standen im Zentrum der ersten Show am Samstag, den 11. Februar – nämlich die vier Jahre alte Stute Astrea, die hartnäckig jede Hufbehandlung verweigert und stets sediert werden muss, wenn der Hufschmied kommt. Problemfall zwei ist der sechsjährige Hengst Henry, der ein klares Rangordnungsproblem hat, aggressives Verhalten gegenüber Artgenossen und Menschen zeigt und den Vater seiner Besitzerin bereits schwer verletzt hat.
Auch wenn beide Pferdeprofis mit sichtlicher Routine an ihre Problempferde herangegangen sind und in ihrer Arbeit auch durchaus Erfolge verbuchen konnten, hinterließ dieser erste Teil der Coaching-Doku einen schalen Beigeschmack: Die angerührte Suppe blieb für den engagierten Pferdefreund ein wenig dünn – statt der erwarteten Tipps zum Umgang mit dem Pferd bekam der Zuschauer meist nur dürftige Einblicke in die Arbeit der Pferdeprofis, zusätzliche Erklärungen zum Verhalten oder der Körpersprache sowohl der Pferde als auch der Pferdeprofis blieben beinahe zur Gänze aus. Das, was den ,Hundeprofi’ Martin Rütter so auszeichnet – dass er nämlich durch eingehende Erklärungen sowohl die Tierbesitzer als auch die Zuschauer ,mitnehmen’ und an seinem Wissen teilhaben lassen kann – blieb weitgehend auf der Strecke. Die Pferdebesitzer wurden in den Korrekturprozess fast nicht einbezogen und konnten dadurch ihre früheren Fehler nicht wirklich erkennen und ausbessern. Langfristige Erfolge sind daher stark anzuzweifeln, ein gefahrloses und richtiges Nachahmen für den Zuschauer zu Hause ist wahrscheinlich ebenso wenig möglich.
Die Verantwortlichen sollten sich in jedem Fall Gedanken zu ihrem Konzept machen, da es für jeden Pferdemenschen außer Frage steht, dass in 50 Minuten Sendezeit die Arbeit mit einem Problempferd, geschweige denn mit zwei Pferden, nicht ausreichend dargestellt werden kann. Die Auswahl der „Problemfälle“ war für so manchen ebenfalls sehr schockierend. Wie kann ein Pferd vier Jahre lang sediert werden, bevor es Elemente der „Fohlenschule“ gelernt bekommt, die für jeden Besitzer tagtäglich unerlässlich sind? Last but not least lässt die Sendung auch in punkto Sicherheit zu wünschen übrig: Ohne Handschuhe zu arbeiten und dann nicht nur selber ohne Helm auf einen unerzogenen Hengst zu steigen, sondern auch noch die sichtlich unerfahrene Besitzerin so aufs Pferd zu lassen, spricht nicht gerade für einen verantwortungsbewussten Umgang... Selbst ein Monty Roberts lässt keinen Reiter ohne Helm aufs Pferd – und ohne Handschuhe betritt er auch keinen Roundpen. Manches in der Doku grenzte an Fahrlässigkeit – und hätte auch leicht böse enden können. Aber das schien man offenbar für spektakuläre Bilder in Kauf zu nehmen.... Den Sendungsmachern würden wir den Tipp geben: Weniger auf Action und Quote schielen, dafür mehr auf Qualität und Informationswert achten – so wie’s der ,Hundeprofi’ vorzeigt.....
Wer die Sendung versäumt hat, kann sie sich hier ansehen – Teil 2 der ,Pferdeprofis’ gibt’s am Samstag, den 18. Februar, um 19.10 Uhr auf VOX.
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News
VOX - Die Pferdeprofis
Das in der Sendung gezeigte Vorgehen wird leider dazu beitragen, dass sich viele "Dumpfnasen" wieder in ihrem Verhalten gegenüber Pferden bestätigt fühlen. Mir tun die unzähligen Pferde leid.
Der deutsche Trainer und Horseman Heinz Welz: "Wenn wir nicht lernen, die Natur des Pferdes zu verstehen dann können wir sie entweder nur mit Gewalt beherrschen und sie im schlimmsten Fall zerstören. Oder wir werden beherrscht. In der Regel aber wird es ein labiles Gleichgewicht des Schreckens sein, mit viel Frust und Unverständnis."