Machtspiele in der FEI: Tribunal entscheidet gegen den Int. Dressage Riders Club
Der Internationale Dressurreiter-Club (IDRC) ist zwar mit einem Repräsentanten im FEI-Dressurkomitee vertreten – darf diesen aber nicht selbst wählen. Diese kuriose Entscheidung traf das FEI-Tribunal. Im Klartext: In Zukunft werden nur noch der FEI genehme Personen im FEI-Dressurkomitee zu finden sein. Ein KOMMENTAR von Birgit Popp.
Anders als es bisher über Jahrzehnte gehandhabt wurde, hat der International Dressage Riders Club (IDRC) nicht mehr das alleinige Recht einen Vertreter für das FEI-Dressurkomitee vorzuschlagen. Zwar stellte das angerufene FEI-Tribunal fest, dass die Regelung in den FEI-Statuten nicht eindeutig formuliert sind, ja, sich sogar widersprechen – aber am Ende nahm es auf ein Papier namens ‚Internal Regulations’ (Interne Regulierungen) Bezug, über dessen Entstehung es allem Anschein nach selbst nicht im Klaren ist (Zitat: „Es handelt sich offensichtlich um einen Kompromiss zwischen FEI-Dressurkomitee und IDRC“).
Dieser Anweisung zur Vorgehensweise sei zu entnehmen, dass der Vertreter der Dressurreiter im FEI-Dressurkomitee nur Mitglied im IDRC sein muss, aber von einer der FNs, ebenso wie vom Komitee oder vom FEI Bureau (FEI Präsidium) vorgeschlagen werden kann. Diese Verfahrensweise würde, so das Tribunal, dem Grundschema der FEI entsprechen, dass sie von den nationalen FNs getragen würde. Im Klartext heißt dies aber, dass in Zukunft nur noch der FEI genehme Personen im FEI-Dressurkomitee zu finden sein werden. Ohnehin waren die Vertreter der Turnierorganisatoren und der Reiter die einzigen der sechs Komiteemitglieder, die von den Anschluss-Organisationen vorgeschlagen wurden, und die Repräsentanten der Clubs mussten auch in der Vergangenheit von der FEI-Wahlkommission bestätigt und dem FEI Bureau vorgeschlagen werden, das am Ende über ihre Ernennung entschied.
Im konkreten Fall hatten zwei FNs Kandidaten vorgeschlagen, einer von beiden ist der von der spanischen FN ins Rennen geschickte Luis Lucio, der erst vor wenigen Wochen in den IDRC eingetreten ist, um diese Voraussetzung zu erfüllen. Er ist Gegenkandidat zu dem vom IDRC vorgeschlagenen, britischen Dressurreiter Wayne Channon. Vom Wahlkomitee ist offensichtlich er dem FEI Bureau zur Ernennung empfohlen worden, wobei das FEI Bureau nicht an diesen Vorschlag gebunden ist. Das Tribunal bekräftigt, dass es nicht seine Angelegenheit sei, zu entscheiden, ob es politisch wünschenswert sei, dass der IDRC das alleinige Vorschlagerecht besitze und ermahnt die FEI, eine eindeutig formulierte Reglung zu finden.
Mit der Entscheidung des Tribunals ist der niederländische FEI-Dressurkomitee-Vorsitzende Frank Kempermann, zugleich Organisator des CHIO Aachen und des Weltcup-Turniers in ’s-Hertogenbosch, seinen während des Global Dressage Forums geäußerten Wunsch, den Einfluss der Reiter und aller am Sport direkt Beteiligten zu mindern, noch einen Schritt näher gekommen. Traurig nur, dass sich überhaupt ein Dressurreiter finden lässt, der sich gegen den Willen der offiziellen, von der FEI anerkannten Vertretung der Reiter aufstellen lässt und traurig, dass auch die spanische FN dieses Spiel der FEI mitspielt.
Birgit Popp
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
ähnliche Beiträge
- Global Dressage Forum: Heftige Kontroversen um ,Blood Rule‘
- ,Blut-Regel‘: FEI-Büro vertagt Entscheidung – keine Abstimmung in Rio
- OEPS zur ‚Blut-Regel’: Noch keine Entscheidung getroffen
- Edward Gal beim Global Dressage Forum: „Ich denke darüber nicht nach!"
- Wie blutig darf der Dressursport sein? FEI am Scheideweg


News