Pferdezucht: „Neue Gentests werden helfen, bessere Pferde zu züchten“
Auf einer Konferenz der World Arabian Horse Organisation (WAHO) in Doha (Qatar) hielt Prof. Matthew Binns, ein weltweit anerkannter Genforscher und Mitbegründer des ,Horse Genome Projects‘, einen vielbeachteten Vortrag über den Einfluss der Genetik auf die Pferdezucht der Zukunft.
Prof. Matthew Binns vom Royal Veterinary College in London zählt zu den führenden Genforschern bei Pferden weltweit und war einer der Begründer des ,Horse Genome Projects', dem es 2007 gelungen war, die DNA des Pferdes in Form von 30 Millionen Sequenzen vollständig zu entschlüsseln und somit eine ,genetische Landkarte‘ des Pferdes zu erstellen.
Auf der WAHO-Konferenz in Qatar am 3. November hielt er einen Vortrag zum Thema „Fortschritte in der Genforschung – und wie neueste Erkenntnisse dem Pferdezüchter helfen können“.
U. a. meinte Dr. Binns: „Es wird neue Gentests geben, die helfen werden, bessere Pferde zu züchten und möglicherweise auch Exterieur- und Gesundheits-Aspekte beinhalten. Die Pferdezucht könnte durch den Einsatz der genetischer Tools effizienter und zuverlässiger werden. Bereits heute steht uns eine enorme Menge genetischer Daten zur Verfügung. Ich bin sicher, dass es schon in zwei, drei Jahren viele neue Erkenntnisse geben wird – und in zehn Jahren unglaubliche Fortschritte, die wir heute noch nicht für möglich halten“, so der Wissenschaftler gegenüber der Zeitung Gulf Times.
Reinzucht und Rassen-Verwandtschaft
Schon heute können genetische Tools mithelfen, relevante züchterische Fragen zu beantworten. Als Beispiel nannte er die Frage der Reinzucht, die sowohl beim Arabischen, als auch beim Englischen Vollblut von zentraler Bedeutung sei. Dr. Binns: „Was passiert bei der Vererbung – wie verändert sich die DNA bei der Übertragung innerhalb eines Stammbaums? Es gibt einige sehr interessante Forschungsarbeiten über die Beziehung zwischen den einzelnen Pferderassen untereinander. Eine Forschergruppe der Universität von Minnesota hat beispielsweise 20 verschiedene Pferderassen näher analysiert – und wir können genau sehen, wo die Übereinstimmungen und wo die Unterschiede liegen. Sehr interessant ist beispielsweise die Tatsache, dass das Englische und das Arabische Vollblut genetisch sehr unterschiedlich sind – mehr, als wir alle gedacht hätten, schließlich waren es doch Arabische Hengste, die das Englische Vollblut begründet haben.“
Genetische Marker
Was die Genforschung konkret leisten kann, verdeutlichte Dr. Binns am Beispiel der Vollblutzucht in Großbritannien und den USA. Umfassende Analysen der DNA von Vollblütern haben es ermöglicht, einen genetischen Marker aufzuspüren, der anzeigt, für welche Renndistanzen das jeweilige Pferd optimal geeignet ist. Das könnte man sich auch für arabische Vollblüter zunutze machen – sie sind zweifellos prädestiniert, lange Strecken zu laufen, werden aber häufig immer noch über kürzere Distanzen eingesetzt. Hier gäbe es zweifellos genetische Tools, die es den Besitzern ermöglichen würden, ihre Pferde in den richtigen Rennen laufen zu lassen.“
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