Mischfutter für Pferde: So können Sie den Energiegehalt schätzen

Das Mischfutter soll exakt auf die Bedürfnisse und Anforderungen des Pferdes abgestimmt werden. Foto: Archiv

Mischfutter verwendet nahezu jeder Pferdehalter – doch nur wenige kennen sich mit dem Zahlensalat am Etikett wirklich aus und können anhand der Inhaltsstoffe den Energiegehalt abschätzen. Fütterungsexperte Otfried Lengwenat klärt auf!

Als Mischfutter bezeichnet man jede Mischung aus Einzelfuttermitteln mit oder ohne Zusatzstoffe. Es gibt einerseits Alleinfutter, das als einziges Futter, ohne weitere Zusätze, gefüttert wird. Viel verbreiteter in der Pferdefütterung ist aber das sogenannte Ergänzungsfutter, das als Ergänzung zu einem oder mehreren Futtermitteln gefüttert wird.

Etikett
Bei den Mischfuttermitteln für Pferde, außer bei Mineralfutter, sind nach futterrechtlichen Bestimmungen die Inhaltsstoffe (Rohprotein, Rohfett, usw.) angegeben. Wichtig ist zu wissen, dass Inhaltsstoffe in einem Futtermittel analytisch ermittelt werden können. Zusatzstoffe sind Stoffe, die einzeln oder in Form von Zubereitungen dazu bestimmt sind, Futtermitteln zugesetzt zu werden. Außerdem darf – nach Futtermittelverordnung vorgeschrieben – Futter maximal 14 % Feuchtigkeit enthalten. Bei höheren Feuchtgehalten muss der Wert angegeben werden, denn der Verbraucher muss berücksichtigen, dass diese Futtermittel nicht lange haltbar sind. Melassierte Futtermittel ab 14 % Saccharose müssen als Melassefutter deklariert werden.

Energieberechnung
Nach dem Futtermittelgesetz darf die enthaltene Energie in Megajoule (MJ) angegeben werden, muss es aber nicht. In solch einem Fall ist es gut zu wissen, wie sie zu berechnen ist.
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat dafür einen Rechengang (genauen Rechengengang siehe Pferdplus Heft 03/2010) zur Verfügung gestellt. Von der Bruttoenergie kommt man durch Berechnung der Verdaulichen Energie und der Umsetzbaren Energie auf die Nettoenergie – dieser ists der eigentlich interessante Wert. Damit kann nun abgestimmt werden, je nach Gewicht und Arbeit des Pferdes, welches und wie viel Futter es braucht. Weiters ausschlaggebend ist der Betracht vom Eiweißgehalt – entscheidend ist das richtige Verhältnis von eiweiß- und energiereichem Futter. Pferde mit geringer Leistung können gut mit einem Mischfutter, das einen hohen Rohfaseranteil hat, gefüttert werden. Dadurch, dass der Energiegehalt geringer ist, können die Pferde größere Futtermengen erhalten ohne zu fett zu werden. Nur bei wirklichen Hochleistungspferden muss auf eine höhere Energiedichte geachtet werden, da die Pferde häufig nicht genug fressen, um ihren Energiebedarf zu decken – das gleiche gilt auch für laktierende Stuten und wachsende Pferde.

Mischfutter richtig eingesetzt
Trotz aller Energieberechnung darf nie vergessen werden, dass die wichtigste Grundlage in der Ration immer das Grundfutter ist. Heute geht man davon aus, dass ca. 1,5–2 kg Raufutter-Trockenmasse pro 100 kg Lebendgewicht eingesetzt werden soll.  Bei steigender Leistung steigt auch der Energiebedarf, das gleiche gilt auch für Eiweiß. Das Verhältnis von Eiweiß zu Energie bleibt aber bei 5:1. Der Bedarf an Calcium, Phosphor und Vitamin A erhöht sich mit steigender Leistung nicht oder nur gering. Eine Ausnahme bilden die Elektrolyte Chlor, Natrium und Kalium, die über den Schweiß verloren gehen. Wenn die Energie nur über ein Mischfutter ausgeglichen wird, benötigt man bei der Erhaltung ca. 1 kg, bei leichter Arbeit ca. 2 kg und bei mittlerer Arbeit ca. 3,3 kg um die Differenz abzudecken. Jedem Mischfutter ist eine Vormischung mit Mineralstoffen und Vitaminen zugesetzt. Die Gehalte variieren zwischen den einzelnen Produkten. Bei vielen Mischfuttern ist es so, dass beim Einsatz von ca. 1 kg der Bedarf des Pferdes gedeckt ist. Wird bei steigender Leistung der Mischfuttereinsatz erhöht, kommt es bei einigen Mineralstoffen und Vitaminen zu einer deutlichen Überversorgung. Somit ist schnell klar – die bedarfsgerechte Versorgung unserer Pferde mit Energie ist gar nicht so einfach. Das Mischfutter exakt auf die Bedürfnisse und Anforderungen des Pferdes abzustimmen benötigt sogar ein kleines bisschen von mathematischem Talent…

Die komplette Geschichte finden Sie in Pferdplus 3/2010
Autor: Otfried Lengwenat

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