Pferdeweiden pflegen und sanieren
Schon ab Mitte März sollte man beginnen, seine Pferdeweiden und Koppeln fit fürs Frühjahr zu machen – etwa durch geeignete Düngung und Nachsaat. Was bei der Weidepflege alles zu bedenken ist, verrät der Biologe, Haltungsexperte und Fachbuchautor Ingolf Bender.
Grasende Pferde sind zufriedene Pferde, denn neben den aufgenommenen Nähr-, Wirk- und Ballaststoffen ist alleine schon die Grasungsbeschäftigung als solche für alle Pferde ein wichtiger, „zufriedenstellender“ Sättigungsfaktor. Pferde wollen sich ihr Futter „erlaufen“, das kontinuierliche Kauen und Herumgehen fördert die Verdauung. Fehlt diese Beschäftigung des Futtersuchens und Kauens ganz oder ist sie erheblich zu kurz im Tagesablauf, dann sind Pferde unzufrieden, unentspannt und auf Dauer erkranken sie physisch und psychisch (Durchfall, Verhaltensstörungen). Die ideale „Natur“ – Weide ist großflächig, im Pflanzenbestand artenreich, aber relativ energiearm, hat eine Wasserstelle und einen Unterstand.
Wieviele Pferde pro Hektar?
Da viele Faktoren (Zahl, Größe und Nutzung sowie Grasungsdauer der gehaltenen Pferde, Bodenverhältnisse, Höhenlage, Klimabedingungen, Weidetyp usw.) den individuellen Flächenbedarf beeinflussen, sind pauschale Angaben schwierig. Die empfohlene Besatzstärke von Weiden (gesetzlich nicht vorgeschrieben) liegt bei drei bis vier sog. Großvieheinheiten (1 Warmblutpferd = 1,2 Großvieheinheiten) je Hektar (= 10.000 qm) – oder, andersrum betrachtet, pro Pferd ca. ein halber Hektar. Je mehr Pferde auf einer Koppel sind, desto größer ist natürlich auch die Belastung für den Boden.
Weidepraxis
Die meisten Pferde stehen auch im Winter auf Koppeln, die grundsätzlich überbesetzt sind, daher sind Grünlandschäden häufig – z. B. Kahlstellen, Trittschäden und Bodenverdichtungen, etc.. Staunässe und mangelnde Bodenatmung führen zur Veränderung des Pflanzenbestandes durch einseitige Verkrautung und zur Abnahme des Ernährungswertes. Durch Vernässung als Folge der Bodenverdichtung wegen Huftritten und aufgrund mangelnder Kalkung siedelt sich Moos an. Wichtige Pflege- und Reparaturmaßnahmen sind somit jährlich, spätestens im Frühjahr nötig, um für die kommende Saison wieder eine pferdegerechte und auch ökologisch vertretbare Ernährungs- und Bewegungsgrundlage zu schaffen.
Grundarbeiten im Frühjahr:
1) Grunddüngung und Kalkung: handelsüblicher Kalk zur pH-Wert-Regulierung des Bodens sowie Mineral-Volldünger
2) Abschleppen der Flächen, um Maulwurfshügel einzuebnen und die Bestockung des Bewuchses anzuregen
3) Besonders bei anmoorigen Böden und Trampelkoppeln, sowie im Vorjahr arg strapazierten Weideflächen, empfiehlt sich der Einsatz der Wiesenwalze, um den sog. Bodenschluss wieder herzustellen
4) Möglichst im April (Forsythienblüte) Kalkstickstoff (z. B. Perlka®) zur Grundstickstoffdüngung und Weidehygiene streuen; minimal 50 kg je Morgen, wenn das Gras abgetrocknet ist (nicht bei Taufeuchte!). Nur bei extrem vielen blättrigen Unkräutern kann Kalkstickstoff auch bei Taufeuchte ausgebracht werden – zur „Verätzung“ – damit werden auch Parasiten abgetötet.
5) Nachsaat frühestens 10 bis 14 Tage nach der Kalkstickstoffdüngung.
Weidesanierung durch Nachsaat
Eine lückige Grasnarbe sollte im Frühjahr immer durch üppige Nachsaat mit anschließendem Walzen und einer zeitigen Grunddüngung (am besten nach Bodenanalyse!) saniert werden.
Als Saatgut zum Nachsäen wird häufig von primär nutztierorientierten Beratern das Weidelgras empfohlen, weil es schnellwüchsig und nährstoffreich ist. Ideal für Rindvieh, aber für Pferde ist dies zu mastig (stark zuckerhaltig). Als Alternative für Pferde ist Knaulgras zu bevorzugen. Es wird zwar nicht ganz so gerne gefressen, mindert aber Probleme (z. B.), die aus sog. Luxusverzehr von typischen Hochleistungsgräsern entstehen. Außerdem sollte eine Weidesaatmischungen für Pferdeweiden keinen Klee enthalten – dieser verbreitet sich bei Kurznarbigkeit zu stark und verdrängt wertvolle Gräser. Wenigstens bis Ende Juni/Anfang Juli ist großflächig nachgesätes Grünland zu schonen – jetzt Heuschnitt (Faustregel: nach der Blüte mähen, damit die Gräser zunächst aussamen können)! Danach düngt man vorzugsweise mit reifem Kompost oder ersatzweise mit ertrags- und bodenangepassten Mineraldüngermengen aus dem Sack (Volldünger/sog. NPK-Dünger). Es kann nach etwa sechs Wochen – bei trockener Witterung – wieder stundenweise mit geringem Besatz (max. zwei Großpferde je Morgen = 2.500 qm) beweidet werden.
Den vollständigen Artikel finden Sie in Pferdplus 03/2010
Autor: Ingolf Bender
Buchtipps
Ingolf Bender, Praxishandbuch Pferdeweide, Franckh-Kosmos-Verlag 2010, ISBN: 3440121496, € 29,90
Ingolf Bender (Hrsg.), KOSMOS Handbuch Pferd, Franckh-Kosmos-Verlag 2006, ISBN 3440103986, € 49,90
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