Österreichs Voltigierer auf Medaillenkurs – Gruppe Pill liegt auf Rang zwei

Die deutsche Gruppe vom VV Ingelsberg liegt auf Rang eins der Zwischenwertung (Foto: FEI/Kate Houghton)

Obwohl nicht alles perfekt lief, verbesserte sich die Voltigiergruppe Pill mit einer famosen Kür in der Teamwertung auf Rang zwei hinter Deutschland; Stefan Csandl liegt im Herren-Einzel an vierter Stelle, die Damen verloren trotz guter Leistungen leicht an Boden.

Für Österreichs Voltigierer läuft es in Kentucky weiter hervorragend – obwohl es am gestrigen Tag, an dem die Kür der Gruppen und die Technik der Einzelvoltigierer auf dem Programm standen, auch so manchen Wermutstropfen gab. Dafür waren aber nur teilweise die Aktiven verantwortlich: Bei der österreichischen Delegation sorgten die vergebenen Richternoten teilweise für Verwunderung und Kopfschütteln – für einige Juroren schien nicht die objektive Leistung, sondern die Nationalität die Hauptrolle in der Notengebung zu spielen. Das war ärgerlich – ist aber bei internationalen Championaten leider immer wieder zu beobachten.

Drei Gruppen mit Chancen auf Gold

Die österreichischen Voltigierer ließen sich davon jedoch nicht beirren: Sie turnten ihr hochklassiges Kür-Programm in eindrucksvoller Manier, ein kleiner Fehler beim ersten Block irritierte zwar kurz, doch die Gruppe fing sich wieder und zeigte bis zum Schluss eine grandioe Vorführung. Gruppenmitglied Daniela Penz im Pferdplus-Blog: „Es war gigantisch in diese Halle einzulaufen. Die Stimmung hier ist super. Unsere Musik erklang und Jassi machte ihre Show, es lief alles super, bis zum Beginn des ersten Blockes. Jassi rutsche ab und musste schon früher vom Pferd, als eigentlich geplant. Weiter lief es super.“ Mit Kür-Note 8,338 schob sich das Team Österreich auf Rang zwei der Zwischenwertung vor, nur drei Hunderstel Punkte hinter den führenden Deutschen, denen ebenfalls keine perfekte, aber eine solide Kür-Vorführung gelang, für die sie Note 8,399 erhielten. Longenführer Alexander Hartl: „Für den ersten Umlauf war das schon ganz gut“, sagte Alexander Hartl. „Es gab hier und da Kleinigkeiten, die wir besser machen können.“ Gastgeber USA – wieder lautstark vom heimischen Publikum angefeuert – hielt dem Druck nicht ganz stand, der Sturz eines Gruppenmitglieds sorgte für einige Abzüge (Note 8,102) und warf das US-Team, das nach der Pflicht noch klar in Führung gelegen war, auf Rang drei zurück. Wie der Blick auf die Gesamt-Zwischenwertung (siehe Ergebnisse unten) zeigt, ist der Kampf um die Medaillen wieder völlig offen – drei Teams liegen innerhalb von vier Hunderstel Punkten nahezu gleichauf an der Spitze, die Entscheidung fällt im Kür-Finale am Sonntag.

Einzelvoltigierer weiter stark

Bei den Einzelvoltigierern stand gestern die dritte Runde – die Technik – auf dem Programm. Und auch hier bewahrheitete sich eine alte Voltigier-Weisheit: Abgerechnet wird am Schluss. Während manche den Titelfavoriten und mehrfachen Weltmeister Kai Vorberg, der nach der Kür nur auf Rang drei gelegen war, bereits abgeschrieben hatten, belehrte dieser mit einem starken Technik-Programm alle eines Besseren und hat im Rennen um die Goldmedaille nun wieder alle Trümpfe in der Hand: Mit der Tageshöchstnote von 8,328 zeigte er die beste Technik-Vorführung aller Teilnehmer und verbesserte sich in der Gesamtwertung auf Rang zwei. Auf Platz drei der Zwischenwertung liegt nun Nicolas Andreani aus Frankreich – er erreichte nach einigen kleinen Fehlern Note 8,093. Der Schweizer Patric Looser, der Führende nach der ersten Wertungsprüfung, büßte zwar ein wenig von seinem Vorsprung ein, liegt aber noch immer in der Gesamtwertung voran.
Weiterhin famos schlägt sich der Österreicher Stefan Csandl, der zwar ebenfalls nicht ohne Fehler durchkam, aber mit einer insgesamt soliden und lektionensicheren Technik auf Rang vier der Zwischenwertung vorstieß. Der Abstand zu den Medaillen beträgt zwar fast zwei Zehntel Punkte – aber, wie schon gesagt: Entschieden wird erst am Schluss – und wie schnell ein Vorsprung dahin ist, hat der gestrige Tag gleich mehrfach gezeigt....

Fragwürde Richternoten

Höhen und Tiefen brachte das Technik-Programm bei den Damen: Mit einer Top-Leistung und Note 8,435 schob sich die Britin Joanne Eccles wieder auf Platz 1 der WM-Zwischenwertung. Auf Platz zwei liegt die Deutsche Antje Hill, deren makellose Leistung ebenfalls hoch bewertet wurde (Note 8,380). Durch ungewohnte Schwächen bei zwei Technikelementen zurückgeworfen wurde die nach der Kür Führende Simone Wiegele – sie erhielt gestern nur 7,888 Punkte für ihr Technik-Programm und liegt damit in der Gesamtwertung auf Rang drei.
Etwas an Boden verloren auch die österreichischen Voltigiererinnen – dies aber nicht aufgrund mangelhafter Leistungen, sondern fragwürdiger Richterwertungen, unter denen besonders die Bestplatzierte Christa Kristofics-Binder zu leiden hatte: Sie erhielt Note 7,903 für ihre Technik und liegt auf Rang sieben der Gesamtwertung, auf Rang acht folgt Lisa Wild, die 7,913 für ihre Technik erhielt. Leider weit zurückgefallen ist Stefanie Kowald, deren Cool Waters in der Arena nicht zu beruhigen war und durch seine hektische Galoppade eine bessere Vorstellung der Steirerin unmöglich machte: Sie kam gestern nur auf Note 6,033 und liegt nun in der Gesamtwertung auf Rang 15: Schade drum!

Gesamt-Zwischenstand
Team-Wertung
1. Deutschland – 7,698
2. Österreich – 7,664
3. USA – 7,655
4. Schweiz – 7,467
5. Frankreich – 7,299

Einzelwertung Herren
1. Patric Looser (SUI) – 8,369
2. Kai Vorberg (GER) – 8,353
3. Nicolas Andreani (FRA) – 8,301
4. Stefan Csandl (AUT) – 8,123
5. Gero Meyer (GER) – 8,091

Einzelwertung Damen
1. Joanne Eccles (GBR) – 8,327
2. Antje Hill (GER) – 8,207
3. Simone Wiegele (GER) – 8,192
4. Mary McCormick (USA) – 8,133
5. Megan Benjamin (USA) – 8,065
7. Christa Kristofics-Binder (AUT) – 8,001
8. Lisa Wild (AUT) – 7,999
15. Stefanie Kowald (AUT) – 7,335

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