Olympisches Springen: Mannschafts-Gold für Großbritannien

Großbritannien durfte sich über das erste Mannschafts-Gold bei Olymia seit 1952 freuen. Foto: Julia Rau

Eine Reitsportnation im Freudentaumel: Nach 60 Jahren konnte Großbritannien in einem spannenden Stechen gegen die Niederlande Mannschaftsgold bei Olympischen Spielen gewinnen. Bronze geht an Saudi-Arabien.

1952, in dem Jahr als Queen Elizabeth II. den Thron bestieg, hatten sich die britischen Springreiter schon einmal Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen gesichert. Genau sechzig Jahre und pünktlich zum Thronjubiläum der Queen gelang es ihnen bei den Olympischen Spielen in ihrem Heimatland erneut. Nach dem ersten Umlauf am Sonntag hatten sie mit drei weiteren Mannschaften mit vier Strafpunkten hinter Saudi-Arabien, das nur einen einzigen Zeitfehler verbuchte, an zweiter Stelle rangiert. Im zweiten Umlauf am Montagnachmittag, für den sich die acht besten der 15 Mannschaften plus 21 Einzelreiter qualifiziert hatten, die sich noch Hoffnung auf den Einzug ins Einzelfinale am 8. August machten, konnten am Ende nur noch die Niederländer mit den Gastgebern mithalten. Während es im ersten Umlauf noch 15 fehlerfreie Runden gegeben hatte, waren es im zweiten von Bob Ellis gestalteten Parcours nur noch sechs.

Rang drei für Saudi-Arabien
Nach zwei Umläufen verbuchte sowohl das britische als auch das niederländische Quartett acht zählende Strafpunkte, so dass ein Stechen um Gold und Silber notwendig wurde. Die Reiter aus Saudi-Arabien hatten bereits vor dem letzten Starter ihrer Equipe Bronze sicher, die erste Olympische Mannschaftsmedaille für die saudi-arabischen Springreiter (Abdullah al Saud/Davos, Kamal Bahamdan/Nobless de Tess, Ramzy Al Duhami/Bayard van de Villa There, Abdullah Sharbatly/Sultan), aber wegen der gleichzeitig ausgetragenen Qualifikation fürs Einzelfinale musste der saudische Schlussreiter, der WM-Dritte Abdullah Sharbatly, noch einmal antreten. Seine sechs Strafpunkte wurden zum Streichergebnis seines Teams im zweiten Umlauf, das den Mannschaftsbewerb mit 14 Strafpunkten auf Platz drei beendete. Der undankbare vierte Platz ging an die Schweizer (16). Fünfter wurde das Dreier-Team aus Kanada (26). Platz sechs (28) teilten sich Schweden und die USA, die 2004 und 2008 Gold gewonnen hatten. Achter wurde das Dreier-Team aus Brasilien (67). Die amtierenden Welt- und Europameister aus Deutschland waren ebenso im ersten Umlauf aus dem Mannschaftsbewerb ausgeschieden wie die Vize-Welt- und –Europameister aus Frankreich.

Dramatische Entscheidung im Stechen
Das Stechen eröffnete die britische Springreiterlegende Nick Skelton mit Big Star mit einer Nullrunde. Mit ihm gleich zog der erste niederländische Reiter Jur Vrieling mit Bubalu. Auch der zweite britische Starter im Stechen Ben Maher legte eine Nullrunde mit Tripple X vor, was dem britischen Team einen Vorteil verschaffte, denn Maikel van der Vleuten belastete auf Verdi das niederländische Konto mit acht Strafpunkten. Als dritter britischer Starter hatte Olympia-Debütant Scott Brash mit Hello Sanctos einen Abwurf, aber mit dem selben Ergebnis beendete auch Marc Houtzager mit Tamino den Parcours. Nun kam alles auf den erfahrenen Peter Charles an. Blieb er mit Vindicat fehlerfrei, wäre Großbritannien Gold sicher, bei einem oder mehreren Abwürfen, wäre das Ergebnis des vierten niederländischen Starters ausschlaggebend. Doch der 52jährige, der schon in der ersten Qualifikation aus dem Kampf um die Einzelmedaillen geflogen war, behielt die Nerven und absolvierte eine sichere Nullrunde. Damit brauchte Gerco Schroeder mit London nicht mehr an den Start gehen. Gold war den Briten nicht mehr zu nehmen!

So spannend die Entscheidung im Stechen auch war, vor allem für die Pferde, die übermorgen in den zwei Umläufen des Einzelfinales plus eventuellem Stechen um die Medaillen antreten müssen, wäre eine Entscheidung ohne Stechen zu wünschen gewesen. Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, dass – wie bei den Europameisterschaften – schon die erste Qualifikation für die Einzelwertung, die bei den Olympischen Spielen nur über die Startreihenfolge der Mannschaften im Mannschaftsbewerb entscheidet, für die Vergabe der Mannschaftsmedaillen herangezogen werden würde, um ein Stechen unwahrscheinlicher zu machen.

Große Namen im Einzelfinale
Zu den 35 Reitern, die sich für das Einzelfinale qualifizieren konnten, zählen neben Nick Skelton und Ben Maher plus den drei besten Reitern des niederländischen und des saudi-arabischen Teams u.a. die mehrfachen deutschen Weltcup-Champions Marcus Ehning und Meredith Michaels-Beerbaum, die Olympiasieger von 2004 und 2008, der Brasilianer Rodrigo Pessoa und der Kanadier Eric Lamaze, der belgische Weltmeister von 2006 Jos Lansink, der amtierende schwedische Europameister und Silbermedaillen-Gewinner von 2008 Rolf-Göran Bengtsson, der französische Europameister von 2009 Kevin Staut, der Schweizer Weltcup-Zweite von 2012 Steven Guerdat und der diesjährige Weltcup-Champion aus den USA Rich Fellers also auch der zweifache kanadische Weltcup-Champion Ian Millar, mit 65 Jahren der älteste unter den Teilnehmern im Springparcours.
Birgit Popp/Pferdplus

Das Endergebnis des Mannschaftsbewerb gibt's hier – die qualifizierten Reiter für das Einzelfinale findet man hier.

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