Monty Roberts Pferdetherapie hilft traumatisierten US-Soldaten
Eine eindrucksvolle Dokumentation des US-amerikanischen ,Pentagon Channel' zeigt, wie die Therapie mit Pferden traumatisierten US-Veteranen dabei hilft, gegen ihre Ängste anzukämpfen und wieder zurück ins Leben zu finden. Das Programm „Horses for Veterans“ wird vom berühmten Pferdetrainer Monty Roberts geleitet.
Der US-Fernsehsender ,Pentagon Channel' hat in seiner Serie „Recon: Unbridled" das Programm "Horses for Veterans" vorgestellt, das von Pferdetrainer Monty Roberts auf dessen Flag is Up Farm in Kalifornien angeboten wird. In dreitägigen Intensivkursen arbeitet er dabei mit Veteranen aller Altersgruppen, die an der sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden – eine Folge von traumatischen Erlebnissen, die während ihrer Einsätze im Irak oder in Afghanistan geschehen sind und mit denen sie allein nicht fertig werden.
Monty Roberts bietet diese Kurse völlig kostenlos an: „Das wichtigste ist für mich, mit Veteranen zu arbeiten, die das Leben aufgegeben haben, ihnen will ich helfen", so Monty Roberts. So wie seine gewaltlose ,Join Up' Technik bei misshandelten Pferden das Ziel verfolgt, Vertrauen aufzubauen und zu verstärken, zeigt er diesen Weg auch traumatisierten Soldaten – und seine wichtigsten Helfer sind dabei die Pferde: „Pferde sind Fluchttiere. Sie haben Angst vor allem, das sie nicht verstehen. Wenn sie jemandem oder etwas nicht vertrauen, weichen sie davor zurück, und genauso empfinden auch Veteranen. Sie sind ständig auf der Flucht und vertrauen niemandem mehr."
Eine von Montys Schülerinnen ist die Veteranin Alejandra Sanchez, die bereits zum vierten Mal auf der Flag is Up Farms ist, und sie erinnert sich an das erste Mal, als wäre es gestern gewesen. „Ich hatte noch nie so viel Angst in meinem Leben", gibt sie zu. „Ich hatte nicht mal so viel Angst, als ich in Irak war. Meine Angst war unglaublich groß, weil ich mich damit abfinden musste, dass ich PTBS habe."
„Jede Nacht, wenn sie Sonne untergeht, weißt du, dass etwas passieren wird", erzählt sie weiter und erinnert sich an ihren Dienst in Irak und an diesen einen Gedanken, den sie nicht mehr aus ihrem Kopf kriegen konnte: „Ich werde das vielleicht nicht überleben.“
Doch Sanchez hat beschlossen, sich ihren Ängsten im "Horses for Veterans" ´Programm bei Monty Roberts zu stellen – ein schmerzlicher Schritt, wie sie zugibt: „Man muss mit Leuten arbeiten, die man nicht kennt, und man hat ohnehin schon Vertrauensprobleme", sagte sie. „Es hat auf jeden Fall alle meine Symptome herausgebracht, aber auf einem intensiveren Level, als ich es normal gewohnt bin." Sanchez sagt, sie musste lernen, sich selbst zu beruhigen, damit die Pferde ihr vertrauen. „Die Pferde würden nicht auf mich eingehen, wenn ich ängstlich, wütend oder gewalttätig wäre", sagte sie.
Ähnlich erging es der Veteranin Alicia Watkins, die einst ein lebenslustiger, fröhlicher Teenager war und in der Army rasch Karriere machte. Als sie von ihrem Dienst in Afghanistan und Irak zurückgekehrt war, war alles anders, sie sonderte sich von Freunden und Familie ab und verlor ihre Wohnung. Sie wurde obdachlos, lebte ein Jahr in ihrem Auto – sie hatte alles verloren, am Ende sogar ihre Würde. „Ich war an dem Punkt, wo man nicht mehr am Leben sein will", sagte sie. „Ich erinnere mich, wie ich an Geleitzügen teilgenommen habe und es einfach nicht ertragen konnte." Als sie 2007 nach Hause zurückkehrte, war sie dem Tod mehrmals begegnet und selbst schwer verwundet worden, sagte sie.
Als sie die Einladung von Monty Roberts annahm, erschien sie versteckt unter Schichten von Jacken und Pullovern, mit Kappe und Sonnenbrille – es war wie eine Ritterrüstung, um sie vor der Welt und den anderen zu schützen. Monty Roberts sah sofort, was mit ihr los war – spürte aber auch, dass es in ihr Raum für extreme Veränderungen gab. Er stellte ihr eine Aufgabe: das Vertrauen eines Pferdes zu gewinnen. Das funktionierte am Anfang überhaupt nicht – die Pferde ergriffen vor ihr panisch die Flucht.
Als Monty Roberts ihr seine Methode, mit Pferden zu arbeiten, näher erklärte, änderte sich plötzlich alles: „Als ich ihn über das Training von Pferden sprechen hörte, fing ich an zu begreifen, dass Pferde und meine posttraumatische Belastungsstörung... irgendwie dasselbe waren", sagt Watkins. Sie verstand das Fluchtverhalten der Pferde, weil sie dasselbe in sich selbst verspürte. Sie war selbst ein Fluchttier geworden, das vor allem Angst hatte, niemandem vertraute und keine Nähe zuließ.
„Dass man Pferde zähmen kann, in dem man in ihrer eigenen Sprache mit ihnen kommuniziert und ihnen die Angst vor den Menschen nimmt – das war etwas, dass ich nachvollziehen konnte", erzählt sie. „Ich hatte etwas gefunden, dass fast augenblicklich den Schmerz und das Leid all dieser Jahre wegwischen konnte. Innerhalb einer Stunde war ich ein komplett anderer Mensch."
Als die Pferde begannen, ihr zu vertrauen und ihren Befehlen zu folgen, sagte Roberts, wurde Watkins "die aufgeschlossenste, begeistertste und überschwänglichste Teilnehmerin, die man sich vorstellen kann. Die Veränderung, die sie durchmachte, war wie Tag und Nacht", sagte er. Er lud sie nochmal ein, für drei Tage mit einer anderen Gruppe Veteranen zu trainieren. Sie wurde zu einer ganz besonderen Schülerin – und Roberts ist überzeugt, dass Watkins immer besser in der Lage ist, mit ihren Problemen klarzukommen.
Ganz verschwinden wird ihr Trauma aber nicht: „Pferde die traumatisiert und misshandelt worden sind, vergessen das nie", so Roberts. „Aber man kann es durch positives Verhalten gleichsam überziehen und kontrollierbar machen, und dasselbe gilt für die Veteranen. Sie werden das Trauma, das sie erlebt haben, niemals vergessen. Glauben Sie, dass ich die Schläge meines Vaters vergessen habe? Ganz sicher nicht – und ich war vier Jahre alt, als es geschah, und heute bin ich 76 und es ist immer noch da. Aber ich lasse es nicht die Oberhand gewinnen, mein Leben soll nicht davon bestimmt werden – sondern von etwas Positivem. Und bei den Veteranen geht es genau darum."
,Horses for Veterans' hat Menschen wie Alejandra Sanchez und Alicia Watkins einen neuen Weg gezeigt. Heute nehmen mehr als 30 medizinische Zentren für Veteranenbetreuung in den USA am Pferdetherapie-Programm teil. „Zu wissen, dass es für traumatisierte Pferde einen Weg gibt, wieder zu Vertrauen und zu einer Bindung zu finden, zeigt mir, dass das auch für mich möglich ist", so Watkins. „Ich kann wieder die sein, die ich einmal war."
Hier die sehenswerte und berührende Reportage aus der Serie „Recon: Unbridled“ – Horses for Veterans:
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