Lars Nieberg: „Zusammenhalt ist in Deutschland stärker“

Pferdplus traf Springreiter Lars Nieberg zum Interview. Archivfoto: Julia Rau

Pferdplus traf den zweifachen Mannschafts-Olympiasieger und Mannschafts-Weltmeister Lars Nieberg beim Springturnier in Wr. Neustadt zum Interview. Was für ihn das Erfolgsgeheimnis der deutschen Springreiter ist und was aus seiner Sicht in Österreich nicht optimal läuft, können Sie hier nachlesen!

Pferdplus: Nach Ihrem Erfolg im Frühjahr sind sie nun schon zum zweiten Mal in Österreich. Kommt Österreich nun öfter in Ihrer Turnierplanung vor?

Lars Nieberg: Ich komme gerne nach Österreich, weil hier gute Möglichkeiten geboten werden. Und ich brauche auch öfter 2*-Turniere, um meine jungen Pferde aufzubauen oder Pferde, die außer Gefecht waren, wieder in den Sport zu bringen. Aber ich werde auch nächstes Wochenende  in Salzburg an den Start gehen, möglicherweise komme ich im nächsten Jahr auch nach Treffen. Ich komme also gerne nach Österreich, nicht nur zum Schifahren, sondern auch zum Reiten!

Pferdplus: Wie schauen Ihre Pläne und Ziele generell für das nächste Jahr aus?

Nieberg: Mein Ziel sind natürlich die Olympischen Spiele, obwohl das im Moment ein bisschen vermessen ist, davon zu sprechen. Ich habe ein paar Pferde im Stall, die im Moment noch nicht so im Fokus stehen, aber wo ich das Gefühl habe, dass sie das Potenzial dafür haben. Es ist ja noch ein gutes, halbes Jahr bis dahin. Das Ziel habe ich und ich arbeite darauf hin. Wir werden sehen, ob es am Ende reicht.

Pferdplus: Der tragische Tod von Hickstead hat international für viel Aufsehen gesorgt. Für viele hat es den Anschein, als würden solche Todesfälle in der letzten Zeit vermehrt auftreten. Haben Sie diesen Eindruck auch?

Nieberg: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich war selber leider auch schon zwei Mal dabei, wo so etwas passiert ist, das ist allerdings schon zehn bis fünfzehn Jahre her. Sowas kann natürlich passieren, wenn das Pferd irgendwo eine Schwäche hat und das vorher nicht auffällt. Es ist natürlich gerade bei einem so prominenten Pferd und vor laufender Kamera sehr tragisch.

Pferdplus: Dieser Vorfall hat natürlich auch Diskussionen angefacht, ob die Belastungen für Sportpferde auf diesem Niveau zu groß sind. Wie schätzen Sie das ein – haben Leistungspferde heute mehr Druck als noch vor einigen Jahren?

Lars Nieberg: Das sehe ich nicht so. Ich denke, es läuft alles immer professioneller ab. Die Pferde werden top betreut, auch tierärztlich. Man muss natürlich mit den Kräften der Pferde haushalten, das ist völlig klar. Aber ich denke, gerade so ein Pferd wie Hickstead ist immer sehr gezielt eingesetzt worden. Wenn ein solches Pferd bei Top-Veranstaltungen stets präsent ist und noch dazu oft gewinnt, bekommen viele den Eindruck, dass das Pferd extrem häufig eingesetzt wird, obwohl das gar nicht so ist. Ich kenne das von früher mit For Pleasure, der im Jahr nur zwölf bis vierzehn Turnier gegangen ist, dabei aber immer erfolgreich war. Ich denke, dass das bei Hickstead ähnlich war.

Pferdplus: Was ist der Grund, dass Deutschland im Vergleich zu Österreich im Pferdesport so viel erfolgreicher ist? Was ist das Erfolgsrezept?

Lars Nieberg: Das ist schwer zu sagen. Deutschland ist ja von je her ein Pferdeland und ein Zuchtland und ist natürlich größer als Österreich. In Deutschland gibt es ein klares Ausbildungssystem und klare Strukturen. Wenn ich mich in Österreich ein bisschen umhöre, habe ich das Gefühl, dass sich viele schon untereinander nicht einig sind, dass wenig Führungsstruktur da ist. Ich weiß natürlich nicht, ob ich damit jetzt wirklich richtig liege. Ich habe auch immer so ein bisschen das Gefühl, dass keiner dem anderen etwas gönnt. Bei uns ist das so: Wir sind auch Konkurrenten und jeder will gewinnen, aber wir tauschen uns untereinander aus. Ob das jetzt Markus oder Ludger Beerbaum oder Marcus Ehning ist, ist egal. Wenn man ein Problem hat, bespricht man das und jeder versucht, dem anderen einen Tipp zu geben. Ich denke, der Zusammenhalt ist stärker. In Österreich hat man das Gefühl, jeder macht so ein bisschen sein eigenes Ding und hoffentlich bekommt keiner was davon mit. Ich glaube, nur gemeinsam kann man sich was aufbauen – und nur gemeinsam ist man stark.

Pferdplus: Halten Sie selber auch Kurse in Deutschland oder dem Ausland, bleibt dafür noch Zeit?

Lars Nieberg: Ganz wenig. Ich bin fast jedes Wochenende auf dem Turnier und habe den Betrieb, da bleibt fast keine Zeit. Ich mache ein bis zwei Lehrgänge im Jahr, vielleicht auch mal drei, aber das ist zeitlich ganz schwer, da die meisten Lehrgänge für die Wochenenden gewünscht sind.

Pferdplus: Würde Sie eventuell auch später Jugendarbeit reizen?

Lars Nieberg: Ja, ich denke schon! Im Moment fühle ich mich noch fit zum Reiten. Aber irgendwann, ich sag mal so mit Mitte Fünfzig, wird das vielleicht weniger und dann muss man mal schauen. Aber das ist eigentlich was, was ich mir so ein bisschen fürs Alter aufheben möchte.

Pferdplus: Viele gute Reiter schlagen nach Ihrer Karriere eine Trainerlaufbahn an, um ihre Erfahrung weiter zu geben. Streben Sie das auch an.

Lars Nieberg: Das machen einige und das ist auch sehr gut so. Der Bedarf ist sehr groß. Das sehe ich auch selber, wie viele Leute anrufen und nach Lehrgängen fragen, der Markt dafür ist da. Natürlich ist es auch nicht immer einfach und es steckt viel Arbeit dahinter, aber ich kann mir das auch für mich vorstellen.

Pferdplus: Man kennt ja aus Erzählungen, dass die deutschen Profis gerne die Möglichkeit wahrnehmen, sich in Warendorf auszutauschen und auch dort zu trainieren. Ist das bei Ihnen auch so?

Lars Nieberg: Auf meinem Level ist man dann nicht mehr so viel in Warendorf, aber wenn man was vor hat oder ein Championat steht an oder Weltcupfinale oder so, dann kommen wir alle nochmal zusammen und trainieren gemeinsam. In Warendorf werden auch ständig Lehrgänge angeboten, was aber auch eine Zeitfrage ist. Aber ich lass mir auch gerne noch etwas sagen und wir tauschen uns untereinander und mit den Bundestrainern aus. Da kommen dann meistens sehr gute Dinge dabei raus!

Pferdplus: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Das Interview mit Lars Nieberg führte Pferdplus-Redakteurin Anna Mogeritsch.

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