Reiten in der Schwangerschaft

Ob man in der Schwangerschaft reiten soll und vor allem wie lange, ist ein höchst umstrittenes Thema. Pferdplus-Autorin Barbara Frisch hat mit Ärzten und Reiterinnen gesprochen – und erzählt auch von ihren ganz persönlichen Erfahrungen...

Was sagen Ärzte?
Fragt man bei Frauenärzten nach, so überwiegen erwartunsggemäß jene Stimmen, die zu Vorsicht und Zurückhaltung raten. Viele warnen eindringlich vor Sportarten mit erhöhtem Sturz- und Erschütterungsrisiko, wie es das Reiten zweifellos ist – und weisen darauf hin, dass Reiten die Beckenbodenmuskulatur so trainiert, dass sich das für eine natürliche Geburt nachteilig auswirken kann. Fakt ist, dass durch bestimmte Hormone die Muskulatur und die Bänder vor der Geburt weicher werden, damit das Baby leichter durch den Geburtskanal rutscht. Genau dem wirkt eine stark trainiere Beckenbodenmuskulatur entgegen – die Geburt ist dadurch oft anstrengender und schwieriger, und das Risiko, dass das Kind länger im Geburtskanal feststeckt, ist höher.
Auch sollte man in den ersten 12 Schwangerschaftswochen besonders vorsichtig sein, da in diesem Zeitraum die meisten Fehlgeburten passieren. Kein schweres Heben und generell etwas mehr Schonung sind in dieser Zeit angesagt. Auf der anderen Seite wird aber auch bestätigt, dass Reitbewegungen an sich keine negative Auswirkung auf den Embryo haben – dass also aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, zumindest noch eine gewisse Zeit zu reiten – es dabei aber gemütlich und entspannt anzugehen und nichts zu übertreiben.

Das sagen Reiterinnen
Sabine Danter, Reiterin und Pferdehalterin von Kindesbeinen an, hat zwei Kinder auf natürlichem Weg zur Welt gebracht hat. In der ersten Schwangerschaft ist sie bis zum 7. Monat, in der zweiten bis zum 5. Monat geritten und hat auch die Stallarbeiten selbst erledigt. Ihr habe es sogar gut getan.
Auch Claudia Unterlaß, leidenschaftliche Reiterin und vor allem Züchterin, hat bereits zwei Kinder auf natürlichem Weg zur Welt gebracht. Sie ist allerdings nicht mehr geritten, weil ihr die Leute in ihrer Umgebung abgeraten haben. Die Stallarbeit jedoch hat sie bis zum Ende selbst gemacht und es war überhaupt kein Problem.
Barbara Winkler, Hufpflegerin und osteopathische Pferdetherapeutin, war das Risiko zu groß. Sie ist nicht mehr aufs Pferd gestiegen, was aber auch damit zu tun hatte, dass ihr Pferd kein sicheres Verlasspferd ist. Jedoch auch sie hat die Stallarbeit erledigt und in der Halle longiert. Wobei sie ihren Reiterkollegen Bescheid gab, dass, falls ihr Pferd bocken sollte, sie sofort die Longe loslasse.

Seinem Instinkt folgen
Die Entscheidung, ob man in der Schwangerschaft reitet oder lieber nicht, muss also jede Frau nach besten Wissen und Gewissen für sich selber treffen. Zweifellos ist ein gewisses Risiko im Umgang mit einem so großen Tier vorhanden, das man nicht wegdiskutieren kann und dessen man sich bewusst sein sollte. Frauen, die ihr Leben lang geritten sind und ständig Umgang mit Pferden hatten und haben, können dieses Risiko aber üblicherweise besser abschätzen und schneller auf Gefahrensituationen reagieren, als solche, die erst vor kurzem zu Reiten begonnen haben.
Frauen spüren meist sehr genau, was sie sich und ihrem Baby zumuten können – und sollten auch hier auf ihr Gefühl und ihren „Instinkt“ hören.

Volltext siehe Pferd Plus Heft 12/2011

Pferdplus Probeheft
Ich möchte kostenlos und unverbindlich ein Pferdplus Probeheft bestellen.