Neue Studie: Pferde sind wahre ,Erinnerungs-Künstler'
Eine neue Studie zeigt, dass das Gedächtnis von Pferden nicht nur sehr gut funktioniert, sondern auch eine Besonderheit besitzt: Es arbeitet „cross-modal“ – Pferde können verschiedene Sinneseindrücke miteinander verknüpfen und fehlende Signale durch andere ersetzen.
Dass Pferde ein außergewöhnlich gutes Erinnerungsvermögen haben, konnte bereits in vielen Untersuchungen nachgewiesen werden – so etwa durch jene der französischen Verhaltensforscherin Carol Sankey, die bestätigen konnte, dass Pferde sich über einen langen Zeitraum hinweg an menschliche oder tierische Freunde erinnern können und positive oder negative Erfahrungen auch noch nach Jahren präsent haben (siehe auch unseren Bericht dazu).
Die vor kurzem im Fachmagazin ,Animal Cognition' veröffentlichte Studie „Cross-modal recognition of human individuals in domestic horses (Equus caballus)' konnte nun eine besondere Facette des pferdlichen Gedächtnisses wissenschaftlich untermauern: es funktioniert „cross-modal“. „Cross-modales“ Erinnerungsvermögen bedeutet – wie die Studienautoren Jessica Frances Lampe (Universität Edinburgh/GB) und Jeffrey Andre (James Madison University in Harrisonburg/USA) erklären – dass das Gehirn die Signale verschiedener Sinnesorgane, etwa des Gehörs, der Augen oder des Geruchssinns, miteinander verknüpfen und ein fehlendes Signal durch andere ersetzen bzw. kompensieren kann.
Mit insgesamt zwölf Pferden wurden mehrere Experimenten durchgeführt, in denen z. B. die Pferde von vertrauten sowie von fremden Personen besucht und gestreichelt wurden und dann hinter einer Holzwand verschwanden. Danach spielte man eine Tonaufnahme der vertrauten oder der fremden Person vor. Stimmte die Tonaufnahme mit dem Geruch und dem Aussehen der eben erschienenen Person nicht überein, waren die Pferde deutlich neugieriger und aufmerksamer als bei einer übereinstimmenden Tonprobe – sie schienen von der Diskrepanz zwischen Stimme und Aussehen enorm überrascht. Das sei, so die Forscher, ein deutlicher Beweis, dass Pferde Aussehen, Geruch und Stimme einer Person zu einer kohärenten Erinnerung zusammenfügen können – und eine Unstimmigkeit bei diesen Signalen sofort bemerken. Mehr noch: Pferde können ein fehlendes Signal problemlos durch andere ersetzen bzw. kompensieren. Diese Fähigkeit – über die u. a. auch der Mensch, Hunde und bestimmte Affenarten verfügen – ist für das Fluchttier Pferd von großem Nutzen, denn so können Gefahren oder Feinde bereits anhand eines einziges Sinneseindrucks – etwa eines Geräuschs oder eines Geruchs – frühzeitig identifiziert werden.
Nun wollen die beiden Forscher auch noch andere Aspekte des cross-modale Gedächtnisses von Pferden näher untersuchen – etwa, ob Pferde zwischen zwei vertrauten Menschen auch mit nur einem Sinnesorgan differenzieren können (was wohl jeder Pferdefreund nur bestätigen kann – aber Wissenschaftler wollen's eben ganz genau wissen….).
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