Reitschultest: Reiterbund Wels holt auf
Gut 50 Jahre lang war der Reiterbund Wels in der Alpenjägerkaserne beheimatet – und der Zahn der Zeit hatte schon kräftig an der Infrastruktur genagt. Mit der Übersiedlung in die neue Reitanlage im Doppelgraben hat sich vieles geändert. Was genau? Der Pferdplus-Reitschultest gibt Antwort.
Bereits 2010 fanden sechs Testreiter den Weg zum alteingesessenen Reitverein Reiterbund Wels. Das Testurteil mit ausführlichem Bericht und der Gesamtnote Befriedigend wurde in der August-Ausgabe von Pferdplus veröffentlicht. Im September folgte eine umfangreiche Stellungnahme des Vereinsobmannes Johannes Mayrhofer, der darauf hinwies, dass die Bewertung für den Punkt Infrastruktur (damals Note Befriedigend) wegen der bevorstehenden Übersiedlung in die neue Reitanlage quasi überholt sei. Ob das tatsächlich so ist, wollten wir uns persönlich ansehen und haben den Reiterbund ein zweites Mal mit Testreitern besucht – nun aber in seiner neuen Heimstätte.
Die neue Reitanlage des Reiterbundes Wels präsentiert sich modern und ansprechend. Mit der 20 x 60 Meter Reithalle mit Tribüne für 120 Zuschauer, dem Reiterstüberl, dem großen Dressurviereck und freundlichen, hellen Stallungen wurde die Infrastruktur deutlich aufgewertet. Trotz schlechter Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln überzeugte das Areal und wurde von den Testern mit der Note Sehr Gut bewertet.
Eine höhere Punkteanzahl als beim ersten Test gab es auch für die Kategorie Schulpferde. Futterzustand und Putzzeug sind deutlich verbessert – und auch bockige Einlagen der Pferde, wie wir sie beim ersten Test zu sehen bekamen, blieben diesmal aus. Wenig optimal war aber auch diesmal die Unterrichtserteilung – insbesondere beim Longenunterricht. Anfänger – in unserem Fall eine Jugendliche – gehören nicht in die Hände von sichtlich nicht qualifizierten, fast gleichaltrigen Mädchen. Auch wenn für die fortgeschrittenen Reiter und Pferdebesitzer ansprechende Ausbildungsmöglichkeiten angeboten werden (prominente Reiter wie Franz Tiefenthaler und Astrid Neumayer), ist dies für eine gute Gesamtbeurteilung zu wenig.
Die Bewertung der Testreiter ergab eine Gesamtnote von 2,65. Dies ist zwar eine deutliche Steigerung gegenüber der letzten Bewertung (3,36) und kratzt knapp am Gut – aber ganz reicht es dann doch nicht. Der Reiterbund Wels erhält somit von uns die Note Befriedigend.
Mehr Informationen rund um das am 8. Jänner 2011 bezogene Areal findet man unter: www.reiterbund-wels.at
Den vollständigen Test finden Sie in Pferdplus 05/2011.
Die Bewertung im Detail:
Infrastruktur: Sehr Gut
Service & Beratung: Gut
Schulpferde: Gut
Ausbildungspersonal: Befriedigend
Unterricht: Befriedigend
Was uns am Reiterbund Wels gut und weniger gut gefallen hat:
Plus
+ Schöne, moderne Reitanlage
+ große, helle Außenboxen
+ brave Schulpferde
Minus
– unergiebiger, wenig kreativer Unterricht
– Unterrichtspersonal z. T. wenig qualifiziert
– Longeunterricht verbesserungsfähig
Stellungnahme vom Reiterbund Wels:
Den Test unserer Reitschule zu einem Zeitpunkt durchzuführen, zu dem der Umzug offensichtlich nicht einmal ein Monat her ist, betrachten wir als genauso sinnlos bzw. wenig repräsentativ, wie die Beurteilung Mitte letzten Jahres, da zu beiden Zeiten viel Energie des ehrenamtlich geführten Vereins in der Errichtung und Fertigstellung der Anlage gebunden war. Objektiv und fair wäre ein Test zu einem Zeitpunkt, in dem sich eine Anlage und das Vereinsleben wieder im Normalbetrieb befinden.
Ansonsten sind wir nach wie vor der Meinung, dass Einzeltests von Betrieben völlig sinnlos sind, da sich der interessierte Leser jetzt genauso wenig ein vergleichendes Bild über das Angebot in der Region Wels und Umgebung machen kann wie vorher.
Einen bundesweiten Test einer offiziellen Stelle über die Hufeisenzertifizierung hinausgehend würden wir sehr begrüßen, zumal sich offensichtlich so manche Vorstellung eines optimalen Reistschulbetriebs von Pferdplus nicht mit der offiziellen Lehrmeinung der Fena decken (z. B. Abteilungsunterricht). Nach wie vor haben alle Reitschulaufsichthabenden (abgesehen von den Longenführern die dies nur unter Aufsicht machen) eine Ausbilderlizenz.
Bezüglich der von Ihnen kritisierten Qualität des Unterrichts möchten wir festhalten, dass allein im letzten Jahr rund 10 Reitschüler auf Schulpferden, trainiert von den vereinseigenen Ausbildern, bei zahlreichen Turnieren am Start waren und hervorragende Ergebnisse erzielen konnten und momentan ca. 150 Kinder, Jugendliche und Erwachsene beim Reiterbund in Ausbildung sind. Auch die fortgeschrittenen ReiterInnen des Vereins konnten im letzten Jahr über 150 Top-3 Platzierungen in Klassen von A bis S erreiten. Viele von diesen haben ihre gesamte reiterliche Ausbildung im Verein absolviert. Kann also nicht so schlecht sein – oder?
Johannes Mayrhofer, Obmann Reiterbund Wels
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