Pferde tränken im Winter
Auch im Winter verbringen Pferde viel Zeit auf Koppeln und Ausläufen. Ein häufig unterschätztes Problem dabei ist die ausreichende Versorgung mit Wasser. Pferdplus hat recherchiert, mit welchen Tränkesystemen man diese sicherstellen kann.
Das Trinkverhalten eines Pferdes wird von mehreren Faktoren beeinflusst – vom Futter, der Arbeit bzw. den Anstrengungen und natürlich von der aktuellen Außentemperatur. Letztere hat ganz entscheidenden Einfluss darauf, wie viel und wie gerne ein Pferd trinkt. Während Pferde in der heißen Jahreszeit sogar mehrmals stündlich ihre Tränken aufsuchen, scheinen Pferde ihren Durst im Winter zu verlieren – doch ist den meisten Pferden das Wasser auf den vereisten Koppeln schlichtweg zu kalt. Pferde bevorzugen im Winter warmes und im Sommer kaltes Wasser. Nachdem aber die meisten Koppeln und Ausläufe nicht über beheizbare Tränksysteme verfügen, bleibt den Pferden gar nichts anderes übrig, als weniger zu saufen. Das kann negative gesundheitliche Folgen haben. Gerade Pferde, die wenig ballaststoffreiches Futter bekommen, laufen Gefahr, durch eine eingeschränkte Wasseraufnahme „auszutrocknen“. Verstopfung bis hin zur Kolik kann die Folge sein – Pferde, die unter Durchfall leiden, könnten zu viel Wasser verlieren. Ebenso bei alten Pferden heißt es wachsam sein – das Durstgefühl nimmt ab und ein weiter Weg zur Wasserstelle lässt den Durst schnell verschwinden. „Schnee-fressen“ alleine reicht nicht aus, weil es den Flüssigkeitsbedarf niemals deckt und viel Energie vom Körper aufgebracht werden muss, um den Schnee aufzuwärmen.
Zu wenig getrunken? Ein einfacher Test hilft!
Man kann leicht erkennen, ob ein Pferd dauerhaft zu wenig getrunken hat – eine Hautfalte am Pferdehals mit zwei Fingern zu fassen, etwas daran zu ziehen und loslassen. Im Idealfall ist die Haut elastisch und strafft sich sofort wieder, dauert es länger, dann braucht das Pferd mehr Flüssigkeit. Ein weiterer Test: mit dem Finger Druck auf das Zahnfleisch ausüben – der weiße Fleck, der dabei entsteht, sollte sofort wieder verschwinden, wenn nicht deutet das ebenfalls auf einen Flüssigkeitsmangel hin. Weitere Anzeichen: Appetitverlust, Lethargie, rote Schleimhäute, die Augen wirken eingesunken, das Pferd wirkt deprimiert, stinkt aus dem Maul. In ernsten Fällen kommt die Darmtätigkeit zum Stillstand – Koliken oder Nierenversagen sind möglich.
Vorbeugen
Um das Pferd dabei zu unterstützen mehr Wasser aufzunehmen kann man im Winter zusätzlich, so oft es geht, einen Eimer warmes Wasser anbieten. Abhilfe schaffen auch mehrere Tränkemöglichkeiten und die Gabe von Salzlecksteinen neben den Tränken. Ein besonders wichtiger Punkt ist die Sauberkeit im Wasserbecken. Bakterien, Keime oder Algen können sich bei erhöhter Wassertemperatur natürlich schneller ausbreiten – regelmäßige Reinigung ist angesagt. Nasses Heu oder eingeweichte Rübenschnitzel liefern auch reichlich Flüssigkeit. Ebenfalls empfehlenswert ist das Zufüttern von suppig angerührtem Leinsamenschleim oder Ähnlichem, das die Darmtätigkeit angeregt.
Das Tränken für Koppelpferde im Winter stellt eine größere Herausforderung dar. Eine Lösungsvariante sind große, beheizbare Trogtränken, die nicht in einem Eck positioniert sind, sondern die es ermöglichen, dass mehrere Pferde zugleich von allen Seiten trinken können. Rundherum sollte der Boden befestigt sein, ansonsten wird die Tränke bei Tauwetter zum Sumpfgebiet. Der Einbau ist aufwendig, da sowohl eine frostfrei verlegte Wasserzuleitung, als auch eine Stromleitung für das Heizelement notwendig ist. Der ideale Standort für eine solche Tränke ist außerhalb des Unterstands, nicht windgeschützt und möglichst weit entfernt von sonstigen Versorgungseinrichtungen und Ruheplätzen. Er sollte die Pferde nicht zum Ausruhen animieren. Ranghohe Pferde würden ansonsten die Wasserstelle durch Dösen blockieren. Die schwächsten Pferde in der Herde müssen meist so lange warten, bis die anderen Pferde die Tränke verlassen haben. Das bedeutet Stress: Sollen sie hastig trinken oder den anderen Pferden sofort folgen? Dazu kommt, dass Pferde dazu neigen, ihr Durstgefühl zu vergessen, daher sollten mehrere Trinkmöglichkeiten angeboten werden.
Balltränken und beheizbare Tröge
Hier erfolgt die Wasserzufuhr über eine in der Erde frostsicher verlegte Wasserleitung ohne Stromanschluss. Ist die Tränke vollgefüllt, verschließen Kunststoffbälle die Trinklöcher, sodass das Wasser nicht einfrieren kann. Um an das Wasser zu kommen, müssen die Pferde den Ball in die Tränke drücken, was sie meist schnell und problemlos lernen. Kleiner Nachteil: Wenn längere Zeit nicht getrunken wird, kann die Tränke zufrieren.
Ein noch wenig bekanntes System, von einer Schwedin entwickelt: elektronisch beheizbare Wassertröge. Die Tränken können beliebig auf Freikoppeln und Ausläufen eingesetzt werden, da sie keine unterirdischen, frostfreien Leitungen benötigen. Am Boden des Wasserbehälters ist eine Wärmefolie eingelassen, die durch einen Thermostat gesteuert wird – die Wassertemperatur wird konstant bei ca. 15–20 Grad gehalten. Nachgefüllt wird mit dem Schlauch, Eimern oder sonstigen Behelfsmitteln. Seit neuestem werden auch Lösungen für Boxenhaltung angeboten (www.thermobar.de).
Die komplette Geschichte finden Sie in Pferdplus 01/2011
Autor: Doris Granegger
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