Neues FEI-Reglement soll Reining pferdefreundlicher machen

Craig Schmersals rüde Abreitmethoden hatten weltweit für Empörung gesorgt.

Der Skandal um die Abreit- und Trainingsmethoden beim World Reining Finale in Bökebergs Gard hat Folgen: Drei FEI-Arbeitsgruppen haben ein neues Reglement erarbeitet, das mehr Schutz für Pferde und mehr Macht für die Stewards bringen soll.

Wie die FEI mitteilte haben die seit Januar tätigen drei Arbeitsgruppen für die Disziplin Reining (Pferdplus hatte darüber berichtet) ihre Tätigkeit beendet und eine völlige Neufassung des gesamten Regelwerks vorgelegt. Dieses neue Reglement wird nun an die einzelnen Nationalen Föderationen übermittelt, ehe bei der FEI Generalversammlung im November in Rio de Janeiro darüber abgestimmt wird. Bei einer Annahme würde die neuen Regeln per 1. Jänner 2012 in Kraft treten.

In den Vorschlägen sind insbesondere neue Regeln für Trainings- und Abreitmethoden – speziell für Slidings Stops, Spins und Rückwärtsrichten – bei FEI-Turnieren zu finden. Neu gefasst wurden auch die Bestimmungen bezüglich erlaubter Gebisse, erlaubter Sporen, der Schulung von Offiziellen und der Mindestzahl von Stewards bei FEI-Turnieren.

Wie die FEI offen einräumt, haben die Vorgänge beim World Reining Finale in Bökeberg (18.–22. Mai) bei der Ausarbeitung der neuen Reglements eine zentrale Rolle gespielt – insbesondere, was die neuen Vorschriften für die Arbeit der Stewards anbelangt. Die damals vom Online-Portal epona.tv aufgezeichneten Videos, insbesondere jene, das Vize-Weltmeister Craig Schmersal beim Abreiten seines Pferdes Lil Miss Addy Tude zeigt (siehe auch unseren Pferdplus-Bericht darüber) hatte weltweit für Entrüstung gesorgt – und auch die FEI unter gehörigen Druck gesetzt. „Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass wir aus diesen Vorfällen lernen müssen", wird Ian Williams, der für die nicht-olympischen Disziplinen zuständige FEI-Direktor, zitiert. „Die Arbeit der vergangenen sieben Monate diente vor allem dem Ziel, mit den neuen Reining-Reglements das Wohlergehen des Pferdes zu schützen – und Strukturen zu schaffen, die die Stewards dabei unterstützen, diese Regeln auch in die Tat umzusetzen.“

Für diesen Schritt wäre die FEI grundsätzlich zu loben – doch bleibt abzuwarten, wie die neuen Regeln nun tatsächlich konkret aussehen werden und vor allem, wie sie die Stewards vor Ort überwachen und durchsetzen können. Gerade die Untersuchung der Vorgänge von Bökeberg – die ebenfalls von den Arbeitsgruppen durchgeführt wurde – brachte hier kein wirklich überzeugendes Resultat: Die rüden Abreitmethoden von Craig Schmersal & Co veranlassten die Stewards zwar zu etlichen mündlichen Verwarnungen, eine Gelbe Karte wurde jedoch keinem gezeigt – somit haben die Vorfälle auch keine weiteren Konsequenzen für die jeweiligen Reiter. Dabei spielt die FEI jedoch den Ball an epona.tv zurück: Dort habe man sich geweigert, das ungeschnittene Videomaterial an die FEI zu übergeben – und ohne authentisches Beweismaterial seien ihr die Hände für weitere disziplinäre Schritte gebunden.

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