Przewalski-Bestände in der Mongolei durch strenge Winter gefährdet

Extrem harte Winter gefährden die Przewalski-Bestände in der Mongolei. Foto: Archiv

Das ambitionierte Projekt zur Wiederansiedlung der Przewalski-Pferde in der Mongolei muss durch strenge Winter immer wieder Rückschläge hinnehmen – das berichten Forscher des Instituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Seit Anfang der 90er Jahre versuchen internationale Wildtierforscher – in Kooperation mit mehreren Tiergärten und Tierparks – Przewalski-Pferde wieder in ihrer ursprünglichen Heimat, der Mongolei, anzusiedeln (auch Pferdplus hatte darüber berichtet). Zwei Projekte wurden gestartet – eines im Großen Gobi-B-Schutzgebiet im Südwesten der Mongolei sowie eines im Schutzgebiet Khustain Nuruu im Zentrum der Mongolei. Während die Ansiedlung im Gobi-B-Schutzgebiet sich als äußerst mühsam erwies und nicht zuletzt aufgrund der extrem harten Winter immer wieder herbe Rückschläge verzeichnen musste, verlief die Auswilderung in Khustain Nuruu deutlich erfolgreicher – heute ist dort mit rund 200 freilebenden Przewalski-Pferden ein Großteil des insgesamt auf 300 Tiere geschätzten Gesamtbestandes in der Mongolei versammelt.

Vor allem der katastrophale Winter 2009/2010 war für die Przewalsi-Bestände im Gobi-B-Gebiet ein Desaster, das berichten die an dem Projekt beteiligten Wiener Wildtierforscher Petra Kaczensky und Chris Walzer in einem vor kurzem veröffentlichten Artikel in der Fachzeitschrift ,PLoS ONE'. Die enormen Schneemengen dieses Winters und die langanhaltenden, tiefen Temperaturen führten dazu, dass die Pferde nicht mehr an die unter dem Schnee liegende Vegetation gelangen konnten und verhungerten. 15 der insgesamt 21 mongolischen Provinzen wurden zu Katastrophengebieten erklärt – man schätzt, dass im Extremwinter 2009/2010 über 7,8 Millionen Tiere, das sind 17 % des gesamten Bestandes der Mongolei, ums Leben gekommen sind. Noch schlimmer erwischte es die Przewalski-Pferde im Großen Gobi-B-Schutzgebiet – wie die Forscher berichten, sind rund 60 % aller dort lebenden Przewalski-Pferde ums Leben gekommen. Von den einst rund 100 Tieren dürften somit nur rund 40 überlebt haben. Wie die Wiener Forscher aufgrund von GPS-Bewegungsdaten nachweisen konnten, nutzen die Przewalskis ihren Lebensraum sehr konservativ – auch unter extremen Witterungen wagen sie sich nicht über die ihnen bekannten Weidegründe hinaus – während etwa die Asiatischen Wildesel deutlich flexibler waren und nach Westen ausgewichen sind. Deren Verluste sind erheblich geringer.

Studienautorin Petra Kaczensky hob hervor, dass zur dauerhaften Absicherung der Przewalski-Bestände flexible Weidenutzung und weite Wanderungen zur Sicherung der Futterbasis möglich gemacht werden müssen: „Um ungehindert wandern zu können, müssen auch die Landschaften außerhalb der Schutzgebiete in das Projekt miteinbezogen werden. Die strenge Abtrennung und Teilung ihres Lebensraumes erlaubt keine Wanderungen mehr – durch die daraus resultierende geringe räumliche Flexibilität kann es zu lokalen Bestandseinbrüchen wie bei den Przewalski-Pferden kommen. Der katastrophale Winter 2009/2010 hat gezeigt, wie problematisch es ist, alle Pferde in einem einzigen Weidegebiet zu konzentrieren. Die nationale Strategie zur Erhaltung der Przewalski-Pferde in der Mongolei muss daher weiter auf mehrere Standorte mit räumlich verteilten Populationen abzielen – diese aber sollten eng miteinander zusammenarbeiten und wenn nötig auch den Austausch von Tieren auf nationaler oder sogar internationaler Ebene ermöglichen.“ Ihr einfaches Resümee: „Es ist gefährlich, alle Eier in einem Korb zu haben – oder in diesem Fall: alle Pferde auf einer einzigen Weide“, so Kaczensky.

Den vollständigen Artikel können Sie hier nachlesen.

Pferdplus Probeheft
Ich möchte kostenlos und unverbindlich ein Pferdplus Probeheft bestellen.