Para-Dressur: Die ersten Medaillen sind vergeben
Mit dem gestrigen Tag wurden die ersten Einzel-Medaillen in allen Grades und auch die Mannschafts-Titel vergeben. Team-Gold ging an Großbritannien, ebenso drei der fünf Einzel-Goldmedaillen. Für Österreichs einzigen Para-Dressurreiter Thomas Haller lief es nicht ganz nach Wunsch.
Die erstmals im Rahmen der Weltreiterspiele durchgeführte Para-Dressur ist zweifellos eine enorme Aufwertung dieser Bewerbe für Reiter mit Handicap – erstmals zeigen die Reiterinnen und Reiter mit Handicap ihre wirklich staunenswerten Leistungen nicht mehr nur unter ihresgleichen, sondern inmitten der anderen Pferdesportler – und dazu auch im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Das Konzept ist voll aufgegangen – die Para-Dressur ist zweifellos eine Bereicherung dieser Weltreiterspiele 2010.
Die Bewerbe werden – je nach Behinderungsgrad – in insgesamt fünf sogenannten Grades (Ia, Ib, II, III und IV) durchgeführt, Medaillen gibt es In der Einzelwertung für den Championshiptest sowie für die Einzel-Kür, die Mannschaftswertung wird aus den Ergebnissen der vier Teamreiter in Mannschafts- und Championshiptest errechnet. Die ersten Medaillen wurden gestern vergeben.
Großbritannien unschlagbar
Im Grade Ia gab es einen Dreifach-Erfolg für Großbritannien: Die mit Startnummer 1 angetretene Sophie Christiansen erzielte mit einer fehlerfreien Vorstellung auf Rivaldo of Berkeley die imposante Wertnote von 76,01 Prozent und holte sich damit souverän den Weltmeister-Titel. Anne Dunham auf Danny kam ihr mit 73,20 % am nächsten und eroberte damit Silber – Bronze ging an Emma Sheardown auf Purdy's Dream (71,90 %).
In ähnlicher Tonart ging es im Grade Ib weiter – hier gab es einen Doppelsieg der britischen Reiterinnen: Der Weltmeister-Titel ging souverän an Lee Pearson auf Gentleman, der auf die Tageshöchstnote von 76,435 % kam und damit Gold holte. Die Silbermedaille ging an Ricky Balshaw mit Academy Award (72,87 %), Bronze teilten sich Stinna Tange Kaastrup aus Dänemark mit Labbenhus Snoevs und der Norweger Jens Lasse Dokkan mit Lacour (70,174 %)
Spannender Grade II
Hart umkämpft war die Entscheidung im Grade II: Gold ging an die Niederländerin Petra van de Sande auf ihrer Stute Toscane (69,238 %), doch über die weiteren Platzierungen entschieden Zehntelpunkte: Silber holte sich die Deutsche Britta Näpel mit Aquilina 3 (67,905 %), die mit ihren Vize-Weltmeistertite von 2007 erfolgreich verteidigen konnte. Bronze eroberte Caroline Cecilie Nielsen aus Dänemark mit Rostorn's Hatim-Tinn (67,238 %). Pech hatte eine weitere Deutsche, der man durchaus auch den Weltmeister-Titel zugetraut hatte: Das Pferd von Dr. Angelika Trabert, Ariva-Avanti, erschrak kurz vor dem Einritt, als zwei Helferinnen eines der weißen Rails zur Seite trugen, um das Viereck freizugeben. Erst nach mehrmaligen Versuchen konnte Trabert überhaupt einreiten, doch die Stute blieb guckig und aufgeregt – das Paar erreichte am Ende 67,13 % und belegte den unbelohnten vierten Platz. „Ich habe das Beste aus dem gemacht, das mein Pferd angeboten hat – trotzdem ärgere ich mich natürlich, vor allem, weil das Ergebnis ja auch für die Teamwertung zählt", meinte Dr. Trabert, der geburtsbedingt beide Beine fehlen, nach ihrem Ritt.
Thomas Haller nicht unter Top Ten
Ebenfalls im Grade II am Start war der Österreicher Thomas Haller mit seiner Stute Haller's Diorella, der für seine Vorstellung 60,857 % erhielt und damit unter 22 Startern Rang 16 belegte. Der championatserfahrene Reiter, der von Dressurtrainer Ernst Mayr trainiert und auch in Kentucky von diesem betreut wird, war mit seinem Ritt nicht restlos zufrieden – aus dem erhofften Top Ten-Resultat ist leider nichts geworden. Für ihn gibt es aber am Samstag in der Kür noch eine weitere Chance.
Gold für Hanne Brenner
Im Grade III gab es bereits Mittwoch die erste Goldmedaille für Deutschland – und zwar für die inkomplett querschnittgelähmte Hanne Brenner mit ihrer 15-jährigen Stute Women of the World: Für ihren Ritt gab es 72,40 %. Silber ging an die Dänin Annika Lykke Daiskov mit Preussen Wind (71,067 %), Bronze an die Australierin Sharon Jarvis mit Applewood Odorado (68,867 %). Hanne Brenner zählt zu den erfahrenen Championatsreiterinnen des deutschen Teams, sie war bereits 1999 Weltmeisterin, in den Jahren 2003 und 2007 Silbermedaillen-Gewinnerin im Einzel und mit der Mannschaft.
Ebenfalls am Mittwoch wurde die Einzel-Medaillen im Grade IV vergeben – und bereits hier hatten die Briten die Nase vorn: Gold ging an die erst 20-jährige Britin Sophie Wells, die mit 71,677 % klare Bestmarke markierte. Die Silbermedaille ging an Frank Hosmar aus den Niederlanden mit Tiësto (68,875), Bronze holte Henrik Weber Sibbesen aus Dänemark mit Hannoveraner Rexton Royal mit 68,500 %. Beste Deutsche war Lena Weifen mit Don Turner, die mit 68,452 % Rang vier belegte. Im Championshiptest des Grade IV werden unter anderem Trab- und Galoppverstärkungen, Traversalen und einfache Galoppwechsel verlangt.
Mannschafts-Gold an Großbritannien
In der Teamwertung werden die drei besten Ergebnisse der vier Mannschaftsreiter aus dem Team- und dem Championshiptest zusammengezählt. Der Mannschafts-Titel ist bislang bei jeder WM an Großbritannien gegangen, das in der Para-Dressur international führend ist – und auch in Kentucky war an den Briten kein Vorbeikommen: Sie holten sich mit eindrucksvollen 330,376 Punkten die Goldmedaille, Silber eroberte Deutschland mit 420,337 Punkten, Dänemark Bronze (418,389 PUnkte).
Heute und morgen geht es weiter mit der Einzel-Kür: Daumen halten für Thomas Haller, dessen Grade II am Samstag ausgetragen wird!
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben


News