Pferdeverhalten: Pferde lernen besser und rascher durch positive Verstärkung

Die Pferde wurden für das Verladetraining in zwei Testgruppen eingeteilt. Foto: Nicole Steiner

Die aktuelle Studie eines dänischen Forscherteams hat gezeigt, dass sogenannte ,positive Verstärkung‘ beim Verladetraining bessere Erfolge bringt als ,negative Verstärkung‘. Der Lernerfolg stellt sich schneller ein – und die Pferde zeigen weniger Anzeichen von Stress.

Die Studie, die von Payana Hendriksen und Kollegen in Dänemark durchgeführt und im ,Journal of Veterinary Behavior‘ veröffentlicht wurde, hat untersucht, ob ,positive Verstärkung‘ besser geeignet ist als ,negative Verstärkung‘, um Pferde auf Stresssituationen vorzubereiten, das berichtete die Website Equine Science Update.

Unter positiver Verstärkung ist zu verstehen, dass das erwünschte Verhalten durch Belohnung unterstützt wird – das Pferd macht etwas richtig, und dieses richtige Verhalten wird durch einen positives Reiz belohnt. Unter ,negativer Verstärkung‘ ist hingegen zu verstehen, dass das erwünschte Verhalten dadurch belohnt wird, indem man einen vom Pferd als negativ empfundenen Reiz entfernt bzw. diesen einstellt. In diesem Fall ist die ,Belohnung‘ das Entfernen bzw. Einstellen des negativen Signals, sobald das erwünschte Verhalten gezeigt wurde.
,Negative Belohnung‘ ist nicht zu verwechseln mit Bestrafung, bei der ein negativer Reiz als Antwort auf ein unerwünschtes Verhalten gegeben wird, wodurch dieses Verhalten geschwächt werden oder ganz verschwinden soll.

An der Studie des Forscherteams nahmen insgesamt zwölf Pferde teil. Alle Pferde hatten zuvor schlechte Erfahrungen beim Verladen in den Pferdeanhänger gemacht – sämtliche Besitzer waren nicht mehr in der Lage, sie in den Anhänger zu bewegen.

Die Pferde wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die Gruppe mit ,positiver Verstärkung‘ wurde mit Klickertraining schließlich dazu gebracht, einem bestimmten Ziel (ein gelber Ball auf einem Stock) zu folgen und in den Hänger zu gehen.
Die ,negative Verstärkung‘ der zweiten Testgruppe geschah dadurch, indem entweder am Führungsseil gezogen wurde oder die Hinterhand mit einer Peitsche berührt wurde. Diese negativen Reize wurden sofort eingestellt, sobald die Pferde gehorchten.
Während der gesamten Testdauer wurden die Herzfrequenz aller Pferde sowie typische Verhaltensweisen, die auf Stress oder Unbehagen hinwiesen, aufgezeichnet.

Beim Vergleich der beiden Testgruppen stellte sich heraus, dass positive Verstärkung den raschesten Trainingserfolg erzielte. Im Durchschnitt benötigte die Gruppe mit positiver Verstärkung weniger Zeit für die Trainingseinheiten als die Gruppe mit negativer Verstärkung.
Das Training war jedoch nicht in allen Fällen erfolgreich. Ein Pferd zeigte sich gegenüber den angebotenen Belohnungen völlig uninteressiert und beendete das Training daher auch nicht in den vorgesehenen maximal 15 Einheiten.

Die Gruppe mit negativer Verstärkung zeigte deutlich mehr Anzeichen von Unbehagen, in der Herzfrequenz gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen.
Das Resümee der Forscher: „Positive Verstärkung brachte den raschesten Trainingsfortschritt und weniger Stresssymptome in der Situation. Positive Verstärkung ist daher zu bevorzugen, wenn man Pferde an potentiell stressige Situationen heranführen und gewöhnen möchte.“

P Hendriksen, K Elmgreen, J Ladewig: Trailer loading of horses: Is there a difference between positive and negative reinforcement concerning effectiveness and stress-related signs?
Journal of Veterinary Behavior (2011) 6, S. 261-266

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