Schenkelbrand soll in Deutschland verboten werden

Der Schenkelbrand soll in Deutschland verboten werden – das hat der Bundesrat heute beschlossen (Foto: www.slawik.com)

Der deutsche Bundesrat hat heute in einer Sitzung beschlossen, den Schenkelbrand bei Pferden verbieten zu lassen. Die Bundesregierung hat jetzt den Auftrag, das Tierschutzgesetz entsprechend zu ändern – allem Widerstand der Pferdezuchtverbände zum Trotz.

Der Kampf war vergebens: Vehement hatten sich die deutschen Pferdezuchtverbände und prominente Vertreter der FN gegen das Verbot des Schenkelbrands zur Wehr gesetzt: „Wir sind sehr enttäuscht über diese Entscheidung. Ein über Jahre gut funktionierendes System zur Kennzeichnung von Pferden wurde einfach so weggewischt. Den Argumenten der organisierten Pferdezucht wurde überhaupt keine Beachtung geschenkt“, meinte Theodor Leuchten, Vorsitzender des FN-Bereichs Zucht und des Rheinischen Pferdestammbuchs in einer offiziellen FN-Pressemitteilung. Die Zuchtverbände haben seit Jahren für die Erhaltung der Kennzeichnung durch den Schenkelbrand gekämpft.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und die Zuchtorganisationen hatten darauf beharrt, dass sich weder der Brennvorgang noch die Brandwunde als „erhebliche“ Schmerzen im Sinne des Deutschen Tierschutzgesetzes einstufen lassen. So wurden über Jahre immer wieder Gespräche mit Staatsekretären, den Tierseuchenreferenten von Bund und Ländern und den Landwirtschaftsministern der Länder geführt. Auch der Versuch, Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner zu überzeugen, scheiterte.

 „Die Kennzeichnung ist seit fünf Jahren ein Dauerthema. Wir hatten bei der Europäischen Union (EU) erreicht, dass unser bewährtes System mit Schenkelbrand und Pass als alleinige Kennzeichnung möglich wäre. Bei der Umsetzung in eine nationale Verordnung zeigte sich dann, dass der Druck aus den Ländern so hoch war, dass trotz der Möglichkeit in der EU-Verordnung der Transponder dennoch kommen würde,“ blickte Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer des FN-Bereiches Zucht zurück. Seit Anfang März 2010 ist die neue Viehverkehrsverordnung in Kraft. Jetzt müssen Fohlen und Zuchtpferde der FN-Mitgliedszuchtorganisationen mit einem Transponder gekennzeichnet werden. Die zusätzliche Kennzeichnung durch den Schenkelbrand, war in der Begründung zur Viehverkehrsverordnung allerdings zugesichert worden und jetzt – nur wenige Monate später – doch abgeschafft.  „Das Vertrauen in die Politik und in die Landesregierungen ist jetzt natürlich weg. Insbesondere auch, weil ein eindeutiges und sicheres Verfahren mit dem Schenkelbrand durch ein nicht weltweit nachhaltiges Transponder-System ersetzt werden soll“, sagte Leuchten. Die Vertreter der FN-Mitgliedszuchtverbände werden sich jetzt darüber informieren, ob und welche weiteren Schritte gegen die Umsetzung dieses Antrags noch möglich sind. (Quelle: fn-press)

Situation in Österreich

In Österreich hat man sich bezüglich Pferdekennzeichnung dafür entschieden, den Schenkelbrand – in Kombination mit Pferdepass und DNA-Typisierung – beizubehalten. Diese Möglichkeit der ,alternativen Kennzeichnung‘ (alternativ zur Transponder- bzw. Chip-Kennzeichnung) ist durch die EU-Verordnung ausdrücklich gegeben und wurde in Österreich im Mai dieses Jahres durch Bescheid des Gesundheitsministeriums offiziell zugelassen. (siehe auch Pferdplus 7/2010, S. 58-61).

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