Resistenzen gegen Wurmkuren: Intervall-Entwurmungen nicht mehr zeitgemäß
Die Pferdeszene reagiert zu langsam auf die zunehmende Medikamenten-Resistenz von Pferdeparasiten, meint der Parasitologe Prof. Martin Nielsen von der Veterinärmedizinischen Universität Kentucky – sieht aber immerhin Fortschritte im Bewusstsein der Pferdebesitzer und Tierärzte.
„Zahlreiche Studien haben die zunehmenden Resistenzen gegen verschiedene, im Handel erhältliche Entwurmungs-Mittel dokumentiert. Parasitologen empfehlen daher dringend eine Reduzierung der Behandlungsintensität und eine Abkehr von den streng nach Kalender durchgeführten Intervall-Wurmkuren für alle Pferde,“ sagte Nielsen, Professor im Department für Veterinary Science des Maxwell H. Gluck Equine Research Center an der Universität von Kentucky in einem Interview.
Experten empfehlen stattdessen eine regelmäßige Analyse von Kotproben, um zuerst Parasiten-Eier festzustellen, ehe Entscheidungen über die Behandlung getroffen werden.
Nielsen weiter: „Befragungen haben ergeben, dass – ungeachtet dieser Empfehlungen – Pferdebesitzer in vielen Ländern noch immer auf die regelmäßige Wurmkur vertrauen, ohne über die mögliche Parasitenart und die Wirkung der benutzten Wurmkur gegen diese Parasiten nachzudenken.
Die Gründe für diese ,Beratungs-Resistenz’ seitens vieler Pferdebesitzer sind mannigfaltig:
• Parasitologen fehlt es an Kommunikationsmöglichkeiten, um ihre Empfehlungen zu verbreiten
• Die Resistenz gegenüber Wurmkuren wird zurzeit noch nicht als Bedrohung für Pferde angesehen.
• Die Anwendung nach dem Kalender ist einfacher als die aufwendigeren und komplizierteren Behandlungsstrategien, die auf Kotproben basieren.
• In vielen Ländern sind billige Wurmkuren auch ohne Verschreibung durch den Tierarzt erhältlich.
All diese Faktoren erschweren es offenbar, die alten Gewohnheiten bezüglich Entwurmung in Pferdeställen zu ändern.
Es gibt erste Fortschritte
Aber Prof. Nielsen sieht auch Fortschritte: „Wir konnten in den letzten Jahren doch erhebliche Veränderungen in der Entwurmung in Pferdeställen beobachten. Das Bewusstsein über die zunehmenden Resistenzen gegen Wurmkuren unter Tierärzten und den Pferdebesitzern wächst langsam, aber stetig – die Untersuchung von Kotproben auf Wurmeier beginnt sich allmählich zu etablieren. Einige europäische Länder haben zudem die Rezeptpflicht für Wurmkuren eingeführt, wodurch die Tierärzte stärker in die Entscheidung über die Behandlung einbezogen werden. Sie überwachen die Parasitenbelastung genauer und verschreiben dazu passende Wurmkuren – daher nimmt die Behandlungsintensität stark ab, was zweifellos positiv ist. Sogar in Ländern ohne dieser gesetzlichen Regelung konnten grundlegende Änderungen beobachtet werden. Viele Praktiker in den USA haben die Untersuchung von Kotproben angepasst, viele Labors bieten nun das Zählen von Eiern und Beratungen in größerem Ausmaß an.“
Der Faktor Internet
Neben der Gesetzgebung in Europa ist der Einfluss des Internets für Prof. Nielsen der wichtigste Faktor für positive Veränderungen: Im letzten Jahrzehnt haben einige Pferdemedien effiziente Portale eingerichtet, um Wissen zu vermitteln. Die Verbreitung von News, Blogs, Fragen und Antworten und dergleichen über das Web haben geholfen, den Zugang zu neuen Information zu erleichtern und dem durchschnittlichen Pferdebesitzer Gesundheitsthemen bewusster zu machen, als dies ein oder zwei Jahrzehnte vorher der Fall war. Nicht zuletzt das Internet hat mitgeholfen, Tierärzten und Pferdebesitzern das Problem, das aus dem Befolgen einer kalenderbasierten Entwurmung resultiert, bewusster zu machen – und wird das auch weiter tun, so Nielsen.
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