KOMMENTAR: Kultur- oder Lebensministerium – wohin soll die Hofreitschule?
Ist die Spanische Hofreitschule ein Kulturinstitut, das besser ins Kulturministerium passt – oder landwirtschaftlicher Pferdebetrieb, der ins Lebenssministerium gehört? Ein KOMMENTAR.
Die Debatte brachte – wieder einmal – der umtriebige ,Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule‘ ins Rollen: Dieser schlug vor, Landwirtschaftsminister Berlakovich möge die Spanische Hofreitschule an das Ressort von Bildungs- und Kulturministerin Dr. Claudia Schmied übergeben – und verlieh dieser Forderung vor kurzem auch in einem Offenen Brief (siehe Anhang unten) an Minister Berlakovich Nachdruck. Zentrales Argument: Die Spanische Hofreitschule sei eine weltweit einzigartige Kulturinstitution – und wäre an der Seite von Burgtheater, Staatsoper und Kunsthistorischem Museum erheblich besser und sinnvoller aufgehoben als in der Sektion III (,Landwirtschaft und Ernährung') des Lebensministeriums. Während dieses mit seiner Strategie, die Spanische müsse ausgeglichen bilanzieren, Schiffbruch erlitten habe und dafür sogar den eigentlichen Zweck des Instituts – die Erhaltung der Reitkunst in ihrer klassischen Form – gefährde, wäre im Kulturministerium das Verständnis vorhanden, dass kulturelle Einrichtungen unterstützt und subventioniert werden müssen, um ihrem Auftrag nachkommen zu können. Diese Einsicht sei im Kulturministerium täglich gelebte Realität – daher sei dieses in der Lage, „kulturelle Einrichtungen über den bloßen kurzfristigen Gewinn hinaus, zu betreuen und zu erhalten, da dort das Verständnis für Kulturschätze und deren durchaus auch wirtschaftliche Bedeutung im Sinne der Umwegrentabilität Voraussetzung ist.“ (Zitat aus dem Offenen Brief).
Der Vorschlag hat in der Tat einige Schönheiten – und würde inhaltlich zweifellos Sinn machen. Auch Ministerin Schmied begrüßte den Vorstoß: Die Zustimmung von Landwirtschaftsminister Berlakovich vorausgesetzt, wäre sie sofort zur Übernahme bereit, da ihrer Ansicht nach die Hofreitschule gut in die Wiener Kunstmeile passen würde; zudem stünden Reitschule und Bundesgestüt Piber auf der Liste des immateriellen Weltkulturerbes.
Das ,Nein‘ aus dem Landwirtschaftsministerium kam umgehend: Die Kompetenzverschiebung komme nicht in Frage, man trage die Zuchtverantwortung für alle Tierarten in Österreich, daher seien auch die Spanische und Piber eindeutig diesem Ressort zuzurechnen.
Damit dürfte die politische Debatte auch schon wieder beendet sein – nachdem sowohl SPÖ und ÖVP kein Interesse daran haben, aufgrund der Spanischen Hofreitschule eine Koalitionsdebatte vom Zaun zu brechen. Frühestens nach der nächsten Nationalratswahl 2013 könnte das Thema wieder auf die Tagesordnung kommen. Womit wieder einmal eine an sich gute Idee auf die lange Bank geschoben wird – oder sogar ganz in der Schublade verschwindet.
PS: Die Übernahme der Hofreitschule und der Lipizzaner ins Landwirtschaftsministerium erfolgte übrigens auf typisch österreichische Weise – wie eine kleine Anekdote verdeutlicht. Nach Konstituierung der Ersten Republik wollte buchstäblich niemand die Hofreitschule haben – das Unterrichtsministerium lehnte damals ebenso ab wie das Heeresministerium, dem die Spanische unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs eingegliedert worden war. So soll der damalige Landwirtschaftsminister Josef Stöckler in einer hitzigen Ministerratssitzung 1920 den legendären Satz gesagt haben: „Na, wenn die Schimmerln gar niemand will, so nehm ich sie halt…“ So kamen die Lipizzaner ins Landwirtschaftsministerium….
Was meinen Sie: Soll die Spanische Hofreitschule ins Kulturministerium übersiedeln? Machen Sie mit bei unserer Umfrage!
| Anhang | Größe |
|---|---|
| offener_brief-freundeskreis.pdf | 157.71 KB |
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Spanische Hofreitschule
Dass es soweit kommen konnte ist mir unerklaerlich. Ich glaube es ist wirklich an der Zeit die Ministerien munter zu ruetteln. Bringt die Hengst in die Kultur!!! Jeder unterklassige Schauspieler in Wien bekommt Subventionen, umso verdienter haben sich die Lippizzaner gemacht. Ich plaediere fuer "Umverteilung" der Subventions Millionen an eine wuerdige Investition wie die Spanische Hofreitschule - jedoch unter komplett neuer Fuehrung.