Rollkur-Studie beweist erhöhten Stress für Pferde
Im Rahmen der Internationalen Pferdewissenschafts-Konferenz in Edinburgh (18.–20. Juli) präsentierten niederländische und dänische Forscher die Ergebnisse einer neuen Studie, die nachweist, dass mit Rollkur gerittene Pferde größerem Stress ausgesetzt sind.
Die niederländischen und dänischen Forscher fanden heraus, dass Pferde, die mit Rollkur bzw. Hyperflexion geritten und trainiert werden, einem deutlich höheren physiologischem Stressniveau ausgesetzt sind als jene, die in anderen Kopf- bzw. Hals-Positionen gearbeitet werden. Lt. Dr. Machteld van Dierendonck von der Universität Utrecht war dies die erste Studie, die untersuchte, ob es bei Pferden, die in einer normalen Trainingsumgebung geritten werden, eine akute und mittels Cortisol-Konzentration auch messbare Stressreaktion auf die enge Kopf- bzw. Halsstellung gibt. Bisherige derartige Messungen haben sich ausschließlich mit den Stress- und Verhaltensreaktionen von Pferden in Hyperflexions-Haltung an der Longe bzw. auf dem Laufband beschäftigt.
In der Untersuchung wurden die Verhaltensweisen und physiologischen Reaktionen von Pferden in drei verschiedenen Trainingspositionen gemessen: Neben der engen LDR- bzw. Hyperflexions-Position analysierten die Forscher die Pferde auch in der klassischen Prüfungsposition „am Gebiss“ stehend (also leicht vor bzw. an der Senkrechten) – sowie in leichter, lockerer Anlehnung mit geringer Zügelspannung. An der Studie nahmen insgesamt 15 dänische Dressurpferde teil, die von M- bis Grand Prix-Niveau ausgebildet waren und die bereits in Hyperflexions-Haltung geritten wurden, an diese Position also bereits gewöhnt waren. Jeder Reiter musste einen vorgegebenen 10-minütigen Testritt in Schritt, Trab und Galopp in jeder der drei Kopf-Hals-Stellungen absolvieren, in zufälliger Auswahl, wechselnd über drei Tage hinweg.
Dabei wurden die Herzfrequenz, Unterschiede (Variabilität) in der Herzfrequenz, die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel, das Verhalten und die Zügelspannung während der zehnminütigen Testphase gemessen und aufgezeichnet. Die Cortisol-Konzentration wurde 60 Minuten vor und unmittelbar nach dem Ritt gemessen, weiters 5, 15 und 30 Minuten nach dem Testritt. Die Cortisol-Konzentration im Speichel gilt als zuverlässiger Indikator für den Stress, dem ein Pferd ausgesetzt ist.
„Wir fanden heraus, dass der Anstieg der Cortisol-Konzentration im Speichel, im Vergleich zum Normalwert signifkant höher bei jenen Pferden war, die 10 Minuten lang in Hyperflexions-Haltung geritten wurden. In den anderen beiden Kopf-Hals-Stellungen war dieser Anstieg deutlich geringer. Wir haben keine signifikanten Unterschiede bei der Herzfrequenz oder der Herzfrequenz-Variabilität festgestellt – aber bestimmte Verhaltensweisen waren sehr viel deutlicher ausgeprägt, wenn die Pferde in Hyperflexions-Haltung geritten wurden“, so Dr. Machteld van Dierendonck weiter. „Im Vergleich zu früheren Studien an der Longe bzw. am Laufband, wo man Hilfszügel verwendete, um die enge Kopf-Hals-Position herzustellen, wurde bei unserer Untersuchung keine extrem enge Einstellung gewählt. Wir wollten vielmehr das Verhalten und die Reaktionen der Pferde in einer üblichen, typischen Trainingsumgebung überprüfen. In dieser Situation hat sich gezeigt, dass sogar Pferde, die routinemäßig in Hyperflexions-Haltung geritten werden, erhöhtem physiologischem Stress ausgesetzt sind, wie die Cortisol-Konzentration im Speichel zeigt.“
Die Studie war ein Gemeinschaftsprojekt niederländischer und dänsicher Universität – daran beteiligt waren u. a. Janne Winter Christensen von der Universität Aarhus in Dänemark sowie Mirjam van Dalum und Mandy Beekmans von der Universität Utrecht in den Niederlanden.
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